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Foto: Joachim Grothus
Stuttgarter Straße 80-8278628 Rottweil-Neufra
blocher partners realisiert ganzheitlich nachhaltige Betriebsarchitektur in Rottweil. Mit dem Neubau ihres Betriebsstandorts in Rottweil-Neufra stellt die ENRW Energieversorgung Rottweil GmbH & Co. KG wichtige Weichen für die Zukunft. Die Gesellschaft, die über 40.000 Menschen in den Landkreisen Rottweil, Tuttlingen und Schwarzwald-Baar mit Strom, Erdgas, Trinkwasser und Wärme versorgt, vereint nun am neuen Standort künftig ihre bislang dezentralen Unternehmensbereiche unter einem Dach. Zusätzlich zählen kommunale Dienstleistungen sowie Angebote zur Energieberatung und -effizienz zum Portfolio der ENRW.
Das Gebäude ist nicht nur ein Ausdruck architektonischer Qualität und ökologischer Verantwortung – er ist auch eine betriebsorganisatorische Notwendigkeit: Der bisherige Hauptsitz wurde Anfang 2025 geräumt, da auf dem Areal Teile der Landesgartenschau 2028 entstehen. Eine Standortanalyse bestätigte die Eignung des Gewerbegebiets „Berland“ in Rottweil-Neufra, sowohl hinsichtlich der verkehrlichen Erschließung als auch der Nähe zum Versorgungsgebiet. Architektonisches Gesamtkonzept: funktional, klar gegliedert, nachhaltig gedacht Das von blocher partners entworfene Ensemble besteht aus einem dreigeschossigen Verwaltungsgebäude, einer Lagerhalle mit Logistikflächen, Werkstätten und einem integrierten zweigeschossigen Büroriegel.
Insgesamt werden künftig rund 170 Mitarbeitende auf dem Gelände arbeiten. Der neue Standort vereint Innen- und Außenlager, Aufenthaltsräume, Stellplätze für Fuhrpark, Besuchende und Mitarbeitende – ergänzt um Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge und Fahrräder der Belegschaft und des Fuhrparks. Um den Bedarf und die Wünsche an den neuen Arbeitsplatz zu ermitteln, hat die ENRW ihre Mitarbeitenden aktiv eingebunden und in Workshops mit blocher partners sens, dem auf Design Strategy spezialisierten Tochtergesellschaft von blocher partners, die Grundlagen erarbeitet.
Architektonisch folgt das Projekt einer konsequenten Logik: Die Tragstruktur des Verwaltungsgebäudes basiert im Erdgeschoss auf einer Stahlbetonkonstruktion, während erstes und zweites Obergeschoss als reiner Holzbau ausgeführt sind. Die horizontale Gliederung durch Brüstungsbänder sowie einer Holz- Glaselementfassade mit Aludeckschale verleiht dem Gebäude Offenheit und Transparenz. Geschlossene Bereiche sind außenseitig als Aluminiumfassade mit integrierter Photovoltaik auf der Südseite ausgebildet. Die Eingangsfassade im Süden wird offen und transparent durch eine Holz-Pfosten-Riegel-Konstruktion betont. Dabei wird die Fassade zum Ausdrucksträger eines nachhaltigen Anspruchs. Die Photovoltaikflächen an der Südfassade erzeugen nicht nur Energie, sie fungieren zugleich als feststehender Sonnenschutz – sichtbar, funktional und gestalterisch integriert. Das Lagergebäude greift die Höhenstaffelung des Verwaltungsbaus auf und ist durch transluzente Doppelstegplatten gegliedert. Diese lassen Tageslicht in den Lagerbereich einfallen.
Ganzheitlich nachhaltiger AnsatzDie ENRW verfolgt mit dem Neubau das Ziel, ein weitgehend klimaneutrales Gebäude zu errichten. Das energetische Konzept basiert auf Wärmepumpen, welche hauptsächlich über Geothermie-Erdwärmekörbe betrieben werden und einen zusätzlichen Pufferspeicher beladen. Eine zentrale Gebäudeautomation steuert alle technischen Anlagen. Technisches Monitoring erlaubt es, den Energieverbrauch dauerhaft zu optimieren. Zur Klimatisierung der Räume dienen Heiz-/Kühldeckensegel mit akustischer Wirkung. Manuell öffenbare Fensterflügel unterstützen die angenehme Atmosphäre. Dreifach-Isolierverglasung, außenliegender Sonnenschutz und innenliegender Blendschutz runden das Komfortkonzept ab. Blocher partners denkt Gebäude vom Lebenszyklus her – von der Materialwahl über die Betriebsoptimierung bis zum Rückbau. Ziel ist eine Architektur, die funktional überzeugt und ökologisch Bestand hat.
Barrierefreiheit und Aufenthaltsqualität im FokusDer neue Betriebsstandort erfüllt vollumfänglich die Anforderungen der DIN 18040-1 für öffentlich zugängliche Gebäude. Sämtliche Geschosse sind barrierefrei erschlossen, die Verkehrsflächen großzügig dimensioniert, die Türsysteme behindertengerecht ausgeführt. Auch in den Außenbereichen wurde auf stufenlose Zugänglichkeit geachtet. Ein differenziertes Zutrittskonzept für Mitarbeitende, Kundschaft und Lieferverkehr wurde baulich umgesetzt.
Besonders wichtig war den Innenarchitekten die Materialität zur Visualisierung der Marke im Raum, der Holzbau sollte zu „spüren“ sein. Zentraler Begegnungsraum ist der „Marktplatz“ im Erdgeschoss des Verwaltungsbaus – ein offener Aufenthaltsbereich mit Teeküche, der auch für interne Veranstaltungen genutzt wird. Vier Dachterrassen in den Obergeschossen erweitern die sozialen Flächen im Freien.
Die offenen Bürolandschaften sind auf moderne Arbeitsformen ausgelegt: flexible Nutzung, akustisch wirksame Zonierungen, viel Tageslicht und Rückzugsbereiche unterstützen produktives Arbeiten. Dabei galt es die Herausforderung zu meistern, den Mitarbeitenden aus den unterschiedlichen Fachbereichen (Montage, IT, Verwaltung, Beratung etc.) an einem gemeinsamen Campus gerecht zu werden.
Infrastruktur, Technik und StandortschutzEin eigenes Glasfasernetz mit Backup-Leitungen stellt die digitale Infrastruktur sicher. Die technische Gebäudeausrüstung wurde frühzeitig in die Planung integriert, sodass Betriebsabläufe nicht nur digital unterstützt, sondern langfristig wirtschaftlich geführt werden können. Die verkehrliche Erschließung wurde so organisiert, dass der Betriebsstandort mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar bleibt. Die Belange der angrenzenden Wohnbebauung wurden bereits in der Konzeptphase berücksichtigt. So wurde bei der Gebäudeanordnung darauf geachtet, dass Verkehrslärm aus Anlieferungen und Betriebsverkehr an der Grundstücksgrenze zum Gewerbegebiet stattfinden. Zur optischen Trennung zwischen Gewerbe- und Wohnbebauung wurde ein begrünter Sichtschutzwall errichtet, welcher gleichzeitig optimale Bedingungen für die Geothermie-Erdwärmekörbe bietet.
Projektorganisation, Zeitplan und AusblickDie Planung wurde von Beginn an als Gesamtmaßnahme organisiert. Bereits in der Machbarkeitsstudie wurden verschiedene Varianten zur Anordnung des Raumprogramms geprüft. Aufbauend darauf erfolgt nun die Realisierung in einem Zug. Durch die Zusammenführung der bisher verteilten Unternehmensbereiche an einem Standort lassen sich künftig betriebliche Abläufe deutlich wirtschaftlicher und reibungsloser gestalten.
ProjektfactsGrundstücksfläche: ca. 14.650 m²BGF: ca. 10.000 m²Bauweise: EG: Stahlbeton-Konstruktion / 1. und 2. OG HolzbauweiseMaterialien: Holz, Beton, StahlEnergiekonzept: KfW 40 StandardErdwärme (Geothermie-Erdwärmekörbe) und Wärmepumpe zur BeheizungSolarfaltdach mit 350 kWp über dem Parkplatz sowie Solaranlagen auf dem Gebäude und an den Fassaden mit jeweils 50 kWp. Hierdurch kann ein Großteil des Stroms für den Betrieb, die Heizung und den eigenen Ladepark für E-Fahrzeuge selbst erzeugt werden.Barrierefreiheit: Alle Geschosse barrierefrei zugänglich (nach DIN 18040-1)Klimaanpassungsmaßnahmen: Dachbegrünung auf ca. 3900 m²Temperaturregulierung im Gebäude über Heiz-/KühldeckensegelWeitere Besonderheiten: Errichtung des Gebäudes nach den DGNB Gold-Kriterien (aktuell im Zertifizierungsprozess)Fertigstellung: Juli 2025
Aktuelle Ergebnisse, die Prämierungen aus den letzten beiden Jahren sowie die ausgelobten Verfahren in diesem Jahr inklusive Tipps zur Teilnahme finden Sie hier.