Brandschutz bei Hochhäusern

Berufspolitik
Prämiert beim Beispielhaften Bauen: Feuerwehrhaus Plieningen | Architekten: Architektur 109, Arnold + Fentzloff Architekten BDA, Stuttgart | Foto: Dietmar Strauß

Auch vor dem Hintergrund des verheerenden Brandes im Londoner Hochhaus Grenfell fand am 24. Juli auf der Baustelle des Luxus-Hochhauses Cloud No. 7 im Europaviertel in Stuttgart ein Ortstermin statt.

Gekommen waren der Amtsleiter und Leiter der Feuerwehr Stuttgart, Stadtdirektor Dr. Frank Knödler, der Leiter der Abteilung Einsatzvorbeugung der Stuttgarter Feuerwehr, Oliver Kubitza, Innenminister a.D. Reinhold Gall MdL und der Wohnungsbaupolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Daniel Born MdL. Die Architektenkammer Baden-Württemberg wurde durch den Architekten Jochen Stoiber sowie durch Dr. Gunnar Seelow, Referent für Grundsatzfragen und Berufspolitik, vertreten.

Zwei Fragen stellten sich für die Landtagsabgeordneten vorrangig: Ob ein katastrophaler Brand wie in London auch in Baden-Württemberg vorkommen könne und ob es diesbezüglich Änderungsbedarf bei den Brandschutzvorschriften gebe. Beides lässt sich mit gutem Gewissen verneinen - dies war Konsens. Dr. Frank Knödler und Oliver Kubitza waren sich mit Jochen Stoiber einig, dass die geforderten Brandschutzmaßnahmen bei Hochhäusern, d.h. bei Gebäuden über 22 Metern Höhe, völlig ausreichten. Schwieriger sei es bei Gebäuden, die niedriger als 22 Meter sind - hier seien Fassadenbrände aufgrund der geringeren Anforderungen nicht gänzlich auszuschließen.

Übereinstimmung herrschte auch bei der Sicht der Feuerwehrvertreter, dass es gerade von Vorteil ist, wenn die Muster-Sonderbauvorschriften nicht verbindlich in Landesbaurecht übernommen werden. So könne man schneller planen und kostengünstiger bauen, da bedarfsgerechte Konzepte entwickelt werden können und nicht jede Abweichung aufwendig begründet und befreit werden müsse.

Einig war man sich schließlich auch darüber, dass die unteren Baubehörden mit mehr Personal - und insbesondere Fachkompetenz - ausgestattet werden müssten. Um zügige und fristgerechte Verfahren zu gewährleisten, müsse sichergestellt werden, dass in den Baurechtsämtern selbst die Normen und Vorschriften zum Brandschutz beherrscht würden.

Links Innenminister a.D. Reinhold Gall und der wohnungsbaupolitische Sprecher der SPD-Fraktion Daniel Born.
Gunnar Seelow / 24.08.2017