Women in Architecture II

Wir über uns

Vortragsreihe an der Universität Tübingen Wintersemster 2017 / 2018

Architecture is no more a men's world. This idea that women can not think three-dimensionallyis ridiculous."

Es war Zaha Hadid, die diesen Satz 2013 bei einer Preisübergabe sagte - und nannte damit ein hartnäckiges Vorurteil, gegen das sie selbst in vielen Jahren Berufsleben zu kämpfen hatte. Vier Jahre später ist der Diskurs aktueller denn je. Dorte Mandrup aus Kopenhagen (am 16. Januar 2018 in Tübingen) betont, dass sie nicht als weiblicher Architekt gesehen werden möchte und zeitgleich vertritt ein Google-Mitarbeiter in einem Thesenpapier, dass Frauen biologisch weniger für erfolgreiche Arbeit in der Tech-Industrie geeignet sind - also auch in der Archi-tek-tur?

Architektur als Profession war und ist monokulturell und männlich. Inhalte müssen neu definiert werden. Es geht nicht darum mehr und mehr spektakuläre Animationen und Renderings zu produzieren. Architektur braucht Selbstreflektion und die Diversität des Dialogs und Diskurses. Dazu gehört wesentlich auch Genderdiversität, als Beitrag zu einem gesellschaftlichen Wandel. Die kulturellen, sozialen, ökologischen und ästhetischen Fragen an die Architektur sind heute weitaus komplexer geworden und in diversen Gruppen besser zu verstehen und zu lösen, mit mehr Architektur-Akteurinnen in der Wirtschaft, Politik, Kultur und Privatwirtschaft.

Die Zahlen sprechen für sich: Mehr als 50 Prozent Studentinnen, aber im Beruf gerade 25 Prozent und mit eigenem Büro nur mehr 17 Prozent Architektinnen. Noch deutlich weniger sind Architektinnen in der Lehre vertreten - ihr Anteil liegt bei 14 Prozent, aber gerade mal fünf Prozent der Lehrstühle an den Universitäten sind mit Frauen besetzt. Erklärbar ist dies zwar aus der Tatsache, dass der akademische Lehrkörper sich nicht durch wissenschaftliche Arbeit qualifiziert, wie in anderen akademischen Berufen, sondern sich aus der "Berufselite", also aus der Praxis rekrutiert. Und hier sind eben zu wenig Frauen vertreten. Schließlich haben die höchste Auszeichnung für Architektur, den Pritzker-Preis, in 38 Jahren lediglich zwei Frauen erhalten: Zaha Hadid und Kazuo Seijma. Und letztere bestand darauf, ihren zehn Jahre jüngeren Büropartner Ryue Nishizawa mit auszuzeichnen. Eine Haltung, die kein männlicher Architekt vor ihr je gezeigt hatte.

Frauen als Ausnahmeerscheinung im Beruf werden besonders kritisch beobachtet und kontrolliert: von der Jury, die bis heute mehrheitlich mit männlichen Juroren besetzt ist, von Bauherren, es gibt kaum Baufrauen, und zuletzt auf der Baustelle. Selbst auf der letzen Architektur-Biennale in Venedig 2016 hat Alejandro Aravena, mit seinem doch sozialpolitischen Ansatz, zum Eröffnungspanel ausschließlich die üblichen älteren, männlichen Architekten geladen. 2018 wird die Biennale von den beiden Architektinnen des Büros Grafton, Dublin ausgerichtet - wir können gespannt sein.

Einfach nur gut sein: reicht nicht! Umso mehr als Theorie und Methoden der Architektur nicht standardisiert sind - und das was sich als Qualität in der Architektur manifestiert auch heute noch von einem kleinen und fast ausschließlich männlichen Zirkel bestimmt wird.

Zu allem kommt noch ein Mythos - der Mythos vom künstlerischen Beruf des Architekten, der die totale Hingabe und eine Unterordnung jeglichen Privatlebens verlangt. Teilzeitstellen sind in diesem Beruf also eigentlich undenkbar! Immer noch offenbart sich das Gefälle zwischen Männern und Frauen spektakulär in den Gehaltsstrukturen. Frauen verdienen in Architekturbüros für die gleiche Arbeit im Schnitt 20 Prozent, in der gewerblichen Wirtschaft sogar 27 Prozent weniger (BAK, 2015). Trotz manch großartiger Erfolge von einzelnen Architektinnen, fehlt es international an weiblichen Rollenvorbildern für Ausbildung und Beruf. Erfreulich ist es, dass das DAM in Frankfurt aktuell sich mit einer großen Ausstellung "Frau Architekt" (30.9.2017- 8.3.2018) unserem Thema widmet.

Einen Preis "Women in Architecture" gibt es erst seit 2012 in England und wir freuen uns, dass unsere Referentin aus dem letzten Semester Rozana Montiel, Mexiko, im März 2017 damit ausgezeichnet wurde. In Deutschland gibt es bis heute noch keinen. Viele gute Gründe also in Tübingen eine eigene Vortragsreihe mit international herausragenden Architektinnen durchzuführen, deren beruflicher Einsatz und Erfolg und deren Haltung in der Architektur Heute Vorbildfunktion hat.

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Dr. Ursula Schwitalle / 22.09.2017