Veranstaltungsort für Tagungen, Seminare, Produktpräsentationen oder Pressekonferenzen.
Informationen für private und gewerbliche Bauherrinnen und Bauherren, Städte und Kommunen.
Foto: Joel Hieber
Marktplatz 1973614 Schorndorf
Zwei Stadthäuser als sensibler Neubau im historischen StadtkernMit dem Neubau zweier Stadthäuser am unteren Marktplatz in Schorndorf wurde ein in die Jahre gekommenes Wohn- und Geschäftshaus ersetzt, dessen baulicher Zustand und räumliche Struktur nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprach. Die Projektaufgabe bestand darin, inmitten eines denkmalgeschützten Gebäudeensembles der Innenstadt ein neues Haus zu schaffen, das sich sowohl gestalterisch als auch funktional in den historischen Stadtraum einfügt – und gleichzeitig zukunftsfähigen Wohn- und Arbeitsraum bietet.
Das Ergebnis ist ein sorgfältig eingebetteter Neubau, der eine hohe Nutzungsqualität bietet und komplexe technische, rechtliche sowie gestalterische Anforderungen beispielhaft löst. Die Teilung des ehemals breiten Bestandsgebäudes in zwei eigenständige Stadthäuser stärkt die historische Parzellenstruktur und führt zu einer maßstäblichen Einbindung ins Umfeld. Durch die leichte Anhebung der Traufhöhe bei nahezu gleichbleibendem First konnte zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden.
Architektonisches KonzeptDie beiden Stadthäuser fassen eine gemeinsame Gewerbefläche im Erdgeschoss (ca. 100 m²), darüber befinden sich fünf Wohneinheiten mit insgesamt ca. 360 m². Die Grundrisse wurden so entwickelt, dass eine durchmischte Wohnnutzung entsteht – von der kompakten 2-Zimmer-Wohnung bis hin zur großzügigen Maisonette mit Dachgeschossausbau.
Trotz der tiefen Gebäudestruktur und der angrenzenden Bebauung konnten alle Wohnungen mit durchgesteckten Grundrissen realisiert werden. Die Bäder sind als eingestellte Raumkörper mit Glasoberlicht konzipiert. In Verbindung mit einem weiteren Oberlicht über der Trennwand zu den Schlafzimmern wird so Tageslicht tief in die Wohnräume geführt – ein besonderes Qualitätsmerkmal angesichts der dichten Bebauung. Auf der Westseite steht die Außenwand direkt auf der Grundstücksgrenze. Rückseitig vorgelagerte Loggien gewährleisten hier den nötigen Grenzabstand, um Fensteröffnungen ausbilden und die Grundstücksfläche optimal ausnutzen zu können. Die rückwärtigen Loggien erweitern den Wohnraum ins Freie und bieten privaten Freiraum in innerstädtischer Lage.
Planerische HerausforderungenDie Umsetzung des Bauvorhabens war in mehrfacher Hinsicht anspruchsvoll:• Brandschutz: Die direkte Grenzbebauung erforderte besondere Lösungen bei der Anordnung und Ausführung der Brandwände sowie bei der Belüftung und Entfluchtung.• Dichte Nachbarschaft: Die enge Baulücke ließ kaum Spielraum für Baugerät oder Lagerflächen. Präzise Logistik, detaillierte Ausführungsplanung und aufwendige Sicherungsmaßnahmen zum Schutz der angrenzenden Bauten waren erforderlich.• Tiefengründung: Aufgrund der Bodenverhältnisse war eine Tiefengründung notwendig. Das Untergeschoss sowie das Erdgeschoss bis 1m über GOK wurden als WU-Konstruktion (wasserundurchlässig) ausgeführt. Eine Bohrpfahlwand wurde errichtet, um das Baufeld temporär zu sichern.Das Projekt wurde frühzeitig im Gestaltungsbeirat vorgestellt und gemeinsam mit den Fachbehörden abgestimmt. Die besondere Lage im Ensemble und der hohe Anspruch an die Einbindung in das Stadtbild machten diesen Dialog zu einem zentralen Bestandteil des Planungsprozesses.
Nachhaltigkeit und EnergieeffizienzDas Gebäude erfüllt den KfW-55-Energiestandard. Das energetische Konzept setzt auf eine Kombination aus Effizienz und regenerativer Energie:
• Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe übernimmt die Heizleistung, unterstützt durch einen zentralen Pufferspeicher.• Die Wärmeverteilung erfolgt über eine flächendeckende Fußbodenheizung in allen Einheiten.• Die kontrollierte Be- und Entlüftung wird über eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung in den Nebenräumen und dezentrale Abluftanlagen in den Bädern realisiert.• Auf dem Dach wurde eine Photovoltaikanlage zur Eigenstromerzeugung installiert.
Materialität und GestaltungDas Materialkonzept orientiert sich bewusst an der historischen Umgebung, ohne sich ihr unterzuordnen. Ein gekämmter Putz im Sockelbereich betont das Erdgeschoss und verleiht dem Haus eine klare Basis, während die Obergeschosse mit einem fein strukturierten Putz ruhig und zurückhaltend wirken. Faltschiebeläden übernehmen die Verschattung und zitieren auf moderne Weise das Bild klassischer Klappläden im Altstadtbild. Biberschwanzdeckung und zurückhaltende Farbtöne greifen traditionelle Elemente der Altstadt auf und übersetzen sie in eine moderne Architektursprache.
Ein besonderes Augenmerk lag auch auf dem städtebaulichen „Feinschliff“ – etwa in der Auswahl und Positionierung der Straßenbeleuchtung: Die einheitliche Ausführung der Laterne mit der Nachbarbebauung stärkt das Ensemble und trägt zu einem geschlossenen Gesamtbild bei.
Ein Projekt, das städtische Verdichtung, Baukultur und Wohnqualität auf engem Raum vereint – und damit einen zukunftsweisenden Beitrag zur Weiterentwicklung historischer Stadtzentren leistet.
Aktuelle Ergebnisse, die Prämierungen aus den letzten beiden Jahren sowie die ausgelobten Verfahren in diesem Jahr inklusive Tipps zur Teilnahme finden Sie hier.