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Foto: René Mueller
Hindenburgstraße 4971638 Ludwigsburg
Die städtebaulich architektonische Auseinandersetzung mit der Jägerhofkaserne verfolgt den Ansatz einer Sichtbarwerdung, Visualisierung historischer baulicher Entwicklungen, Schichtungen und Texturen. Im geschichtlichen Kontext werden diese Phasen herausgearbeitet, weiterentwickelt und ergänzt.
Nach außen, in den öffentlichen Raum spürbar wird die innere Quartiersentwicklung, Nachverdichtung in Architektursprache, Materialität und Ausdruck erlebbar. Sechs Solitäre (sechsgeschossig plus Dachgeschoss) prägen unter Berücksichtigung des identitätsstiftenden Baumbestandes im Süden die grüne Innenhofsituation. Der Baumbestand wurde durch Umpflanzung, Pflege und Wiedereinpflanzung erhalten.
Durch die versetzte Anordnung der Baukörper entstehen optimale Belichtungssituationen, Orientierungen und gegliederte Freiräume. Es entstehen klare Zonierungen von öffentlichen und geschützten privaten Frei- bzw. Platzflächen. Die Quartiersgarage wird topographisch eingebunden und erschließt sich über die Alt-Württemberg-Allee im nördlichen Bereich – wodurch das autofreie Herzstück des Quartiers erhalten bleibt.
Im Bereich des neuen 4-gruppigen Kindergartens, im sanierten und ergänzten DRK-Gebäude, entsteht eine attraktive Platzsituation, der aus den angrenzenden Gebäuden Nutzungen – Quartierscafé, Begegnungszentrum und Gewerbeeinheiten - zugeordnet sind, die diesen Raum bespielen.
Die 2. Bauphase der Jägerhofkaserne (1937—1938) wurde in Teilbereichen (verbindende Mittelbauten) zurückgebaut. Durch diese Entwurfsentscheidung wird die historischen Gebäudestruktur von 1903 wieder sichtbar. Die eingefügten Neubauten mit neuen Erschließungselementen bilden im Kontext des Bestandes die typische Blockrandbebauung im Übergang zu den östlichen angrenzenden Wohnbebauungen. Mit den ergänzenden Neubauten in den Zwischenräumen der historischen Bausubstanz wird auch ein funktionaler Mehrwert geschaffen: Neue, barrierefreie Erschließungselemente ermöglichen eine sinnvolle Anbindung der versetzten Geschossebenen und unterstützen die Umstrukturierung der Bestandsgebäude zu modernen Wohnungsgrundrissen. Gleichzeitig werden neue Adressen und klare Zugangssituationen entlang des öffentlichen Raums geschaffen.
In diesem Zusammenhang kommt auch dem Umgang mit den historischen Fassaden und den eingefügten Neubauten eine große Bedeutung zu. Die jeweiligen historischen Bauphasen werden in den Fassaden wieder ablesbar. Über dem vorhandenen Sandsteinsockel werden die Ziegelfassaden der Bauphase 1903 wieder hervorgeholt.
Die historische Fassade von 1903 sowie die teilweise im Entwurf beibehaltene Aufstockung aus den Jahren 1937/38 werden aufwendig bearbeitet: Entfernen des Wandputzes und Auskratzen loser FugenReinigen der Ziegelfläche mit Schleifen und Abwaschen Steine reprofilieren, Fugen füllen und abziehen2-Fache Beschichtung mit einer vollflächigen Fassadenschlämme mit diffusionsoffenem, wasserabweisenden Anstrich auf Sichtmauerwerk im 1.OG und 2.OG Besenstrichstruktur im 3.OG
Die neu ergänzten Aufstockungen werden architektonisch bewusst abgesetzt. Eine klare horizontale Fuge trennt Alt und Neu, während moderne Materialien, eine glatte Putzoberfläche und die Vorgehängten Fassadenplatten, mit einer reduzierten Formensprache den Kontrast verstärken.
Das bestehende DRK-Gebäude wird auf seine Betonskelettkonstruktion zurückgeführt und in diesem Duktus erneuert, transformiert. Ausfachungen mit hochformatigen Fensterelementen in einer Skelettrahmenkonstruktion geben dem umgebauten Bestand eine eigene Identität, Prägung. Die Aufstockung um ein Geschoss sowie ein südlich angrenzender Neubau erweitern das Flächenangebot für soziale Infrastruktur. Der Topografie entsprechend erfolgt im nördlichen Bereich der Alt-Württemberg-Allee die Zufahrt zur gemeinsamen Quartierstiefgarage.
Mit dem jeweils gebäudespezifischen Umgang der Erneuerung, der Ergänzung von historischer Bausubstanz und Erlebbarmachen unterschiedlichen Zeitschichten entsteht mit der Neuordnung der Jägerhofkaserne ein Stadtbaustein, der auf Historischem aufbaut, aber sich auch selbstbewusst mit den Anforderungen des heutigen Städtebaus auseinandersetzt.
Dank des Erhalts und der Stärkung der Blockrandbebauung und einer innerquartierlichen Weiterentwicklung wird der historische Stadtgrundriss erlebbar gestärkt und als ein attraktiver Ort für innerstädtisches Wohnen und Arbeiten generiert. In dieser Auseinandersetzung entsteht ein Ort von hoher Identifikation für seine zukünftigen Bewohner und Nutzer. Die unterschiedlichen Wohnungstypologien, Wohnungsgrößen und –formen, Büro und Dienstleistungsflächen sowie öffentliche Einrichtungen bilden ein differenziertes Angebot für die Nutzer und ermöglichen im Quartier einen Ort neuer Nachbarschaften und gegenseitiger Kommunikation.
ZahlenWohneinheiten: Bauabschnitt eins 76 WE, Bauabschnitt zwei 33 WE, Bauabschnitt vier 52 WEGewerbe/Gemeinschaft: Café/Bäckerei, Kindergarten, Büroeinheiten 8-18, Gemeinschaftsräume 2Erhalt von Großbäumen 9 Stück
Flächen Grundstücksfläche: 16.250 qmBGF (oberirdisch): 25.180 qmBRI (oberirdisch): 95.900 qmWohnfläche 13.110 qmGewerbe/NUF 5.570 qm
Wettbewerb Ende 2016Erste Abbrucharbeiten Ende 2019Fertigstellung Sommer 2025
Aktuelle Ergebnisse, die Prämierungen aus den letzten beiden Jahren sowie die ausgelobten Verfahren in diesem Jahr inklusive Tipps zur Teilnahme finden Sie hier.