Schutz vor ionisierender Strahlung

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Radon ist ein natürliches radioaktives Edelgas, das geruch-, geschmack- und farblos ist. Es entsteht überall dort, wo sein Mutternuklid Radium vorhanden ist, zum Beispiel im Erdboden und in Baumaterialien. Aus dem Baugrund gelangt Radon ins Freie. Es kann auch in Gebäude eindringen, einerseits durch Öffnungen, aber auch durch Risse oder Undichtigkeiten. Erhöhte Radonkonzentrationen in der Raumluft können zu gesundheitlichen Belastungen führen. Das Einatmen von Radon zählt neben dem Rauchen zu den größten Risiken, an Lungenkrebs zu erkranken. Bei erhöhten Radonkonzentrationen in der Raumluft reichen oft kleine Maßnahmen aus, um den Radongehalt und damit das Erkrankungsrisiko deutlich zu verringern.

Nun sollen gesetzliche Regelungen einen angemessenen Schutz gewährleisten.

Als Ursachen für steigende Baukosten und den Mangel an bezahlbarem Wohnraum werden häufig ordnungsrechtliche Vorgaben und technische Vorschriften angeführt und diskutiert. Gerechtfertigt ist zumindest die Kritik an der Komplexität und Unübersichtlichkeit der rechtlichen Regelungen, die das Bauen betreffen und inzwischen in wachsender Zahl aus den unterschiedlichsten Rechtsbereichen kommen. Dort sind sie jedoch oftmals nicht unmittelbar zu erwarten. Aktuell trifft das auf das "Gesetz zur Neuordnung des Rechts zum Schutz vor der schädlichen Wirkung ionisierender Strahlung" vom 27. Juni 2017 zu. Dieses Gesetz regelt in den 218 Paragrafen allein des Artikels 1 (von 32) neben beispielsweise der "Prüfung des angezeigten Betriebs von Raumfahrzeugen " (Scotty, beam me up!) auch in einem Kapitel den "Schutz vor Radon".

Konkreten Verpflichtung für Neubauten:

  • "Wer ein Gebäude mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen errichtet, hat geeignete Maßnahmen zu treffen, um den Zutritt von Radon aus dem Baugrund zu verhindern oder erheblich zu erschweren. Diese Pflicht gilt als erfüllt, wenn
    1. die nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik erforderlichen Maßnahmen zum Feuchteschutz eingehalten werden …"

Darüber hinaus ermächtigt das Gesetz einerseits die zuständige Behörde, per Allgemeinverfügung auf der Grundlage einer noch zu erlassenden Rechtsverordnung Gebiete festzulegen, für die eine besondere Belastung mit radioaktivem Radon zu erwarten ist. Andererseits sollen per Rechtsverordnung weitere Maßnahmen zum Schutz vor Radon definiert  werden, die von zu errichtenden Gebäude in diesen festgelegten Gebieten zusätzlich umgesetzt werden müssen.

Aber auch der Gebäudebestand ist adressiert:

  • "Wer im Rahmen der baulichen Veränderung eines Gebäudes mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen Maßnahmen durchführt, die zu einer erheblichen Verminderung der Luftwechselrate führen, soll die Durchführung von Maßnahmen zum Schutz vor Radon in Betracht ziehen, soweit diese Maßnahmen erforderlich und zumutbar sind."

Außerdem werden das zuständige Bundesministerium zum Aufstellen eines Radonmaßnahmenplans und zur Unterrichtung der Bevölkerung verpflichtet, ein Referenzwert für die Innenraumbelastung festgelegt und Maßnahmen zum Schutz vor Radon an Arbeitsplätzen in Innenräumen vorgeschrieben. Die Verpflichtungen treten am 31. Dezember 2018 in Kraft.

Konkreter Handlungsbedarf:

Da bereits aus anderen Gründen Neubauten in aller Regel gegen Feuchte abgedichtet sind bzw. für Aufenthaltsräume auf einen angemessenen Luftwechsel geachtet wird, dürfte sich in vielen Bereichen keine zusätzlichen Maßnahmen ergeben. Abzuwarten bleiben aber noch die durch die Bundesregierung mit Zustimmung des Bundesrates zu erlassenden Rechtsverordnungen und die Festlegung der besonders gefährdeten Gebiete.


Weitere Information zu Radon, den Risiken und Empfehlungen

Bereits seit Längerem informieren die zuständigen Bundes- und Landesministerien zum Thema Radon und dessen Gefährdungspotentiual. Im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) wurde eine deutschlandweite Kartierung der Radonkonzentration der Bodenluft auf der Grundlage von Messungen an insgesamt 2.346 geologisch repräsentativen Messorten durchgeführt. Die Radonkarte Deutschlands gibt eine Orientierung über die regionale Verteilung der Radonkonzentration in der Bodenluft einen Meter unter der Erdoberfläche. Aus ihr kann abgeleitet werden, in welchen Regionen und in welchem Umfang auch mit erhöhten Radonkonzentrationen in Gebäuden zu rechnen ist. Sie kann aber nur als Orientierungshilfe für eine Prognose in regionalem Maßstab herangezogen werden, jedoch keine Aussagen zu einzelnen Baugebieten oder Baugrundstücken machen. Die Radonkonzentrationen im Boden variieren dazu zu kleinräumig. Die Karte kann auch nicht vorhersagen, wie hoch die Radonkonzentration in einzelnen Häusern ist, da diese nicht nur vom Radongehalt im Boden, sondern auch von anderen Faktoren – wie etwa der Gasdurchlässigkeit des Bodens – abhängt. Maßgebend für die mögliche Radonkonzentration im Gebäudeinnern ist der Untergrund im unmittelbaren Umfeld des Gebäudes. Entscheidend ist darüber hinaus der Zustand des Gebäudes, dessen Konstruktion und der Abdichtung bzw. die Eintrittsmöglichkeiten über Fugen, Risse oder Öffnungen sowie die Lüftungssituation.

Broschüre des Umweltministeriums Baden-Württemeberg

Weitere Informationen im Internet beim

Jochen Stoiber / 07.07.2017

Ihr Ansprechpartner

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Jochen Stoiber
Architektur und Medien
Tel: 0711 / 2196-148
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