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Foto: Martin Bühler
Buocher Weg 871384 Weinstadt-Gundelsbach
Der im Buocher Wald entspringende Gundelsbach windet sich durch ein sanftes Seitental, ehe er in die Rems mündet. Am Dorfeingang von Gundelsbach, einem beschaulichen Weinort in der Region Remstal, wurde im Jahr 2019 ein neuer Weinkeller für das Weingut Leon Gold realisiert. Die bauliche Intervention erfolgte mit größtem Respekt gegenüber der umgebenden Landschaft und Topografie. Das Gebäude wurde behutsam in den Hang eingefügt – nicht als Störung, sondern als Fortsetzung des natürlichen Geländes.
Landschaft als architektonische GrundlageDas architektonische Konzept basiert auf einer konsequenten Einbindung in die bestehende Topografie. Die Dachfläche des Gebäudes wurde als extensiv begrüntes Terrain modelliert, das sich in sanften Wellen über das Volumen zieht. So fließt die Talaue scheinbar ungestört über den Baukörper hinweg. Dieser Entwurfsgedanke verleiht dem Projekt eine besondere visuelle Zurückhaltung und ermöglicht gleichzeitig die funktionale Integration in die Landschaft.
Die großzügige Landschaftsterrasse fungiert als zentraler Außenraum: Sie dient nicht nur der Präsentation der Weine, sondern ist auch Ort für kulturelle Veranstaltungen und Begegnung. Durch ihre erhöhte Lage eröffnet sich ein weiter Blick in das Tal – der Wein, der Ort und die Landschaft treten hier in einen direkten Dialog.
Architektur zwischen Nutzung und ZurückhaltungDer Keller wurde so konzipiert, dass alle Arbeitsprozesse des Weinguts effizient und schonend ablaufen können. Der zentrale „Kelterplatz“ im Inneren des Gebäudes ist vollständig in das Erdreich eingebettet und bietet konstante Temperaturen – ideale Bedingungen für die Reifung der Weine, ganz ohne energieintensive Kühlung. Diese passive Klimatisierung ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich nachhaltig.
Das einzige sichtbare Zeichen des Gebäudes in der Talaue ist ein großes, zurückhaltend gestaltetes Metalltor in einer vertikalen Staketenwand. Es bildet die Schwelle zum Gutshof und signalisiert, dass sich dahinter mehr verbirgt als zunächst erkennbar. Die restlichen Fassaden sind nahezu unsichtbar, in das Gelände integriert oder durch Begrünung überlagert.
Wohnen, Arbeiten und ÖffentlichkeitErweitert wurde die Kellerei im Jahr 2023, um Wohnen und Arbeiten zu vereinen. Der Gutshof ist der zentrale Vorplatz, die Kellerei der nun in einem privaten und introvertierten Eingangshof endet.
Die Funktionsbereiche Wohnen, Schauküche und Betriebsbüro gliedern sich räumlich unmittelbar an die Kellerei und den Hof an – sind jedoch durch die räumliche Ausrichtung nicht einsehbar. Großflächige Fassadenflächen im EG und OG, die sich zur unverbauten Naturlandschaft orientieren, lassen vermuten, dass sich hier die Haupträume befinden.
Durch diese Mehrschichtigkeit der Nutzung wird das Weingut zu einem Ort des Alltags, der Produktion und der Begegnung. Die Architektur unterstützt dabei den ganzheitlichen Anspruch des Weinguts: Qualität im Produkt, Verantwortung im Umgang mit Ressourcen und Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit.
Materialität, Tektonik und GestusDie Gestaltung der Fassaden nimmt direkten Bezug auf die Geologie der Umgebung. Ihre Linienführung erinnert an mäandernde Gesteinsschichten im Inneren des Berges. Diese tektonischen Bewegungen wurden abstrakt übersetzt und in der Fassade abgebildet, sodass sich das Gebäude förmlich in die Landschaft hineinschiebt.
Es kamen überwiegend Materialien zum Einsatz, die unbehandelt, regional oder langlebig sind. Der bewusste Verzicht auf sichtbare gestalterische Dominanz und technische Überformung verleiht dem Bau eine besondere Ruhe. Die Architektur wirkt selbstverständlich, fast archaisch – als sei sie schon immer Teil dieser Landschaft gewesen.
Ein Ort mit HaltungDer Neubau des Weinguts Leon Gold steht exemplarisch für eine Architektur, die nicht lauter als ihre Umgebung sein will – und gerade dadurch an Ausdruck gewinnt. Die Verbindung von Funktionalität, Materialität, Nutzungsvielfalt und landschaftlicher und kultureller Integration macht das Projekt zu einem bemerkenswerten Beispiel für zeitgenössisches Bauen im ländlichen Raum.Die Jury des Preises Beispielhaftes Bauen 2018–2025 würdigte das Projekt als „kleines Paradies im schönen Remstal“ und hob besonders die sensible Einbindung, die Qualität der Außenräume sowie den respektvollen Umgang mit der Landschaft hervor.Dieses Weingut ist nicht nur Produktionsstätte, sondern auch ein architektonisches Statement – über Zurückhaltung, Verantwortung und die Kraft einer stillen, lokal verankerten Bauweise.
Aktuelle Ergebnisse, die Prämierungen aus den letzten beiden Jahren sowie die ausgelobten Verfahren in diesem Jahr inklusive Tipps zur Teilnahme finden Sie hier.