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Foto: Christina Kratzenberg Fotografie
Fröbelstraße 1871634 Ludwigsburg
Für die Fröbelschule und die Schule am Favoritepark in Ludwigsburg entstand ein Erweiterungsbau in nachhaltiger Holz-Rahmenbauweise auf dem Gelände des ehemaligen Bolzplatzes. Die Erweiterung schafft dringend benötigte zusätzliche Flächen für insgesamt mindestens 120 schwer erziehbare Schüler. Das pädagogische Konzept sieht vier Einzelgruppen mit jeweils 6 bis 8 Schülern vor, ergänzt durch erforderliche Nebenräume. Durch die kompakte, aufgestockte Bauweise wird eine optimale Nutzung des Schulgeländes erreicht, wobei kurze Wege im Inneren und eine größtmögliche Erhaltung der Schulhofflächen berücksichtigt wurden.
Städtebauliche und landschaftliche Einbindung / Umgang mit dem GrundstückDer dreigeschossige Baukörper mit einer Grundfläche von ca. 32 x 20 Metern wurde freistehend und ohne direkte bauliche Anbindung an die Bestandsgebäude errichtet. Durch die klare Positionierung des Gebäudes entsteht eine städtebaulich präzise Setzung, die sich harmonisch in das Ensemble der bestehenden Schulbauten integriert.
Besonderes Augenmerk wurde auf den sensiblen Umgang mit dem bestehenden Baumbestand gelegt. Durch ein im Vorfeld erstelltes Baumschutzgutachten sowie eine sorgfältige Planung konnte der Neubau mit ausreichendem Abstand zu den geschützten Bäumen platziert werden. Die nördlich und südwestlich angrenzenden Grünstrukturen blieben erhalten und tragen wesentlich zur landschaftlichen Einbindung des Gebäudes bei. Die Erschließung sowie der barrierefreie Zugang des Gebäudes erfolgt über den bestehenden Parkplatz. Die Fröbelstraße dient hierbei als Zufahrtsstraße. Durch den Abriss des alten Containers wurde im Zuge der Planung eine Multifunktionsfläche, die wechselseitig sowohl als Parkplatz als auch aus Schulhof genutzt werden kann, geplant und umgesetzt.
Konzeption, Funktion und AngemessenheitIm Erdgeschoss und ersten Obergeschoss nimmt der dreigeschossige Erweiterungsbau die Räumlichkeiten der Schule am Favoritepark auf. Insgesamt acht Gruppenräume, ergänzt durch dazwischenliegende Differenzierungs- und Inklusionsräume, bieten differenzierte Lernangebote für vielfältige pädagogische Bedarfe. Zusätzlich sind auf diesen Ebenen eine Schülerküche, eine Bücherei sowie ein Lehrerzimmer untergebracht. Die Räume gruppieren sich um eine zentrale Erschließungszone, was eine klare Orientierung und kurze Wege innerhalb des Gebäudes ermöglicht.
Im zweiten Obergeschoss befinden sich zwei weitere Gruppenräume sowie Beratungs- und Verwaltungsbereiche, darunter Räume für Frühförderung, Schulsozialarbeit, Teamarbeit und Einzelberatung. Ergänzt wird das Raumprogramm durch einen multifunktionalen Theater-, Musik- und Veranstaltungsraum, der flexibel genutzt werden kann.
Der Haupteingang befindet sich in der Ostfassade. Von dort gelangt man über einen zentralen Windfang direkt ins Treppenhaus mit Empfangsbereich, von dem alle Etagen barrierefrei erschlossen werden. Die Allgemeinbereiche sind in zwei Brandabschnitte pro Etage gegliedert, wobei ein Aufzug alle Ebenen inklusive des Technik- und Lagerbereichs im Untergeschoss verbindet.
Besonderes Augenmerk galt der Integration der Flurbereiche in das pädagogische Raumkonzept. Die Erschließungszonen wurden nicht als reine Verkehrsflächen konzipiert, sondern fungieren als offene, flexibel nutzbare Lern- und Aufenthaltsbereiche mit Aufenthaltsqualität. Breite Flure, ergänzt durch differenziert gestaltete Nischen, schaffen sogenannte Spiel- oder Lernflure, die moderne Unterrichtsformen wie individuelles Arbeiten, Kleingruppenarbeit oder informelle Lernangebote unterstützen. Der Einsatz von raumbildenden Möblierungen in diesen Bereichen ist durch die brandschutztechnische Auslegung als nicht notwendige Flure möglich. Großzügige Fensterflächen sorgen in allen Aufenthaltsbereichen für natürliche Belichtung und Orientierung. Die funktionale Gliederung, klare Raumfolgen und zurückhaltende Materialwahl schaffen eine ruhige, lernförderliche Atmosphäre.
Technik, Konstruktion, Details, AusführungFür die Realisierung des Erweiterungsbaus wurde auf eine hochgradig vorgefertigte Holzrahmenbauweise gesetzt. Die tragenden Wand- und Deckenelemente wurden in den Werkshallen industriell vorgefertigt und mit eingebauten Fenstern zur Baustelle geliefert. Durch diese serielle Vorfertigung konnte die gesamte Gebäudehülle in sehr kurzer Zeit errichtet werden. Nach wenigen Wochen war das Bauvolumen witterungsgeschützt gefügt und bereit für den weiteren Innenausbau.
Die Konstruktion basiert auf einer massiven Stahlbetonbodenplatte mit umlaufender Frostschürze. Das Treppenhaus sowie das teilweise unterkellerte Untergeschoss wurden ebenfalls in Massivbauweise ausgeführt und übernehmen die vertikale Aussteifung. Auf weitere massive Bauteile wurde bewusst verzichtet, um Gewicht zu minimieren, Transportprozesse zu vereinfachen und die wirtschaftlichen Vorteile der Holzbauweise konsequent zu nutzen.
Ein wesentlicher Vorteil der gewählten Bauweise zeigte sich im Umgang mit dem laufenden Schulbetrieb: Durch den hohen Vorfertigungsgrad konnten Montagezeiten auf dem Schulgelände deutlich reduziert werden. Die Baustellenlogistik wurde im Vorfeld detailliert auf die schulischen Abläufe abgestimmt. So wurden beispielsweise lärmintensive Arbeiten außerhalb der Bring- und Abholzeiten der Schüler durchgeführt.
Besondere Aufmerksamkeit galt der Integration der technischen Gebäudeausstattung: Sämtliche Leitungsführungen wurden in den Flurbereichen gebündelt, sodass in den Unterrichtsräumen keine abgehängten Decken erforderlich waren. Diese Maßnahme ermöglicht klare Raumhöhen, eine gleichmäßige natürliche Belichtung sowie eine ruhige, lernfreundliche Atmosphäre in den Klassenräumen. Gleichzeitig verbessert die zentrale Technikführung die Zugänglichkeit und Wartbarkeit aller Anlagen.
Die Raumlufttechnik wurde ebenfalls integraler Bestandteil des Gesamtkonzepts: Alle Unterrichts- und Nebenräume werden über eine zentrale Zu- und Abluftanlage mit frischer Luft versorgt. Das Lüftungskonzept basiert auf einer optimierten Luftwechselberechnung, die den Anforderungen an ein gesundes Raumklima und energieeffizienten Betrieb gleichermaßen gerecht wird. Das zentrale Lüftungsgerät wurde im Außenbereich des zweiten Obergeschosses positioniert und mit einem Sichtschutz eingefasst. Durch die sorgfältige technische Planung konnte eine gleichmäßige, zugfreie Luftversorgung aller Nutzungsbereiche gewährleistet werden. Die energetische Planung erfolgte auf Grundlage des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) und wurde durch die Teilnahme am Landesnachhaltigkeitsprogramm Baden-Württemberg (NBBW) ergänzt.
Äußere Gestalt, Innenraumgestaltung, MaterialBei der Gestaltung des Erweiterungsbaus steht der natürliche Werkstoff Holz im Fokus. Die Fassade präsentiert sich als lebendiges, vielschichtiges Bild aus vorvergrauten Holzlamellen, die durch ihre unterschiedliche Struktur eine harmonische und zugleich dynamische Außenwirkung erzeugen. Großzügige Fensterflächen sorgen für viel Tageslicht und stärken die Verbindung zwischen Innen- und Außenraum.
Im Innenraum setzt sich die natürliche Materialwahl fort: Sichtbare Holzoberflächen, kombiniert mit gezielt eingesetzten farblichen Akzenten prägen die Atmosphäre. Dabei wurden im Gebäude verschiedene Farbtöne zur Orientierung und Wiedererkennung auf den einzelnen Geschossen entwickelt. Diese Farbgestaltung zieht sich durch Flure, Klassenzimmer und Sanitärräume und schafft eine klare Strukturierung der Lern- und Aufenthaltsbereiche. Ergänzt wird das Materialkonzept durch hochwertige, warme Oberflächen in den Begegnungszonen sowie eine behutsame Integration von Sichtbeton-Elementen, die eine moderne und zugleich zeitlose Raumwirkung erzeugen. Für eine nachhaltige Nutzung wurden langlebige und robuste Materialien gewählt, die den täglichen Anforderungen in einer Schule standhalten und eine hohe Pflegeleichtigkeit bieten.
Die großzügige Belichtung, die natürliche Materialwahl sowie eine kontrollierte Klimatisierung tragen zu einem gesundheitsfördernden und angenehmen Lernumfeld bei. Insgesamt vermittelt das Gebäude eine zeitgemäße, nachhaltige Schularchitektur, die den hohen Anforderungen an Funktionalität und Wohlbefinden gerecht wird.
Außenanlagen „Weiche Schale – Harter Kern“ – Die „Schale“ wird hierbei durch ein Vegetationsband gebildet, welches den grünen Rahmen des Neubaus („harter Kern“) darstellt. In diesem sind in unregelmäßigen Abständen Gehölze, Sträucher und Staudenpflanzungen angeordnet. Im Westen und Osten sorgen Heckenpflanzungen für zusätzlichen Sichtschutz und eine optische Trennung.
Um den Schülern ein vielfältiges Spielangebot zur Verfügung stellen zu können, wurde die bestehende Parkplatzfläche in Norden rückgebaut und ist nun dem Außenbereich der Schule zugeordnet. Während der Hol- und Bringzeiten der Schule wird der Bereich als Busaufstellfläche genutzt und dient außerhalb dieser als Pausenhof. Beide Zufahrten der Busaufstellfläche sind durch Schiebetore gesichert und während des Schulbetriebes geschlossen.
Um die Versiegelten Flächen so gering wie möglich zu halten, sind die Wege und Plätze mit sickerfähigem Betonwerksteinpflaster ausgebildet. Sie schmiegen sich in weichen, geschwungenen Formen an das Vegetationsband an. In den daraus entstehenden Bögen sind Rundsitzbänke angeordnet, die durch ihre Form und das Gegenübersitzen die Kommunikation zwischen den Schülern fördern. Auch vor dem Haupteingang befinden sich Rundbänke, die mit einer attraktiven Baumpflanzung in ihrer Mitte eine einladende Zugangssituation schaffen.
Im Norden und Süden des Neubaus sind Kleinspielfelder vorgesehen, welche die Spielarten Klettern, Rutschen, Balancieren und Schaukeln abbilden. Im Westen liegen in sich geschlossene Außenbereiche, die durch Spielwände vom restlichen Schulhof abgetrennt sind und als Freiluftklassenzimmer genutzt werden können.
Aktuelle Ergebnisse, die Prämierungen aus den letzten beiden Jahren sowie die ausgelobten Verfahren in diesem Jahr inklusive Tipps zur Teilnahme finden Sie hier.