Veranstaltungsort für Tagungen, Seminare, Produktpräsentationen oder Pressekonferenzen.
Informationen für private und gewerbliche Bauherrinnen und Bauherren, Städte und Kommunen.
Foto: Dipl.-Ing. Andreas Adler
Friedhofstraße76307 Karlsbad
Konzeption / NutzungDas einfache und schlichte bauliche Gesamtkonzept aus eingeschossigen und barrierefreien Gebäudeteilen mit den zugehörigen Freiflächen, verbindet alle Baustufen der Friedhofsanlage. Die zentrale Position mit den veranstaltungsunabhängigen Nutzungen trägt zum Parkcharakter der gesamten Friedhofsanlage bei. Die vielfältigen fußläufigen Erschließungen sind zentral und auf kurzen Wegen gegeben. Die kompakte Anordnung der Baukörper lässt ca. 500m² des Baugrundstücks frei, für optionale Erweiterungen in der Zukunft. Die Mehrheit der Besucher kommt aus süd- und westlicher Richtung, hier befindet sich die Haupterschließung. Die Anlieferung erfolgt über einen separaten Zugang von Norden. Durch die getrennte Wegeführung werden Besucherströme und betriebliche Abläufe bewusst entzerrt. Dies ermöglicht einen ruhigen, ungestörten Ablauf der Trauerfeiern und gewährleistet zugleich die nötige Diskretion bei internen Prozessen. Das bauliche Grundkonzept ist die klassische, dreigliedrige Grundrisskomposition. In der Mitte befindet sich die lichtdurchflutete Aussegnungshalle. Diese wird auf der Ostseite von den in sich gekehrten Verabschiedungs- und Nebenräumen, auf der Westseite vom besinnlichen Freiflächenbereich, bestehend aus einem teilüberdachten, geschützten Patio mit Wasserbecken, Sitzmöglichkeiten und begrünten Sichtbetonwänden, die das Grün in den Innenraum tragen flankiert. Auf der Nordseite bilden niedrige Technik- und Funktionsräume den Abschluss zur vorhandenen Baumkulisse.
ArchitekturDie neue Aussegnungshalle fügt sich natürlich in die Topografie und Wegeführung des Friedhofs ein. Großzügige Zugänge und barrierefreie Übergänge ermöglichen dabei ein würdevolles Ankommen, auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Die unterschiedlichen Funktionen zugeordneten Bauglieder folgen einer klaren Hierarchie in Hinblick auf ihre Nutzung. Aus der Klassik entlehnte Elemente unterstreichen die Bedeutung des Ortes. Im Zentrum steht die architektonische Verbindung von Innen- und Außenraum, die sich sowohl funktional als auch atmosphärisch entfaltet. Der Innenraum öffnet sich bewusst zur Umgebung mit Blick auf die umliegende Friedhofslandschaft mit ihrem alten Baumbestand und zum Patio mit Wasserbecken und begrünten Wänden. So entsteht ein enger Bezug zwischen dem Inneren der Halle und der Natur. Die auskragende Deckenplatte überspannt sowohl die Halle als auch Teile des Außenbereichs. Dadurch entsteht eine einheitliche Raumsituation, die Innen- und Außenbereiche verbindet. Der im Westen angrenzende, teileingefasste Patio fühlt sich wie ein geschützter, halböffentlicher Raum an. Dieser Übergangsbereich wird zum Stillen Ort des Innehaltens – zwischen Öffentlichkeit und Rückzug, zwischen Geborgenheit und persönlicher Erinnerung. Die Aussegnungshalle wird so nicht nur zum funktionalen Gebäude, sondern zu einem sichtbar eingebetteten Teil des sozialen und landschaftlichen Raums. In ihrer Lage und Gestaltung vermittelt der Baukörper zwischen Gemeinschaft und Rückzug, zwischen Kultur und Natur – ein Ort, der sich respektvoll in seine Umgebung einfügt und ihr zugleich eine neue Qualität verleiht.
Konstruktion / BaustoffeDie Konstruktion ist ein Hybrid aus Massiv- und Holzbau. Die flachen Dachbereiche sind als Sichtbetondecken ausgeführt. Das Satteldach über der Aussegnungshalle ist eine Holzkonstruktion. Die Materialität und Farbwahl unterstützen die Wirkung von Geborgenheit und atmosphärischer Ruhe: Warme Holzoberflächen, helle Sichtbetonwände und natürliche Bodenbeläge erzeugen eine reduzierte, aber sinnlich erfahrbare Atmosphäre. Die verwendeten Baustoffe beschränken sich auf wertige, dauerhafte, organische Materialien wie Stein, Holz, Glas und Putz. Die verwendeten Materialien können sortenrein getrennt und wiederverwendet werden. Die Wände im Innenraum sind mit regionalen Weißtannenplatten verkleidet. Hinter den Platten verbergen sich die Installationsleitungen - durch das Aushängen der Platten ist eine Revisionierbarkeit aller Installationen möglich. Die Böden im Innen- und Außenbereich bestehen aus fränkischen Muschelkalkplatten. Die Außenwände haben eine einheitliche Farbe mit unterschiedlichen Oberflächenbehandlungen, der Versorgungsbereich hat einen Kellenwurf-, der Publikumsbereich einen Feinputz. Die Fenster- und Fassadenelemente sind aus Aluminium, die darin eingesetzten Zugangstüren sind wie die Stelen am Patio aus Eichenholz. Alle Flachdächer sind extensiv begrünt, das Satteldach hat eine hochwertige Aluminiumdeckung mit durchdringungsfrei montierten PV-Paneelen.
EnergiekonzeptDas Gebäude verfügt über eine Wärmepumpe, eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und eine PV-Anlage auf dem Dach. Zentraler Bestandteil des Energiekonzepts bei dem nicht permanent besetzten Gebäude, ist die intelligente Steuerung der Gebäudetechnik. Dadurch können die Betriebskosten minimiert und die GEG-Anforderungen an den Energieverbrauch deutlich unterschritten werden. Sämtliche Bauteile wie Fenster, Schließanlage, Lüftung, Heizung, Beleuchtung und das Wasserbecken können remote aus dem Rathaus gesteuert werden. Dadurch kann im Winter die Raumtemperatur abgesenkt, und vor einer Beerdigung entsprechend erhöht werden. Im Sommer besteht die Möglichkeit der Nachtlüftung. Dadurch kann das ganze Jahr über eine behagliche Innenraumtemperatur gehalten werden.
NachhaltigkeitskriterienNeben den ökologischen Aspekten wie niedriger Energieverbrauch, Regenwassernutzung durch das Wasserbecken, Sickerflächen, Dachbegrünung, sowie Nutzung regenerativer Energien, erfüllt das Projekt auch weitere Aspekte der Nachhaltigkeit. Ein moderner, würdiger Ort zum Abschiednehmen bietet Raum für kollektive Emotionen, der Menschen über Generationen, Milieus und Weltanschauungen hinweg verbindet. Somit leistet das Projekt einen Beitrag zur Integration und Teilhabe aller gesellschaftlichen Gruppen. Der öffentlich zugängliche Außenbereich schafft einen witterungsgeschützten Begegnungsraum zur Andacht, Besinnung und Aufenthalt - auch außerhalb einer Beerdigung.
Aktuelle Ergebnisse, die Prämierungen aus den letzten beiden Jahren sowie die ausgelobten Verfahren in diesem Jahr inklusive Tipps zur Teilnahme finden Sie hier.