Plan B_12 - Rebellion, Revolution, Reformation

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Architekt/in 2030 - Rebellion, Revolution, Reformation

Die zwölfte Auflage von Plan B hatte den Wandel des Berufsbildes im Fokus. Dabei wurde der 500. Jahrestag der Reformation zum Anlass genommen, um mit Ihnen in zwei Werkstattrunden die Folgen aus gesellschaftlichen Veränderungen sowie technischem Fortschritt zu diskutieren.

Zufriedene Gesichter und zustimmende Worte gab es am Abend des 6. Novembers 2017 im Haus der Architekten beim gemeinsamen Ausklang von Plan B. Vielleicht schwirrte einigen auch der Kopf nach den reichhaltigen Impulsen und Diskussionsrunden am Nachmittag, die einem sehr dynamischen Speed-Networking gefolgt waren – Auftakt für eine neue Runde des experimentellen Formats, das Plan B innehat. In der kurzweiligen Einstimmung auf die Themen des Nachmittags warf Vizepräsident Stephan Weber einen Blick über 20 Jahre zurück zu einem Simulationsspiel für den PC, das sogar vom Militär modifiziert eingesetzt wurde, und einen Blick auf die Gegenwart: Das Computerprogramm AlphaGo zero schlägt seinen Vorgänger im angeblich schwersten Brettspiel überhaupt, und das selbstlernend.
Was das mit unserer Profession zu tun hat, zeigen Ausblicke Webers, wie das Können von Computerprogrammen das Aufgabenfeld beeinflusst und welche Routinen die Rechner übernehmen, sowie die Fragestellung: „[…] wie viele von uns braucht man dann noch?“ Nach dieser Einleitung vertiefte sich das Plenum in Rahmen des Speed-Networkings auf Fragen, wie sich der gesellschaftliche Wandel auf die Arbeit aus auswirkt. Es galt, diese in wechselnden Einzelgesprächen von möglichst vielen Kolleginnen und Kollegen beantworten zu lassen. Es schwirrte förmlich wie in einem überdimensionalen Bienenstock. In einer kurzen gemeinsamen Auswertungsrunde wurden die Antworten zusammengefasst. Eindrücklich blieb zur Frage der Herausforderungen das Statement von Sascha Geiser: „Der Wandel an sich ist wohl die Herausforderung.“

Der Wandel ist die Herausforderung

Schnell leitete Moderatorin Dr. Brigitte Schultz, Chefredakteurin des Deutschen Architektenblatts,
zur ersten Impulsrunde über. Felix Steinbrenner von der Landeszentrale für politische Bildung setzte den Schwerpunkt in seinem Statement auf die vielfältigen Ansprüche und Bedürfnisse der sich ändernden Gesellschaft und richtete seinen Appell an die Planerinnen und Planer, auch das Bedürfnis der Menschen nach demokratischer Konfliktkultur mitzudenken. Pfarrer Dr. Dieter Heidtmann, Studienleiter der Evangelischen Akademie Baden, ging auf Grundsätze und Wertesysteme ein, die nebeneinander existieren. Es ist eine Herausforderung, einige Grundsätze zu identifizieren, die für alle gelten. Was hält unsere Gesellschaft zusammen und worauf gründen wir überhaupt unsere Existenz? Luther sagte einst: „Der Mensch ist zur Arbeit geboren, wie der Vogel zum Fliegen.“ Mit diesem Zitat stellte Heitmann zugleich die Frage: „[...] wie muss denn Ihre Arbeit aussehen, damit Sie abheben?“ Das Verknüpfen von planen und bauen ist etwas, was das Büro von Jens Rannow vor einigen Jahren angefangen hat und praktiziert. In Hinblick darauf stellte sich Rannow die Frage, ob das denn so frevelhaft ist. „Nein“, denkt er und sieht „in dem Verknüpfen von planen und bauen […] eine Riesenchance und das ist der gesellschaftliche Wandel, der uns direkt angeht.“

Agieren statt Reagieren

In der folgenden Werkstattrunde wurden viele Impulse aufgegriffen, wie das Zulassen von Kontrollverlust, die Reduktion auf das Wesentliche und die Vorteile von planen UND bauen für die Bauherrschaft, um Kosten und Zeit zu sparen. Kritische Aspekte gegenüber dem seriellen Bauen wurden geäußert, wie die fehlende Flexibilität der Grundrisse für notwendige und gwünschte verschiedene Wohnformen. Sebastian Schott zweifelt wiederum, als es um die Vielfältigkeit der Aufgaben geht. „Ich bin nicht sehr davon überzeugt, dass wir den Generalisten in 2030 noch an jeder Ecke sehen werden.“ Weitere Wortmeldungen gab es zu den Anforderungen und der Vielzahl der Akteure in den Planungsprozessen.
„Wir müssen die Position des Künstlerarchitekten verlassen. Wer bestimmt denn, was gebaut wird? Der Investor?“ Aber auch zu Berufsaufgaben wurde sich geäußert: Diese werden sich dahingehend ändern, dass ein großer Anteil der Aufgaben Aufklärungs- und Beratungsarbeit ist. Stephan Weber plädierte dafür, dass die Planerschaft eine Position des Agierens und nicht des Reagierens einnimmt und man sich weniger um Begrifflichkeiten und Worthülsen streitet. Darüber hinaus standen Themen wie Menschlichkeit (bauen FÜR Menschen), Bildung, wirtschaftliche und kaufmännische Aspekte sowie die Visionen des Berufstands mit seinen Stärken und Schwächen auf dem Prüfstand.

Den Wert von Informationen erkennen

In der zweiten Impulsrunde widmete man sich den Auswirkungen des digitalen Wandels. Zu Beginn brach Sebastian Schott ein Lanze für ‚Augmented Reality‘. Damit bestehe die Chance, mit seinem Umfeld im Austausch und Kontakt zu sein. Interaktion wird dabei zugelassen und könnte ein passendes Arbeitstool sein für die Zusammenarbeit in Echtzeit mit den an Planung und Bau beteiligten Personen – und das am Puls der Zeit. Dr. Alexander Rieck war Titelgeber dieses Artikels, denn gleich zu Beginn seines Impulses hielt er fest: „Der Wandel passiert einfach, entweder sind wir dabei oder es passiert mit uns und wir werden einfach weggeshiftet.“ Anhand etlicher Beispiele zeigte er auf, welche Möglichkeiten und Chancen sich im Bereich Digitalisierung für Architekten bieten, um so auch neue Geschäftsfelder zu besetzen – die Chance, ureigene Tätigkeitsgebiete, nämlich die Gestaltung von Lebensräumen, in der Zukunft mitzugestalten. Den dritten Impuls brachte Rüdiger Schönbohm ein. Er ist kein Architekt und seine Perspektive aus der Industrie brachte Erkenntnisse, die auch in der Architekturbranche adaptierbar sind. Arbeitet man im digitalen Kontext, entstehen neue Systeme und Dienstleistungen. Doch eine seiner Kernbotschaften liegt darin, dass sich der Wert von Informationen ändert, und dies zu erkennen und richtig zu nutzen sei.

"...einfach mal machen!"

Ohne Umschweife stürzte man sich auch in der zweiten Werkstattrunde in die Diskussion. Einerseits kam aus dem Gremium das Feedback, dass man sich fast überfordert fühle, andererseits hoch motiviert
sei, die nächsten Schritte der Büroentwicklung zu gehen. Auch hier ging es teilweise kontrovers her. Noch werden Herausforderungen gesehen, die digitale Planung mit der Baustellenrealität zu verknüpfen.
Andererseits gebe es doch „äußere“ Einschränkungen, wie örtliche Bestandssituationen, Flächen-Planungsverfahren, die kaum das berücksichtigen (können), was in zehn bis zwanzig Jahren an Anforderungen herrscht. Immer geringer werdende Ressourcen, wie Grund und Boden, oder ökologische Aspekte dürfen nicht aus den Augen verloren werden. Es gilt, unsere Fehlervermeidungsmentalität abzulegen und „einfach mal zu machen“. Ein sehr einprägsames Statement, das auch als Fazit für die zukunftsorientierte Ausrichtung der Büros steht: „[…] wir sitzen an der Quelle und haben die Möglichkeit, neue Geschäftsmodelle zu erkennen und den Wert, den die Daten haben […]“
Auswertend konnte die Strategiegruppe Architekt*in/Büro 4.0 Aufgaben ableiten, mit der sich die Kammer auseinandersetzen muss. Das sind unter anderem Themen der Bildung – auch an den Hochschulen – und der Relevanz für das Agieren als Team. Weiterhin muss die Kammer Plattformen bieten, um interdisziplinären Austausch zu ermöglichen und den Ausbau leistungsfähiger Infrastruktur auf politischer Ebene fordern, um digitales Arbeiten überhaupt zu ermöglichen. Die Vermittlung des Wertes, was die Architektenschaft leistet, bleibt eine Daueraufgabe. Einige von den vielfältigen Aufgaben, denen sich ebenfalls die gesamte Architektenschaft widmen muss. Alle wertvollen, informativen und mitreißenden Statements finden Sie als Mitschnitte in Form von kurzen Live-Reden (TED-Talks) im Anschluss.

Zusammenfassung Plan B_12

Statementsammlung Plan B_12

TED Talk Felix Steinbrenner

TED Talk Dr. D. Heidtmann

TED Talk J. Rannow

Ted Talk S. Schott

Ted Talk Dr. A. Rieck

TED Talk R. Schönbohm

22.11.2017

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Anja Chwastek

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Architektur und Medien
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