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Foto: Tobias Zisterer
Metzgergasse 1678628 Rottweil
Städtebauliche und landschaftliche Einbindung Das Gebäude liegt in der historischen Innenstadt und ist das rechte Endhaus einer dreiteiligen Straßenbebauung, welche zugleich den äußeren Rand der historischen Innenstadtbebauung darstellt. Es folgt ein Grüngürtel, welcher steil zum Neckartal abfällt. Aus dem Obergeschoss des Gebäudes hat man einen weiten Blick ins Neckartal.
Konzeption und Funktion Ausgangspunkt war der Wunsch des Bauherren, die alte Schlosserwerkstatt aus dem Familienbesitz zu erhalten, jedoch künftig als privaten Wohnraum zu nutzen. Die Schlosserei ist bereits vor vielen Jahren in ein Gewerbegebiet umgezogen. Das Gebäude ist mehrere 100 Jahre alt und denkmalgeschützt. Die im Laufe der Zeit vorgenommenen Veränderungen sind an Tragstruktur und Materialität ablesbar. Zuletzt diente das Gebäude als Lagerfläche und stand ansonsten leer. Die Idee war, das Gebäude in vollem Umfang zu sanieren und auszubauen, und dabei die dunklen Lagerflächen in ein helle und freundliche Wohnfläche zu verwandeln. Eine Herausforderung stellte dabei die bestehende Fundamentierung aus Naturstein und die Feuchtigkeit im Bruchsteinmauerwerk der hanglagigen Außenwände dar.
Grundstück und Freiraumgestaltung Das Gebäude steht komplett auf seiner Grundstücksgrenze. Die Außenraumgestaltung beschränkt sich daher auf die denkmalgerechte Fassadengestaltung, die Ausformulierung einer Dachterrasse und einen Beispielhaftes Bauen Landkreis Rottweil 2016-2025 Objekt 8.1 Seite von 2 3 kleinen Eingangshof, der im Sommer zu einem überdachten Sitzplatz werden kann.
Äußere Gestalt und Innenraum Da der Gebäudebestand denkmalgeschützt ist, blieb die Gebäudehülle mit ihren Fenster- und Türöffnungen weitestgehend erhalten. Auch im Inneren war die Maxime, die bestehende Tragstruktur zu erhalten und, wo nötig, zu ertüchtigen. Das Dachgebälk aus dem 17. Jahrhundert wurde von einem Restaurator wieder an seine richtige Position gerückt, die bestehende Schieflage des Gebälks dabei korrigiert. Die innere Raumstruktur orientiert sich an der alten Raumaufteilung und wurde ergänzt. So wird die Werkstatt im Erdgeschoss zur Küche, das Lager zu Technikraum, Bad und Treppenhaus. Im Obergeschoss blieben die Wände ebenfalls stehen und bilden heute Schlaf- und Wohnzimmer aus. Der Dachspitz dient zur Erschließung der Dachterrasse. Er wurde über dem Wohnzimmer auf seine Balkenlage zurückgebaut, wodurch ein offener und heller Dachraum entstand.
Details, Ausführung und Technik Die Sanierung startete mit der Trockenlegung des Bruchsteinmauerwerks mittels Betonschale und neuer Bodenplatte. Die statische Ertüchtigung erfolgte durch das Einbringen sichtbarer Stahlträger entlang des alten Holzgebälks. Die energetische Sanierung wurde mit ökologischen Materialien für ein gutes Raumklima, geringe Energiekosten, sommerlichen Wärmeschutz und den respektvollen Erhalt des Bestands durchgeführt. Das Dachgebälk wurde mit Zellulose ausgeblasen, die Innendämmung aus Holzweichfaserplatten und der Innenputz aus Lehm hergestellt. Der Bodenbelag im Erdgeschoss wurde mit mineralischen Mamorsanden gespachtelt, im Obergeschoss mit Holzdielen belegt. Die Sandsteinplatten aus dem Unterbau der alten Werkstatt wurden ausgegraben, gereinigt und als Bodenbelag im neuen Eingangsbereich wiederverwendet. Der Bauherr ist in die Fußstapfen seiner Vorfahren getreten und führt den Schlosserei-Betrieb weiter. Somit lag ein Schwerpunkt auf dem Erhalt des Charakters der Schlosserwerkstatt. Alte Werkstattelemente, wie die Esse und der Werkstoff Stahl, flossen in die Sanierung ein. Die neue Haustechnik beugt sich den Gegebenheiten der dichten innerstädtischen Bebauung, eine Wärmepumpe war nicht umsetzbar. Die Wahl fiel auf eine Pelletanlage für den Winter, in Kombination mit einer PV-Anlage, die in den Übergangszeiten den Pufferspeicher mit einem E-Stab heizt. Ein Stromspeicher macht den Gebäudebetrieb zusätzlich weitestgehend autark. Die Haustechnik versorgt außerdem das benachbarte Gebäude mit. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ergänzt das nachhaltige Gebäudekonzept.
Gesamteindruck und Zeitbezug Die ehemalige Schlosserei fügt sich nach wie vor in das Erscheinungsbild der historischen Innenstadt ein. Die Sanierung sichert den Erhalt des Gebäudekomplexes und erhöht die Qualität des Quartiers.
Nachhaltigkeit Die Umnutzung des Leerstandes, und der Erhalt historischer Bausubstanz, stärken das Rottweiler Stadtbild nachhaltig. Die Sanierung trägt durch die Erhaltung des Altbaus zu einer ressourcenschonenden Bildung neuer Wohnflächen bei. Die energieeffiziente Haustechnik ermöglicht, in Kombination mit der gedämmten Gebäudehülle, ein zeitgemäßes Wohnen im Denkmal.
Bestand: Zähringer Gründungsväter, 1. Haus im Stadtplan der Kernstadt, 16. Jh.
Aktuelle Ergebnisse, die Prämierungen aus den letzten beiden Jahren sowie die ausgelobten Verfahren in diesem Jahr inklusive Tipps zur Teilnahme finden Sie hier.