8. Nacht der Architektur

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Foto: Michael Reisser

"Gibt es morgen noch Architektur?"

Der Kölner Architekt und Hochschullehrer Prof. Johannes Kister sprach bei der "8. Nacht der Architektur" 

Mit über 130 Gästen war die Kunsthalle Göppingen am 10. Oktober 2017 bis auf den letzten Platz gefüllt.  Die Architektenkammergruppe Göppingen hatte zum nunmehr achten Mal zu ihrer "Nacht der Architektur" eingeladen. Gastredner in diesem Jahr war der Kölner Architekt und Hochschullehrer Prof. Johannes Kister, der in seinem Bildervortrag die Zukunft moderner Architektur behandelte.

Foto: Michael Reisser,Kammergruppenvorsitzender Christian Gaus (links) mit Gastredner Prof. Johannes Kister

"Gebäude sind stets Teil der realen und physischen Welt, Architektur ist deshalb aber keine Antithese zur fortschreitenden Digitalisierung", erklärte der Göppinger Architekt Christian Gaus, Vorsitzender der regionalen Kammergruppe, in seiner Begrüßung. Die virtuelle Darstellung von Gebäuden und Plätzen mittels 3D-Animationen, Video oder virtuell mit Datenbrille verändere aber Wahrnehmungsgewohnheiten. "Gebäude werden künftig anders betrachtet, damit wandeln sich auch die Erwartungen an Architektur", ist Architekt Gaus überzeugt.

Ob es unter diesen Bedingungen künftig überhaupt noch Architektur mit einem Gestaltungsanspruch geben kann, erörterte im Anschluss der Kölner Architekt und Hochschullehrer Prof. Johannes Kister. Der Gastredner konfrontierte seine Zuhörer zunächst mit dem Bild einer Gießkanne auf einer Rasenfläche. "Beide Objekte beziehen sich aufeinander, dennoch bleibt die Gießkanne künstlich und artifiziell, mit dieser Dialektik sind auch Architekten konfrontiert", beschrieb Prof. Johannes Kister das Spannungsverhältnis jedes Gebäudes zum umgebenden öffentlichen Raum.

Architekten dürften sich nicht allein von energetischen Anforderungen oder einer individuellen Bauästhetik leiten lassen. Sie müssten bei der Gestaltungsfrage zuvörderst dem „städtebaulichen Argument“ Geltung verschaffen. „Jedes Gebäude muss dafür eine eigene Antwort formulieren“, forderte Kister. Daraus ergebe sich zudem die bedeutsame Unterscheidung von reiner Bautätigkeit und gestaltender Architektur. „Architekten haben es selbst in der Hand, ob sie sich weiterhin in ein Sandwich aus Gebäudedämmung und Grundstückspreisen pressen lassen wollen.“

Foto: Michael Reisser

Kister erläuterte im Folgenden anhand vieler Beispiele die praktischen Konsequenzen dieses Gestaltungsanspruchs. Dazu gehörte die anspruchsvolle Herausforderung, bei einem mehrphasigen Bauprojekt bereits mit dem ersten Bauabschnitt eine überzeugende Lösung zu realisieren, die bis zur Fertigstellung des Gesamtprojekts eine eigene Qualität entfaltet. 

Das Spannungsverhältnis von Erkennbarkeit und städtebaulicher Integration wurde im Weiteren ebenso behandelt wie Konzepte für den Übergang gewerblich genutzter Gebäude zur umgebenden Wohnbebauung oder die Wiederbelebung der vermeintlich hinfälligen Idee einer Gartenstadt.

Gastredner Kister forderte abschließend die anwesenden Architekten und Stadtplaner dazu auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. "Architekten formen und ermöglichen Baukultur, sie stiften zudem Identität", so Kister. "In diesem Sinne wird auch morgen noch Architektur möglich sein."

Michael Reisser / 26.10.2017

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