Heidenheimer Energiegespräche 2017

Wir über uns
Auf dem Podium (v.l).: Stefan Siller, Tarek Massalme, Bastian Sevilgen, Julia Buschlinger, Sebastian Schott. Foto: Stefan Bubeck

Next Generation - Visionen des Nachwuchses

Die 12. Heidenheimer Energiegespräche gaben am Dienstag, 11. Juli 2017 im Heidenheimer Lokschuppen jungen Architekten ein Podium für ihre Zukunftsvisionen und für ihre Sicht auf die Entwicklung der Architektur, insbesondere in puncto Wohnungsbau.

Über ein volles Haus durften sich die Organisatoren, Wolfgang Sanwald, Vorsitzender der Architektenkammergruppe Heidenheim, und Thomas Ille, Vorsitzender der VDI Brenzgruppe, sowie Landrat Thomas Reinhardt als Schirmherr auch dieses Jahr wieder freuen. Unter den 180 Zuhörerinnen und Zuhörer befand sich auffallend viel junges Publikum. Zahlreiche Stimmen haben auch nach Ablauf der Veranstaltung das Konzept der Heidenheimer Energiegespräche gelobt und begrüßt, dass nun auch die jungen Architektinnen und Architekten auf den ansonsten meist durch etablierte Gäste besetzten Podium Sitz und Stimme erhalten haben. Mit dem Thema "Zukunft, Energie, Visionen - young architects" waren die Erwartungen durchaus hoch gesteckt. Den Reigen der vier Impulsvorträge eröffnete die junge Mainzer Architektin Julia Buschlinger. Ihr Plädoyer für das Einfache, das sie mit aktuellen Projekten aus dem 2012 mit Jens Dechow gegründeten Büro (MIND Architects Collective) belegte, hätte nicht treffender ins Thema einführen können. Nachhaltiges Bauen scheint für die junge Generation eine absolute Selbstverständlichkeit. Gleichzeitig werden gegenwärtig gültige Standards hinterfragt und mitunter auch spielerisch umgangen.

Zu mehr Low-Tech statt High-Tech riefen dann auch die beiden Gastredner aus Berlin, Tarek Massalme (MARS Architekten) und Bastian Sevilgen (dreigegeneinen) auf. Beide Büros stellten anhand von aktuellen Studien zum Thema strukturierter bzw. serieller Wohnungsbau neueste Erkenntnisse vor, wie vor allem in den Großstädten der enorme Wohnungsbedarf gedeckt werden könnte. Ihr Petitum für serielles Bauen mit hohem architektonischem Anspruch begründeten sie dabei aus historischer Sicht. Denn die von uns heute so geschätzten städtischen Gründerzeitviertel seien schließlich nichts anderes als seriell hergestellter Wohnungsbau, der nach der Industrialisierung in großer Menge, meist mit Typengrundrissen, realisiert wurde.
Eine ganz andere Sichtweise, mit Potential für Visionen, nahm Sebastian Schott (Sebastian Schott Architects, Stuttgart) ein. Mit Blick auf die Zukunft des Architektenberufs plädiert er dafür, sich der Digitalisierung nicht zu verschließen. Damit sei nicht der totale Verzicht auf den Zeichenstift gemeint, vielmehr müsse erkannt werden, dass künftige Planungs- und Produktionsprozesse miteinander verschmelzen werden und schon bald "digital codes" der Architekten die Roboterarme vollautomatischer Betonieranlagen betreiben könnten. Entsprechend wird die Formfindung und Formenvielfalt durch ein unbegrenztes Angebot an Möglichkeiten zum Entwerfen komplexer Gebilde gekennzeichnet sein.

Alle Referenten lieferten ausreichend Input für die anschließende, von Gastmoderator Stefan Siller, ehemals SWR Leute, professionell und unterhaltsam geleitete Diskussion.
Konfrontiert mit der Frage, wie denn nun ein Wohnquartier aussähe, wenn die jungen Architekten es in der Hand hätten solch ein Gebiet vollständig planen zu dürfen, war die Meinung einhellig. Nachhaltig, architektonisch anspruchsvoll und wenig restriktiv. Was gleichzeitig den Vorwurf an die politischen Entscheidungsträger beinhaltete, doch endlich die beim Bauen immer höher werdenden Standards zugunsten „einfachen Bauens“ zu senken. Sicher eine Aufforderung, die alle am Bauen Beteiligte in Zukunft noch viel beschäftigen wird.

Wolfgang Sanwald / 21.08.2017