Umbau Altes Kaufhaus
Hauptstraße 17
77723 Gengenbach
Bauamt Stadt Gengenbach, Georg Buß, Architekt | Innenarchitektur: FREIRAUM KONZEPTSTUDIO, Franziska Schmidt, Innenarchitektin bdia, Kirchzarten; Projektleitung: Lars Düde
Stadt Gengenbach, vertreten durch Bürgermeister Sven Müller
2023
Das Kultur- und Tourismuszentrum von Gengenbach ist zum 1. April 2023 fertiggestellt worden und seither die zentrale Anlaufstelle für Gäste aber auch Bürgerinnen und Bürger. Neben dem klassischen Tourist-Informations- und Kulturbereich ist der erweiterte Museumsladen sowie auch der Eingang zum Museum Haus Löwenberg integriert. Die unmittelbare Nähe zum Marktplatz ist prädestiniert für diese öffentlichen Nutzungen. Das „Alte Kaufhaus“, als eines der zentralen historischen Gebäude Gengenbachs, erbaut 1696, kommt seiner früheren Bestimmung jetzt wieder sehr nahe, denn es war ursprünglich ein wichtiger Handels- und Umschlagplatz in der Stadt.
Der Zustand vor dem Umbau und die Anforderungen an den Brandschutz haben im Erdgeschoss einen Rückbau auf die tragende und teilweise bauzeitliche Substanz gefordert. Dabei konnten auch historische Schichten (Sandsteingewände, Sandsteinboden) freigelegt werden, die nun einen wertvollen Beitrag im Gestaltungskonzept bilden. Die beiden Wanddurchbrüche zwischen den Gebäuden der Hauptstraße 13/15/17 bilden die Grundlage für das Konzept des Umbaus. Durch den geplanten Zusammenschluss ist für die drei Gebäude eine zukunftsfähige Lösung geschaffen worden. Die Nutzungen Museum in der Hauptstraße 13 und Tourist-Information in der Hauptstraße 17 weisen inhaltlich große Schnittstellen auf, die durch den Umbau genutzt werden. Die Hauptstraße 15 als Bindeglied, bietet zusätzliche räumliche Möglichkeiten für beide Nutzungen. Im Gesamtkonzept wachsen die drei Gebäude im Erdgeschoss zu einem kulturellen und touristischen Zentrum für Gengenbach zusammen. Diese Lösung gewährleistet durch die Synergieeffekte auch die wirtschaftliche Tragfähigkeit.
Die sorgfältig restaurierten Räume laden zum „Schauen und Staunen“ ein. In dem modern eingerichteten, offenen Empfangsraum ist die Vergangenheit des traditionsreichen Gebäudes spürbar. Markantestes Gestaltungsmerkmal ist der Zugang zum Museum. Da der baulich vorhandene Durchgang eine Öffnungsbreite von nur 86cm aufweist und die zurückgesetzte Lage keine Aufmerksamkeit erfährt, ist ein trichterförmiges Raumelement entworfen worden, welches ganz besonders die Aufmerksamkeit der Besucher weckt und gleichermaßen ins Museum leitet. Die Informationstheke ist der zentrale Anlaufpunkt für die Besucher. Darüber stellt ein Beleuchtungselement mit 580 Holzschindel aus Weißtanne einen besonderen Blickfang dar. Im rückwärtigen Bereich bildet eine aus Stahl gelaserte Stadtsilhouette einen Raumtrenner aus, der zugleich einen effektvollen Bezug zur Stadt herstellt. Die schwarze Regalwand bietet Platz für regionale Produkte, Souvenirs, Geschenk- und Museumsartikel. Zudem werden touristische Informationsbroschüren angeboten, die in einer Ruhezone zunächst eingesehen werden können. Im Weiteren sind Arbeitsplätze und ein Tagungsraum mit Teeküche untergebracht. Dieser Raum hat einen separaten Zugang vom Marktplatz, was die Nutzung besonders flexibel macht. Inzwischen wird der Raum auch als Trauzimmer der Stadt Gengenbach genutzt.
Bereits seit 2019 ist der Eigenbetrieb Kurverwaltung neben der Betriebsführung von Museumsladen und der Abwicklung der Eintritte, auch für die Ausstellungen und Veranstaltungen verantwortlich. Begleitet und unterstützt wird die Kurverwaltung durch den Förderverein Museum Haus Löwenberg unter der Federführung von Reinhard End, der inhaltlich und konzeptionell die Ausstellungen organisiert. Der Einfluss von Reinhard End ist auch in der Ausstattung und Aufwertung der sanierten Räume durch künstlerische Akzente sichtbar. Fotografien mit Gengenbacher Motiven, Kunstwerke aus vergangenen und aktuellen Ausstellungen, Motive des Gengenbacher Adventskalenders und historische Exponate aus dem Museumsarchiv machen den Ladenbereich zu einem Erlebnisort. Das gesamte Umbauprojekt über die drei historischen Gebäude hinweg ist Bestandteil der Städtebauförderung Baden-Württemberg mit dem Bund-Länder-Programm Lebendige Zentren.
