Rund um die Baukultur

Architektur

Drei Veranstaltungen und eine Erklärung

Baukultur umfasst den kompletten Gebäudebestand, öffentliche Plätze und Infrastrukturen ebenso wie die Prozesse der Bauplanung und -realisierung sowie handwerkliche Techniken. Diesem Verständnis der Bundesstiftung Baukultur folgten im Januar die europäischen Kulturminister. Zu Beginn des Kulturerbe-Jahrs und im Vorfeld des Weltwirtschaftsgipfels in Davos verabschiedeten sie dazu die Deklaration "Towards a high-quality Baukultur for Europe".

Die Teilnehmenden des Treffens anerkennen den dringenden Bedarf für eine Aufwertung der gebauten Umwelt in Europa und verweisen auf aktuelle Herausforderungen wie die wachsende Urbanisierung, Schrumpfung ländlicher Räume, Ressourcenknappheit und Flächenverbrauch.

Baukulturwerkstatt im März 2018 in Dessau

Baukultur kann nur im interdisziplinären Austausch gelingen. Um diesen verstärkt anzuregen, lädt die Bundesstiftung Baukultur regelmäßig zu interessanten Veranstaltungsformaten ein. In Dessau fand im März eine Baukulturwerkstatt zum Thema Bestandsaufnahme statt. "Die 'Ressource Bestand' weiterzudenken und nach Möglichkeit Bestandsbauten zu nutzen, reduziert auch den Flächenverbrauch und vermindert den Einsatz von Baustoffen. Gleichzeitig können charaktervolle Räume und Orte bewahrt und zu neuen Zukunftsorten gestaltet werden", schreibt der Vorsitzende der Bundesstiftung Baukultur Reiner Nagel dazu im Programmheft.

In drei parallel laufenden Werkstattrunden diskutierten die Teilnehmenden nach Impulsreferaten die Themenblöcke:

  • Ressource Bestand: Gebäude sind mehr als nur Bauwerke, sie sind Träger von immateriellen Geschichten und materiellen Werten. Es ist unsere Aufgabe, den gebauten Bestand aufzunehmen und in seiner Beschaffenheit genau zu untersuchen, um daraus Potenziale für eine zukünftige Nutzung abzuleiten. So entstehen Alternativen abseits von Abriss und Neubau.
  • Erbe weiternutzen/weiterbauen: Das Wissen um die historische Bedeutung von Bauten, Quartieren und Gartenanlagen ist grundlegend, um die gebaute Umwelt weiterzuentwickeln. Vor allem an denkmalgeschützte Anlagen werden vielfältige Anforderungen gestellt: das Erbe einerseits zu erhalten und andererseits heutigen Nutzungsansprüchen gerecht zu werden.
  • Mehr Stadt auf weniger Fläche: Wachsende Städte benötigen (Bau-)Flächen. Strategien sind notwendig, mit denen bestehende Strukturen gestärkt werden, ohne immer neue, grüne Flächen am Rand von Siedlungen zu erschließen. Gerade in der Nutzung vorhandener Infrastrukturen und Bestandsbauten liegen innovative Lösungen für die Zukunft von Stadt und Land.

Netzwerkkonferenz Baukultur am 16. April 2018

Rund zwei Drittel aller Bauinvestitionen gehen bereits heute in den Bestand. So stand auch am 16. April 2018 das Kulturerbe-Jahr im Fokus der baden-württembergischen Netzwerkkonferenz Baukultur mit den Themen "Weiterplanen", "Weiterbauen" sowie "Wertschätzung und Wertschöpfung". In ihrem Grußwort hob die Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut den Dreiklang Identität, Identifikation und Qualitätsverbesserung hervor. Für das Letztgenannte versprach sie die Fortführung der Förderung von Gestaltungsbeiräten.

Anders als in Dessau folgten nach der Keynote des Publizisten Wolf Lotter drei Diskussionsrunden, denen jeweils ein Impuls vorangestellt war. Alle wurden engagiert geführt – mal mehr, mal weniger emotional. Prof. Dr. Markus Müller vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau fasste den Tag abschließend zusammen:

  • Es wurde schon immer weitergebaut – in unterschiedlichen Qualitäten.
  • Völlig Neues muss immer möglich sein (z.B. Baulückenschließung oder Ersatzneubau); jedoch "müssen sich die Häuser immer benehmen" – so zuvor von Jórunn Ragnarsdóttir charmant aber nachdrücklich gefordert.
  • Die Davos-Deklaration zur Baukultur, aus der er zitierte, habe eine große Bedeutung.

Baukulturwerkstatt am 3. und 4. Mai in Karlsruhe

Zur Baukultur gehört auch der öffentliche Raum. Passend zur Jahreszeit, in der man gerne das Fahrrad nutzt, und anlässlich der Ausstellung "FAHR RAD!" des DAM lädt die Bundesstiftung Baukultur zur nächsten Baukulturwerkstatt mit dem Thema "Stadt und Fahrradmobilität" ein. Es gilt, innovative Infrastrukturkonzepte zu entwickeln und umzusetzen – mit dem Ziel, den bestehenden öffentlichen Raum aufzuwerten, weiterzudenken und dabei die Themen Flächenverbrauch und Gestaltung angemessen zu berücksichtigen. Die AKBW unterstützt diese nächste Baukulturwerkstatt "Stadt und Fahrradmobilität" am 3./4. Mai in Karlsruhe; aktuelle Programminformationen sowie die kostenlose Anmeldung sind im Internet zu finden.

www.bundesstiftung-baukultur.de

Carmen Mundorff / 23.04.2018