Haus M – Suffizientes Einfamilienhaus
Rotensteiner Straße 37
78628 Rottweil
Oliver Müller, Architekt, Rottweil
Andrea und Oliver Müller, Rottweil
2019
Lage
Das kompakte Einfamilienwohnhaus steht am heterogen auslaufenden Ortsrand von Rottweil-Hausen. Die Umgebung ist stark dörflich geprägt. In direkter Nachbarschaft stehen neben großen Bauernhäusern auch Ein- und Mehrfamilienhäuser aus den Dreißiger- bis Siebzigerjahren.
Das Grundstück entstand kurzfristig mit drei weiteren Bauplätzen durch kommunale Abrundung des Ortsetters und unterliegt einer sehr freien, lokalen Satzung nach § 34 BauGB. Die Fläche geht nahezu nahtlos in die umgebenden Streuobstwiesen und Landwirtschaftsflächen über.
Konzept
Hauptanspruch der Bauherrschaft war trotz Bautypus Einfamilienhaus ein maßvoller Umgang mit dem Grundstück. Dazu der maximale Erhalt möglichst unversiegelter Grundstücksflächen und der Erhalt aller bestehenden Bäume auf dem Grundstück.
Prägende Vorgabe war von Beginn an „Kleines Haus, großer Garten“. Dies trägt ökologische und ökonomische Überlegungen in sich. Mustergültig für den Grundstücksverbrauch und eine unbedingt nötige Größe empfanden die Bauherren die örtlichen Straßenzüge mit klassischen Kleinsiedlungshäusern aus den 1950er Jahren. Dort wurden Grundflächen und Volumen mittlerweile aber durch An- und Umbau teils mehr als verdoppelt. Die schlichte Klarheit und Schönheit der Gebäude gingen hierdurch oft verloren.
Entgegen dem Trend, dass die Wohnfläche pro Kopf seit Jahrzehnten konstant wächst, war der Bauherrenwunsch deshalb, wieder zu den sparsamen, suffizienten Konzepten der Nachkriegsjahre zurückzukehren. Zielsetzung war es, ein minimales Haus für eine fünfköpfige Familie zu bauen, das trotzdem hohe Wohnqualität bietet.
Die Gebäudestruktur sollte traditionell und einfach sein. Eine „Stube“ mit Esstisch und Ofen als gemeinschaftliches Zentrum des Hauses. Schlafräume als reduzierte, private und abgeschlossene Rückzugsmöglichkeiten für den Einzelnen. Ergänzt durch Küche und Sanitärräume in auf Funktion optimierter Minimalgröße. Und daneben noch genügend Platz für kleinen Alltagsluxus wie Badewanne und bodenebene Dusche.
Kleine Details wie eingebaute Schreibtische und Einbauschränke in den Kinderzimmern oder der Haustechnikraum unter der Treppe sparen weitere Fläche ohne Verlust an Komfort oder Nutzbarkeit.
Konstruktion
Schon zu Beginn der Entwurfsphase wurde Holz als Hauptbaustoff festgelegt. Neben den ökologischen und bauphysikalischen Vorteilen stand für die Bauherrschaft die Möglichkeit für Eigenleistungen im Ausbau hier im Vordergrund.
Ausgangspunkt sind eine simple, archetypische Schnittfigur und materialgerechte Raumgrößen und Spannweiten. Ein Längenraster mit Achsabstand von 3,00m erwies sich als gut geeignet. Das steile 45°-Dach reagiert auf die Dächer der typischen Bauernhäuser im Dorf und bringt gleichzeitig Einsparpotential durch rechte Winkel an allen Dachbauteilen. Der Verschnitt für Dachmaterialien konnte auf ein Minimum reduziert werden.
Vorgefertigte Holztafelwände und große Koppelpfettenelemente im Dach sorgten für die schnelle Herstellung einer dichten Gebäudehülle vor Ort. Als Zwischendecken und für die Schlafgalerieebene wurde oberflächenfertiges Brettsperrholz eingesetzt. Die Wand- und Dachelemente sind möglichst einfach aufgebaut. Dies reduziert Schnittstellenrisiken und vermindert die Herstellung von Verbundwerkstoffen oder nicht trenn- und recyclebaren Aufbauten.
Außenwände und Dach sind mit innenseitigen, aussteifenden Gipsfaserplatten oder sichtbaren Holz-Dreischichtplatten beplankt. Die Gefache der Holzständerkonstruktion wurden mit eingeblasenen Holzfasern gedämmt. Holzweichfaserplatten fassen als durchgängige thermische Hülle Außenwände und Dach ein. Eine hochdiffusionsoffene Wind- und Schlagregenschutzbahn und eine sägeraue Lärchenholzfassade bzw. ein klassisches Dach mit mineralischer Deckung bilden den äußeren Abschluss.
Die reduzierte Gesamtauswahl an möglichst ökologischen Materialien und gleichzeitig der Bauherrenwunsch nach hohem Eigenleistungsanteil bedingen sorgfältig geplante und durchdetaillierte Fügungen. Details wie Schattenfugenprofile zwischen Wand und Decke, flächig eingebundenen Stahlträger und großflächige Verglasungen ohne zusätzliche Blenden oder Fensterbänke ergeben dadurch eine reduzierte, klare Ästhetik bei gleichzeitig einfacher Verarbeitbarkeit.
Gebäudetechnik
Das Gebäude wurde als KfW Effizienzhaus 70 erstellt. Zur Energieversorgung ist es an ein lokales Nahwärmenetz angebunden und erhielt ergänzend einen Heizkamin für die zentralen Wohnräume. Es verfügt zudem über eine zentrale, kontrollierte Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.
Nebengebäude und Außenanlagen
Garage und Schuppen wurden ohne Betonbodenplatte hergestellt. Für den Unterbau von Haus und befestigten Hofanteilen wurde größtenteils Recyclingmaterial verwendet. Alle Flächen wurden sickerfähig oder komplett unverdichtet hergestellt. Gartenmauern und Abgrenzungen bestehen hauptsächlich aus wiederverwendeten Abbruchmaterialien alter Häuser und Wege aus dem Dorf und der Umgebung. Auch die Hauptterrassenflächen wurden aus dem Holz eines ehemaligen Werkstattbodens gebaut.
