Fahr Rad!

Veranstaltungen
Nørreport Station, Kopenhagen/Dänemark, 2015 COBE und Gottlieb Paludan Architects, © Lars Rolfsted Mortensen

Erkenntnisse aus der Baukulturwerkstatt in Karlsruhe

Baukultur und Radeln – geht das zusammen? Na klar! Die Bundesstiftung Baukultur war deshalb Anfang Mai mit einer Baukulturwerkstatt zu Gast in Karlsruhe. Die zweitgrößte Stadt Baden-Württembergs hat in den  vergangenen zehn Jahren die Fahrradmobilität um 10 Prozent gesteigert, will bis 2020 den Anteil von derzeit 25 Prozent auf 30 Prozent erhöhen und nimmt somit eine „Vorradlerrolle“ für andere Kommunen ein.

 

Vier Trends

Laut dem Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx liegt das Fahrrad in der Schnittmenge von gleich vier Trends: „Erstens die Nachfrage nach umweltfreundlichen Verkehrslösungen. Zweitens der Gesundheitstrend. Drittens der ›Holy Tech‹-Trend: Neue, elegante Designlösungen machen Fahrräder ästhetisch und technisch anspruchsvoll. Und viertens: Convenience 2.0. In der verdichteten Großstadt sind Fahrräder einfach praktisch.“ 

Letzteres haben rund 30 Teilnehmende der Baukulturwerkstatt durch Karlsruhe radelnd selbst erfahren. Dabei lernten sie, welche Instrumente die Stadt anwendet, um die Bürgerschaft zu motivieren, mehr Rad zu fahren, ohne die Nutzungsansprüche der anderen Verkehrsteilnehmer auszublenden. Eine gute Basis für die Planung bieten die Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (RASt 06), die den Stadtraum einbinden; laut Arne Koerdt vom Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg ein Meilenstein. Er verwies auch auf die 2016 vorgestellte Radstrategie Baden-Württemberg.

Was kostet ein Eimer Farbe?

Schon mit nur einem Eimer Farbe lässt sich die Stadt ein wenig fahrradgerechter umgestalten. Dennoch empfiehlt es sich, einen gewissen Etat im städtischen Haushalt für die Optimierung des Radverkehrs zu reservieren. Die Vorreiterstadt Kopenhagen, wo mehr als 50 Prozent der dort Lebenden das Rad nutzen, gibt dafür jedes Jahr 50 Euro pro Einwohner aus, Karlsruhe derzeit 12 Euro pro Einwohner. Die Dieseldebatte wird die Fahrradmobilität befördern, so die Meinung von Peter Cachola Schmal, Deutsches Architekturmuseum. Wenn man sich dieser anschließt, muss der Berufsstand dem Thema ab sofort mehr Aufmerksamkeit widmen. Prof. Markus Neppl vom KIT hob bei der Transformation urbaner 

Systeme die Nahbereiche hervor; werden diese gut gestaltet und mit dem ÖPNV verknüpft, steigert das die Akzeptanz und die Reichweiten. Zudem ist das Zusammenwirken verschiedener Mobilitätssysteme erforderlich. Neben einem guten und sicheren Radwegenetz braucht es auch Carsharingangebote und einen flexiblen ÖPNV, so die Leiterin des Stadtplanungsamtes in Karlsruhe, Prof. Dr. Anke Karmann-Woessner. Für Rudi Scheuermann von Arup Deutschland ist es Ehrensache, dass Architekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner Städte besser gestalten müssen, um sie lebenswerter zu machen. Die Verkehrswende sei zu erreichen, wenn das zu Fuß Gehen und Radfahren attraktiver und sicherer wird. Denn Bewegung schafft auch mehr Volksgesundheit – ein wichtiger Aspekt für den demografischen Wandel, in dem wir uns befinden.

In drei Arbeitsräumen ging es abschließend um die Themen „Mobilitätskonzepte“, „Mensch und Fahrrad“ sowie „Fahrradstadt machen“. Nach Impulsen erörterten die Teilnehmenden Anforderungen, Herausforderungen und Möglichkeiten für mehr Fahrradmobilität. Sie möchten auch an solchen  interessanten Veranstaltungen der Bundesstiftung Baukultur teilnehmen? Werden Sie einfach Mitglied im Förderverein. Dann werden Sie informiert.

Carmen Mundorff

INFORMATIONEN

Die Rückeroberung der Stadt

Fahrradparkhaus am Bahnhof, Utrecht/Niederlande, 2017 Ector Hoogstad Architecten, © Ector Hoogstad Architecten – Petra Appelhof

Noch bis 2. September ist im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main die Ausstellung „FAHR RAD! Die Rückeroberung der Stadt“ zu sehen. Gut gestaltete öffentliche Räume sind eine wichtige Aufgabe für Stadtplanung und Landschaftsarchitektur.

Als dritter Akteur auf dieser begrenzten Fläche kommt die Verkehrsplanung hinzu. Der Radverkehr spielt in all diesen Bereichen eine zentrale, verbindende Rolle, er kann der Schlüssel zum Erfolg werden. Um die Lebensqualität zu erhalten und weiter zu verbessern, braucht es in einer zunehmend dicht bebauten und intensiv genutzten Stadt mehr Raum auf Straßen und Plätzen, mehr Grün und Freiflächen. 

FAHR RAD! zeigt, wie eine Stadtentwicklung aussehen kann, die in Zukunft noch mehr Menschen auf das Rad lockt – und wirbt mit Projekten aus aller Welt für diese sanfte Rückeroberung der Stadt. In den Fokus gerückt werden Städte wie Kopenhagen, New York, Karlsruhe und Oslo. Sie zeigen auf, wie der Weg zu einer nachhaltigen und sozialen Stadt auch über die Planungen für eine fahrradgerechte Stadt führen kann. Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt bis 2. September 2018.

Der gleichnamige Katalog, erschienen im Birkhäuser Verlag, kostet exklusiv im Museumsshop 34,90 Euro, im Buchhandel 49,90 Euro. www.dam-online.de

25.05.2018