12. Schwäbischer Städte-Tag

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Die neue Stadt - das Rosensteinquartier im Fokus

Foto: Dr. Bernd Langner

Der 12. Schwäbische Städte-Tag stand im Zeichen historischer Ortsentwicklung mit ihren Auswirkungen auf künftigen Städtebau.

Der Schwäbische Heimatbund veranstaltete im Verbund mit dem Wirtschaftsministerium und der Architektenkammer am 2. November im Hospitalhof in Stuttgart eine Fachtagung, die sich mit der Geschichte des Rosensteinquartiers ebenso auseinandersetzte, wie mit der Entwicklung der großen Fläche im Norden des Hauptbahnhofes, wenn diese nach Räumung der Gleisanlagen frei wird. Referenten waren örtliche Experten sowie Fachleute mit internationalem Renommee.

Nach einleitenden Worten durch Matthias Grzimek von der Architektenkammer, erläuterte Dr. Albrecht Rittmann die Ziele der Tagung. Motiv sei es, einen Beitrag mit Denkanstössen zur Zukunft dieses wichtigen innerstädtischen Bereichs zu geben. Ministerialdirigentin Kristin Keßler vom Wirtschaftsministerium und der Leiter des Stadtplanungsamtes Stuttgart, Dr. Detlef Kron gaben in ihren Statements Hinweise auf die Rahmenbedingungen, die der städtebaulichen Entwicklung des Rosensteinquartiers zugrunde lägen. Im ersten Teil der Tagung stand die historische Entstehung der technischen Bahnanlagen auf dem Programm. Der frühere Abteilungsleiter im Stadtplanungsamt Stuttgart, Uwe Stuckenbrock erläuterte anschaulich, mit beeindruckendem Bild- und Planmaterial wie die heute vorhandenen Gleise, Brücken, Dämme und Bauwerke erst langsam und ab Ende des 19. Jahrhunderts mit ungeheurer Dynamik errichtet wurden. Zur Herstellung der heutigen Topographie mussten über 1 Million Kubikmeter Erde bewegt werden. Für die Planer war es ein einmaliges Experimentierfeld für innovative technische Eisenbahnanlagen. Es entstanden Überwerfungsbauwerke teilweise auf drei verschiedenen Ebenen und insgesamt 16 Gleisen, die in dem Kopfbahnhof endeten. Der heutige Bonatzbau ersetzte ab 1922 den früheren Bahnhof in der Schlossstraße.

Der Referent für Technische Kulturdenkmale im Landesamt für Denkmalpflege Dr. Michael Hascher referierte das Thema "Zum Umgang mit Kulturdenkmalen der Industrie und der Technik unter besonderer Berücksichtigung ihres städtebaulichen Wertes". Er verdeutlichte, dass Technikdenkmale keine besondere Kategorie nach Landesdenkmalgesetz seien, sondern die gleiche Behandlung wie zum Beispiel Denkmalgebäude erführen. Wie derartige Anlagen weiter- oder umgenutzt werden, müsste im Einzelfall geprüft und entschieden werden.

Im zweiten Teil der Veranstaltung waren aktuelle Entwicklungen sowie Zukunftsvisionen im Städtebau mit unterschiedlichen Schwerpunkten gefragt. Prof. Markus Neppl vom KIT Karlsruhe stellte eigene realisierte Planungen unter anderem in Köln oder Bremen vor. Es handelte sich dabei zum Teil um Nachverdichtungen von Quartieren der 1960er Jahre oder beim Vorfinden schlechter Bausubstanz der Ersatz der Bebauung durch neue Gebäude und neue Anordnung der Geschoßwohnbauten.

Mit diesen Weiterentwicklungen konnten interessante Plätze und Räume geschaffen werden. Andrea Gebhard, Landschaftsarchitektin aus München, referierte zum Thema "Wie viel Grün braucht die Stadt?". Sie zeigte an verschiedenen Richtung weisenden Projekten, wie heutige Freianlagen in der Stadt aussehen können. Als planerischen Richtwert nannte sie etwa 17 Quadratmeter Grünfläche in neuen Quartieren als Mindeststandard, den man pro Person zugrunde legen sollte.

Der Architekt und Stadtplaner Kurt Werner, der sowohl für die Stadt Konstanz als auch Regensburg lange verantwortlich war, widmete sich den "Instrumenten und Bedingungen aktueller Stadtplanung". Beispielhaft zeigte er auf, wie die Bevölkerung in die Prozesse einbezogen und "mitgenommen" werden kann. Heute ist die Identifikation der Bewohner mit ihrer Stadt entscheidend für ein förderliches Miteinander sowie für die konstruktive Weiterentwicklung der Quartiere.

Ute Schneider aus Zürich hob die Bedeutung von Masterplänen als Grundlage für weiteres Vorgehen hervor. Für jede Planung sei die Kenntnis und Analyse der vorhandenen Umgebung, aber auch der gegebenen Ressourcen entscheidend. In Stuttgart bedeute dies zum Beispiel die Erhaltung und Integration der Wagenhallen in künftige Stadtentwicklungsprozesse.

Last not least sprach Professorin Christa Reicher von der Universität Dortmund über "Wege in die Stadt der Zukunft". Sie nannte fünf Essentials, die bei Planungsprozessen zu beachten seien: 1. Identität, 2. Urbanität, 3. Integration, 4. Digitalisierung und 5. Ästhetik. Letzteres war ihr besonders wichtig. Sie zitierte den Engländer Sir Henry Wotton, der 1624 in Venedig das Werk "The Elements of Architecture" veröffentlichte, mit den Worten "Schönheit ist Freude". Weiter gab sie mit Albert Camus zu Bedenken, dass die "Zukunft ein Produkt der Gegenwart" ist.

Die Äußerungen und der anhaltende Beifall der Teilnehmer zeigten, dass die Organisatoren mit der Veranstaltung ein wichtiges Thema und eine gute Mischung an Fragestellungen gefunden hatten, die in die weiteren Überlegungen zur Entwicklung des Rosensteinquartiers einfließen sollten.

Matthias Grzimek

25.09.2017

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