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Foto: Anton Schwarzenberger
Spitalstraße 2977855 Achern
Ausgangslage und städtebauliche Situation Auf ihrer Strecke durch die Innenstadt Achern war der namensgebende Fluss Acher komplett kanalisiert, oft zwischen Ufermauern versteckt, strukturell in keinem guten Zustand und für die Bewohner kaum zugänglich. Die Situation änderte sich, als südlich der Kernstadt eine Industriefläche direkt am Gewässer zu einem Wohngebiet umgebaut werden sollte. Hier ergriff die Stadt ihre Chance, sicherte sich einen durchgehenden Uferstreifen und beschloss, am nördlichen Ende Richtung Zentrum vier Gebäude abzureißen und dauerhaft als uferbegleitende Grünfläche zu entwickeln. Mit der Öffnung eines 300 Meter langen Uferabschnitts wurde das Gewässer ökologisch aufgewertet, der Hochwasserschutz verbessert und ein wichtiger Lückenschluss im Fuß- und Radwegenetz erreicht. Der kleine Park bildet flussabwärts ein grünes Tor zur Innenstadt und in Gegenrichtung eine uferbegleitende Verbindung nach Oberachern.
Ökologische Aufwertung des Gewässers Die Erfüllung von Zielen der Wasserrahmenrichtlinie war ein Hauptkriterium des Projektes. Dafür wurde das Acherbett aufgeweitet, Ufermauern zurückgebaut und Maßnahmen zur Erweiterung der Strömungsdiversität unternommen. Störsteine und Lenkbuhnen verlangsamen und beschleunigen den Wasserlauf stellenweise und schaffen so verschiedene Wasser- und Sedimentzonen für eine höhere Biodiversität im Gewässer. Im Uferbereich wurde ein Fischunterstand untergebracht, der den Fischen kühlen Aufen¬thalt und Schutz vor Fressfeinden bietet.
Hochwasserschutz An vielen Stellen ihres Lauf müssen an der Acher Maßnahmen ergriffen werden, um Schutz vor einem 100-jährlichen Hochwasser zu bieten. Auf der Fläche des heutigen Uferparks nähme das Wasser seinen Lauf über Privatgärten aber auch über die nahe Straßenkreuzung hinweg quer über den Marktplatz und die Hauptstraße. Mehrere Rechenläufe und planerische Anpassungsarbeiten waren notwendig, um sinnvolle Gegenmaßnahmen zu finden. In Zusammenarbeit mit Anwohnern konnte hier sowohl ein Individualschutz einzelner Grundstücke erreicht als auch ein mögliches Einströmen des Wassers in die Acherner Innenstadt verhindert werden. Neben Betonwänden und mobilen Einsatzelementen sind es vor allem Bodenformationen, die Teil der Landschaftsgestaltung sind, hier aber auch als Hochwasserdamm funktionieren.
BodenmanagementBei Bodenuntersuchungen im Vorfeld der Baumaßnahmen wurden verschiedenste Schadstoffe gefunden, die eine Deponierung von Boden sehr teuer gemacht hätten. Zusammen mit der Bodenbehörde konnte ein lokaler Umgang mit dem Material gefunden werden. Es durfte vor Ort belassen und auch umgelagert werden. So wurden z.B. Böden, die bei der Aufweitung des Flussbettes anfielen, an anderer Stelle als Hügel wieder eingebaut. Dies konnte sowohl gestalterisch als auch für die Schutzbauwerke genutzt werden.
Gestaltung des UferparksDie Freiraumgestaltung verband alle genannten Ziele, Kriterien und Restriktionen zu einer bewegten Flussuferlandschaft, in die man eintaucht und schon nach wenigen Metern die Innenstadt hinter sich gelassen hat. Gängigen Mustern von Parkanlagen widersteht die Anlage durch heimische Gehölzgruppen und blühende Wiesen, die gänzlich ohne Rasenflächen auskommen, so als müsste man sich den Uferabschnitt auf Pfaden erschließen. Die geschaffene Topografie mit Hügeln und Senken hilft, diesen Eindruck zu erwecken.
Der Hochwasserschutz wurde mit Erdhügeln, Retentionsräume dagegen mit Senken geschaffen. Diese Formationen weichen selbst notwendige Betonmauern für den Schutz einzelner Grundstücke optisch auf. Innerhalb dieser kleinteiligen Räume laden Sitzgruppen und große Flussfindlinge dazu ein, sich auf den umgebenden Naturraum einzulassen und die Vielfalt von Wiesenblumen und Insekten kennenzulernen. Bewusst wurden einfache, an Landschaftspfaden orientierte Sitzmöbel aus Robinienholz entworfen. Sie fügen sich dezent in die gestaltete Flusslandschaft ein und lenken den Blick gezielt auf das Wasser und den Schwarzwald im Hintergrund – der Straßenverkehr gerät dabei fast in Vergessenheit.
Neben einem asphaltierten Zufahrtsweg sind alle Wegoberflächen mit wassergebundener Decke aus einem nahen Steinbruch belegt. Sie kommen ohne Einfassung aus und unterstreichen den Landschaftscharakter. Die großen Granit-Findlinge stammen direkt aus dem Acherbauwerk einer nahegelegenen Baustelle. Eine Beleuchtung sorgt dafür, dass der Uferabschnitt für die Bewohner eine wirkliche Alternative ist zu den Wegen entlang von Straßen für den Arbeitsweg, zum Einkaufen oder ins Freibad.
Aktuelle Ergebnisse, die Prämierungen aus den letzten beiden Jahren sowie die ausgelobten Verfahren in diesem Jahr inklusive Tipps zur Teilnahme finden Sie hier.