Veranstaltungsort für Tagungen, Seminare, Produktpräsentationen oder Pressekonferenzen.
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Foto: Thomas Eicken
Illenauer Allee77855 Achern
Landschaftlich reizvoll gelegen vor der Kulisse der Hornisgrinde, dem höchsten Berg des nördlichen Schwarzwaldes, liegt die Stadt Achern im Ortenaukreis. Im Herzen der Stadt, zwischen dem Mühlbach und der Illenauer Straße, befindet sich das 5,25 ha große Areal der Illenauwiesen, das seit dem Ende des 2.Weltkriegs für die Acherner Bevölkerung lediglich als abgesperrte Brachfläche mitten im Stadtgebiet existierte. Hier befand sich, nach Inanspruchnahme als Fuhrpark der französischen alliierten Streitmacht, militärisches Sperrgebiet. In dieser Zeit entstand die heute denkmalgeschützte Reithalle, ein Tankstellengebäude und zahlreiche versiegelte Flächen und Barackengebäude der militärischen Nutzung. Nach Abzug der französischen Besatzung, ging das Gelände zunächst in Eigentum des Bundes über.
Im Jahr 2014 erwarb die Stadt Achern das ehemalige Kasernengelände der französischen Armee auf den Illenauwiesen von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) und veranlasste die „Städtebauliche Neuordnung der Illenauwiesen“ über einen anonymen interdisziplinären Ideenwettbewerb. Der Wettbewerb 2015 war ein Meilenstein: Der Entwurf des Büros QUERFELDEINS Landschaft | Städtebau | Architektur aus Dresden legte die Grundlage für einen Rahmenplan, der Wohnen, Arbeiten, Mobilität, Freiraum und Geschichte in Einklang bringt. Durch das Büro wurde im Anschluss der Bebauungsplan und die Planung der öffentlichen Freianlagen erstellt. Die facettenreiche städtebauliche Entwicklung im Areal Illenauwiesen kam nach über zwölf Jahren intensiver Planungen, Verhandlungen und sorgfältiger Umsetzung im Jahr 2025 zum erfolgreichen Abschluss.
Das städtebauliche Konzept sieht ein kompaktes Stadtquartier aus zwei Baufeldern und ein starkes Freiraumgerüst vor, welches sich entlang des Mühlbachs aufspannt und sich über zwei Anger mit dem Quartier und der umgebenden Wohnbebauung verzahnt. Der großzügige Landschaftspark entlang der Mühlbachaue mit seinem wertvollen Gehölzbestand wird zum verbindenden Freiraumelement das sich über ein engmaschiges Fuß- und Radwegenetz bis in die Innenstadt vernetzt. Entlang des Weges sind Picknickstationen und naturnah gestaltete Spielorte angeordnet. Sie werden umgeben von Auenvegetation und einer Landschaft aus Hügeln und Wiesen. Diese topografische Besonderheit zeugt von der besonderen Herausforderung der Integration aller anfallenden Erdmassen auf dem Grundstück, die sich in der spannenden Modellierung des Parkes wiederfindet. Sitzstufen reichen bis ans Wasser des Mühlbachs. An der neuen Bebauung sorgt eine Promenade für Raum zum Flanieren und für die Ver- und Entsorgung des ansonsten autofreien Quartiers. Mulden nehmen das anfallende Regenwasser aus den Baufeldern auf und lassen es langsam versickern.
Im Norden des Landschaftsparks wurde der Grüne Parkplatz mit Stellplätzen für die Stadtverwaltung in der Illenau eingebettet, der sich durch seinen hohen Entsiegelungsgrad auszeichnet. Zahlreiche Elektroladesäulen und eine Bike-Station unterstützen zeitgemäße Mobilitätsformen. Ursprünglich auf dem ehemaligen Kasernenareal in Achern erbaut, ist die Reithalle heutzutage Mittelpunkt eines neuen Quartiers inmitten der 27.000-Einwohner-Stadt. Um die Reithalle verschmelzen die Parzellengrenzen mit dem öffentlichen Landschaftspark dank des Freiraumkontinuums, in das sich auch die Reithalle einbettet. Die drei erdgeschossigen Wohnungen werden mittels einer weidenbepflanzten Entwässerungsmulde abgeschirmt. Kleine Cortenstahl-Brücken verbinden diese mit dem baumbestandenen Reithallenplatz der für Veranstaltungen (Flohmärkte, etc.) zur Verfügung steht. Der heutige Julius-Hirsch-Platz verbindet das Ensemble mit dem Landschaftspark und schafft eine spannende Nahtstelle zur angrenzenden Firmenzentrale auf den beiden Baufeldern. Zentraler Angelpunkt zwischen Wohnumfeld, Reithallenensemble und dem nachbarschaftlichen Quartier ist der organisch modellierte Quartiersplatz. Er ist der Ankunftsort und Adressbildner des Parks.
Eine Besonderheit der naturnahen Planung ist der zukunftsgewandte Umgang mit Regenwasser. Über miteinander verbundene Mulden und Mulden-Rigolen-Systeme wird sichergestellt, dass selbst bei Extremregenereignissen das Wasser vor Ort, auf dem Grundstück, verbleibt und versickert. Der blaugrüne Entréeplatz empfängt mit einem Trinkbrunnen, einer großzügigen bepflanzten Sickermulde und vielen robusten Gehölz- und Staudenpflanzungen.
Besonderheiten:- Konversion eines militärischen Altstandortes in der Innenentwicklung in ein mischgenutztes Quartier für Wohnen, Arbeiten und Versorgen auf kurzen Wegen- Schaffung von dringend benötigten Arbeitsstätten und arbeitsnahem Wohnraum für alle Alters- und Sozialgruppen im ländlichen Raum (Neubau Unternehmenszentrale Powercloud GmbH auf den Baufeldern für rund 200 Mitarbeiter:innen, inkl. Design-Budget Hotel und 140 Wohnungen)- Integration historischer Bauelemente (Nutzung Grauer Energie) wie der denkmalgeschützten Reithalle, des Tankstellengebäudes oder dem historischen Männerbad als soziale Treffpunkte und Orte der Identität- Nahversorger und Gastronomie in der Reithalle mitten im Quartier bietet regionale Lebensmittel und andere Waren- Starkes Freiraumgerüst definiert den Städtebau und sichert die Verankerung in das bestehende Stadtgefüge- Sicherung einer klimapositiv wirksamen Fläche im Stadtgebiet- Erlebbarmachen und Zugänglichkeit des vorhandenen Fließgewässers- Erhalt wertvoller Gehölze im Aubereich, Neupflanzungen eines artenreichen und dichten Gehölzbestandes, ökologisch hochwertiger Ansaaten und Unterpflanzungen- Einsatz klimaangepasster Arten- Neugestaltung biodiverser Grün- und Freiräume unter Berücksichtigung der Klimaanpassung im Schwammstadtprinzip (komplette Rückhaltung und Versickerung des anfallenden Regenwassers vor Ort), auch Regenwasser von privaten Parzellen wird auf öffentlichem Grund versickert- Dabei wurden innovative bauliche Lösungen im Umgang mit Regenwasser gesucht. Tiefbeete und Mulden werden selbstverständlich in das Freiraumkonzept integriert, Ein- und Überläufe attraktiv gestaltet. Ein Tiefbeet, das den Baumplatz von den privaten Terrassen der Reithalle trennt, sorgt für Privatsphäre.- Verwendung von versickerungsfähigen und hellen Materialien (Albedoeffekt) in den Außenanlagen- Das Material für offene Deckschichtbeläge (Wassergebundene Wegedecke) und mineralische Stoffe zum Mulchen (für Pflanzflächen) sind regionalen Ursprungs, Findlinge zur Gestaltung von Teilflächen sind lokalen Ursprungs aus diversen Siebvorgängen vor Ort, bei Ausstattungsgegenständen und Spielgeräten mit Holzanteil wurde überwiegend auf langlebige Holzarten wie Eiche und Robinie zurückgegriffen- PV-Anlagen auf allen Dachflächen- autofreies Quartier der kurzen Wege- Aufwertung und Vernetzung der vorhandenen Freiräume mit den übergeordneten Freiraumsystemen Acherns, inklusive dem Rad- und Fußwegenetztes- Förderung klimafreundlicher Mobilität (Neue Brücke über den Mühlbach, Mobilitätsstation mit Carsharing-E-Auto und Nextbike-Leihfahrrädern, überdachte Fahrradabstellanlage und Reparaturstation, barrierefreier Bushaltepunkt zur optimalen Anbindung an ÖPNV)- Schaffung eines blaugrünen, zentrumsnahen Parkplatzes für Tages- / Wochenparker mit acht Ladepunkten für E-Fahrzeuge- Etablierung von Kunst im öffentlichen Raum (Julius-Hirsch-Stehle auf dem Julius-Hirsch-Platz, künstlerische Umgestaltung Tanke58)
Finanzierung:- Gesamtentwicklungskosten ca. 6,8 Mio € (ohne Grunderwerb)- Förderung Städtebau ca. 1,2 Mio €- Eigenanteil Stadt Achern ca. 0,8 Mio €
Aktuelle Ergebnisse, die Prämierungen aus den letzten beiden Jahren sowie die ausgelobten Verfahren in diesem Jahr inklusive Tipps zur Teilnahme finden Sie hier.