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    KT Arbeitswelt
    Potenziale der Gewerbegebiete

    Potenziale der Gewerbegebiete

    Themen des Kompetenzteams

    Im Juli 2023 fand das erste Treffen unseres breiter aufgestellten Kompetenzteams „Arbeitswelt“ statt. Seit diesem Initialtreffen fanden ingsgesamt fünf weitere Veranstaltungen statt, in welchen wir intensiv die unglaubliche Bandbreite des Themas der Arbeitswelten und deren vielschichtigen und dynamischen Einfluss auf die Arbeit von uns Architekt:innen diskutierten: die grundsätzlichen Entwicklungen der Arbeitswelten im sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontext, in den allen davon betroffenden Bereichen und die Herausforderungen im Rahmen der bestehenden und zukünftigen Aufgabenstellungen für uns Architekt:innen sowie die damit einhergehende notwendige Weiterentwicklung im Arbeitsalltag.

    In der Vielzahl an intensiven Gesprächen, Diskussionen und Schilderungen unserer Beobachtungen wurde uns als Team immer stärker bewusst, dass sich Wandel und Veränderung permanent vollzieht, unabhängig von der Intensität und Perspektive der Wahrnehmung. Deshalb ist es für uns weniger die gerade oft zitierte Disruption, sondern eher eine stetige Evolution und Transformation, welcher wir uns einerseits als einzelner Mensch, andererseits alsGesellschaft stellen müssen: ob im sozialen, technologischen oder ökonomischen Umfeld, ob im Sinne einer bewussten Nachhaltigkeit oder auch in unserem täglichen Umgang mit unseren Kunden und deren Herausforderungen oder in der Entwicklung unseres eigenen Arbeitsumfeldes als Architekt:innen. 

    Auch stellten wir fest, dass alte schon fast vergessene Ideen genauso wieder an Bedeutung gewinnen, wie auch dass es keine einheitliche Antwort für die bestehenden Fragestellungen gibt. Es wird aber auch bewusst, dass die Fragestellungen gerade in der Einflussbreite scheinbar an Komplexität zugenommen haben. Deshalb gilt es, sich stärker als je zuvor zu vernetzen und über die eigenen Berufs- und Wissengrenzen hinaus zu arbeiten, einen konsequenten Wissenstransfer zu ermöglichen und Wissen auch permanent neu zu integrieren. Dies ist nur möglich, wenn neben der Weiterentwicklung der Strukturen auch der Wille zur Transformation vorhanden ist. Dies ist gekennzeichnet, durch das bewusste Verständnis für Integration weiter gehender Arbeitsmethoden, Fragestellungen, Erfahrungen und Erkenntnisse aus allen anderen Bereichen: aus der Wirtschaft, dem sozio-ulturellen Umfeld, und ganz besonders von den unterschiedlichen Forschungseinrichtungen und den Bildungseinrichtungen. Gerade in den Universitäten gibt es eine intensive Auseinandersetzung mit der Transformation, ob in der Technologie, Nachhaltigkeit und Gesellschaft. Dort werden viele wichtige Erkenntnisse gewonnen, die wir nutzen sollten. 

    Da die Diskussion in seiner gesamten Bandbreite, wie geschildert, abhängig von den gemachten Erfahrungen, eigenen Standpunkten und Einschätzungen unterschiedlichste Perspektiven zulässt, möchten wir Sie gerne ein stückweit auf unsere Reise mitnehmen. Eine Reise auf der wir Ihnen an unterschiedlichen Perspektiven aufzeigen wollen, was Transformation in den Facetten bedeuten kann und wird, dabei möchten wir Sie ganz bewusst mit Hypothesen und auch einer Art von Fundstücken konfrontieren. 

    Die Transformation der Arbeit und deren Einflussbereiche (oft genannt „Welten“) findet heute in vielfältiger Weise und sehr differenziert statt. Einerseits erleben wir gerade bedingt durch den weitergehenden technologischen Wandel und durch alle Notwendigkeiten eines bewussten Umgangs mit unserer Umwelt und den Ressourcen eine Neuinterpretation von Arbeit. Diese Neuinterpretation ist durch unterschiedlichste Merkmale gekennzeichnet. Eine Beobachtung ist, dass die in den letzten Jahrzehnten stark vorangetriebene Trennung von Leben und Arbeit sich (scheinbar) immer wieder auflöst. Jeder von uns beobachtet, dass (scheinbar) überall und immer gearbeitet wird. Dabei findet die Arbeit nicht mehr an den klassischen Orten statt, sondern auch im Café, beim wöchentlichen Spaziergang, während des Urlaubs oder im sogenannten Home Office im Keller, auf dem Dachboden oder am Küchentisch. Dieses veränderte Wesen der Arbeit mit seinen Charakteristika des Wo, Wann, Was, Wie und Wer wird dann mit den aktuell vielzitierten Schlagwörtern Flexibilität, Entgrenzung, hybrid, fluid, Offsite, Onsite, virtuell, Workation, Work–Life-Balance oder Work–Life-Blending beschrieben. Dabei findet jede Gruppe für ihre Meinung eines „zukünftig richtigen“ Arbeitens die jeweilige Argumentation mit allen Vorteilen und Nachteilen. 

    Gleichzeitig stellten wir in unseren Diskussionen fest, dass in gewissen Umfängen bereits bekannte und vertraute Fragen und Antworten aus der Vergangenheit in der Diskussion wieder stärker an Bedeutung gewinnen. Oft wurde und wird der Begriff Mischfunktion genauso genannt wie nachhaltige Quartiersentwicklung mit allen Fragen zu einer dauerhaft funktionierenden Durchmischung von Funktionen des Arbeitens und Lebens. Darüber hinaus stehen aber auch alle Themen des „Re-X“ im Fokus: ob in der Re-Urbanisierung, der Re-Vitalisierung, der Re-Aktivierung, der Re-Lokalisierung oder des Re–Cyclings in Form der Zirkularität und Nachhaltigkeit. Vielleicht steckt in dieser Rückbesinnung weniger der Wunsch nach Tradition und Geborgenheit, als vielmehr die Erkenntnis, dass die Mischung zwischen vertrauten und neuen Fragen und Antworten ein Weg sein kann. 

    Was heißt dies jedoch für die Orte der Arbeit? Werden wir zukünftig wieder in unserem Verständnis und Lebensort zu einer Art mittelalterlichen Handwerksmeisterhaus zurückkehren, wo Arbeiten und Leben in der kompletten Verwebung aller Bereiche in aller Enge und Begrenzung stattfand und dann stattfinden wird? Werden wir einen grundsätzlichen Wandel von Urbanität und Stadt erleben, da Büros in der bestehenden Vielzahl und Umfänglichkeit nicht mehr benötigt werden und somit auch die direkt partizipierenden Funktionen wie Mittagslunch-Lokale, Bistros, Cafés und Supermärkte in ihrem Umfang obsolet werden, wenn die Menschen nicht mehr ins Büro kommen oder nur noch an einzelnen Tagen und Stunden. Werden aus manchen der bestehenden monofunktionalen Gewerbeparks vor den Toren der Städte verwaiste Orte, wo sich keiner mehr freiwillig hineintraut? Oder werden von heute großen Produktionsbetrieben und Industrieanlagen nur noch leere Hallen ohne Fenster und Tore stehen? Viele werden sagen, dies klinge sehr dystopisch, doch die Bilder eines menschenleeren Stadtzentrums von Detroit, der verlassenen Bergbauanlagen im Ruhrgebiet oder den schier endlos leeren Gängen in den Büros der Vororte der großen Städte haben die Kraft dieses Bild von der Dystopie in die Realität zu rücken. Gleichzeitig bietet die Notwendigkeit der Transformation auch unglaublich viele neue Chancen und Möglichkeiten, einerseits für die Entwicklung unserer Orte des Lebens und Arbeitens, andererseits für unser Berufsbild. 

    Folgende beispielhafte Perspektiven, Beobachtungen und mögliche Hypothesen sehen wir auf der Transformationsreise durch die Arbeitswelten. Jedoch müssen wir auch feststellen, dass wir heute auf viele Fragen noch keine, oder nur erste recht schemenhafte Antworten haben.

    Kultur der Arbeit: eine mögliche Standortbestimmung.

    Veränderungen der Arbeitswelten oder ist das Wesen der Arbeit zukünftig fluide?

    • Dynamik und permanente Veränderung bestimmen die Arbeit. Alles scheint nur in einer Art Zwischenstadium oder einer Art X.0 – Stadium, wie wir es aus der Digitalisierung kennen, zu bestehen.
    • Arbeitsorte werden geprägt durch die starke Notwendigkeit an Flexibilität und durch den Charakter des Provosorischen. 
    • Die maßgeschneiderte und passgenaue dauerhafte Lösung und Umsetzung von räumlichen Konzepten und Gebäuden werden sich auflösen. 

    Wie flexibel und weitgefasst können Orte des Arbeitens überhaupt sein?

    • Alle Orte, jeder Raum kann zu einem Ort des Arbeitens und des Lebens werden. Die Trennung scheint aufgehoben.
    • Gleichzeitig sollten diese Orte und Räume in einer großen Vielzahl und Vielfalt allen Menschen zur Verfügung stehen.

    Der Wert der sozialen Interaktion oder was hat uns Homeoffice eigentlich gelehrt? 

    • Große Umfänge der Wertschöpfung innerhalb der Arbeit sind erst durch die soziale Interaktion möglich. 
    • Innovation und Kreativität lebt in großen Teilen vom direkten und sofortigen Austausch der Gedanken. 
    • Arbeit verlangt heute nach Rückzugsorten und Orten der Stille und des Fokussierens, gerade in Zeiten einer permanenten Intensivierung der Arbeit.

    Selbstwirksamkeit und Teilhabe: Viele fordern sie ein, sie fordert jedoch den ganzen Mensch

    • Bewusste Erkenntnis, dass Selbstwirksamkeit und Partizipation eine Qualität ist. Da die Person aktiv handelt und eigenverantwortlich an Prozessen teilzunimmt, um diese zu gestalten.
    • Förderung von Engagement und Zufriedenheit: Selbstwirksamkeit trägt dazu bei, Umgebungen zu schaffen, die den Bedürfnissen und Vorstellungen ihrer Nutzer direkt und besser entsprechen.
    • Bedeutung im arbeitsbezogenen Kontext: Mitarbeiter gestalten ihre Arbeitsplätze mit, z.B. durch Beteiligung an Entscheidungen.
    • Bürgerbeteiligung in der Quartiersentwicklung: Einbezug von Bürgern in die Planung, Umsetzung und Verwaltung von Quartiersentwicklungsprojekten.

    Digitaliserung als das Wundermittel für Alles und Jeden: Placebo oder wirksam?

    • Scheinbar grenzelose Möglichkeiten digitaler Lösungen zur Organisation des indivuellen, gemeinschaftlichen und organisatorischen Lebens und Arbeitens.
    • Digitalisierung und deren nachhaltige Integration in das Leben und Arbeiten verlangt von allen Seiten eine Offenheit und den Willen zur Transformation. 

    Transformation und Umnutzung (Konzeption)

    Ist es eine dauerhafte Realität -– Abbau von Arbeitsplätzen und der Einfluss auf deren genutzte Orte und Flächen?

    • Mittelfristiger Wegfall von zehntausenden Arbeitsplätzen auch in BaWü durch Transformation in den industriellen Zentren (Ankündigungen: Bosch, Mahle, Mercedes, ZF; Vergleiche aus der Vergangenheit und von anderen Orten: Pirelli Mailand – Bicoccia, Fiat Turin-Lingotto, Philipps Eindhoven, Ruhrgebiet, Bitterfeld).
    • mögliche gigantische Flächen von Büros, Produktionsanlagen und Handel in unterschiedlichsten Größen und Lagen, die zu ungenutzen Brachen werden könnten.

    Neue Konzepte für die Gestaltung von Arbeits- und Wohnbereichen als Chance?

    • Prozess der Veränderung der Arbeitswelten von whitecollar und bluecollar läuft seit Jahren.
    • Chance neuer bedarfsorientierter Vernetzungen von Arbeiten, Wohnen, Dienstleistungen und Sozialeinrichtungen durch Revitalisierung, Ergänzung und Zubau in unterschiedlichsten Modellen. 
    • Erfordernis von langfristig angelegten, flexiblen Konzepten.
    • Beispiele für solche Konzepte: Siemensstadt Berlin, Campus Erlangen und Breuningerland Sindelfingen.

    Quartiersentwicklung und Nachhaltigkeit als zukünftiges Paradigma?

    • Die Revitalisierung von Leerstandsflächen und Industriebrachen und tradierten, dysfunktionalen Wohnquartieren kann dazu beitragen, Gesellschaft und Umwelt wieder in Einklang zu bringen.
    • Eine Rückkehr zu einfacheren Ansätzen ist entscheidend, um attraktive, nachhaltige Quartiere mit erlebbaren Qualitäten für das tägliche Leben zu schaffen.
    • Architekten und Stadtplaner haben bisher und werden auch zukünftig überzeugende Lösungen für klar definierte Aufgabenstellungen finden.

    Werden Architekt:innen und Stadtplaner:innen bei der Gestaltung des Transformation überhaupt eine Bedeutung haben?

    • Funktion als Moderatoren bei der Bestandsanalyse in den Kommunen, bei Zielfindungsprozessen in Politik, Gesellschaft, Immobilienwirtschaft.
    • Hier im Vordergrund: Zuhören, Sammeln, Ordnen und Formulieren von Bedürfnissen aus unterschiedlichsten Perspektiven, nicht Planung von Bauprojekten oder unterstellte wirtschaftliche Eigeninteressen.
    • Erfolgversprechende Ergebnisse entstehen, wenn sie von allen wesentlichen Stakeholdern getragen werden.
    • Hierfür erforderlich: geeigneter gesetzlicher Rahmen, überzeugte Bauherr:innen.

    Phase 0 neugedacht – mögliche neue Komponeten der Initiierungsphase?

    Strategische Beratung und Planung 

    • Wirtschaftlicher Strukturwandel und globale Krisen verändern Unternehmen signifikant. Umsetzung von Unternehmensstrategien erfordert passende Arbeitswelten und -orte als räumliche Infrastruktur für die Wertschöpfung.
    • Gemeinsame Erarbeitung der Fragen und Anfroderungen mit den Kunden, den Planer und den erforderlichen Spezialisten zur späteren Entwicklung der Konzepte erforderlich.
    • Erfordernis der Einbindung weiterer Disziplinen neben den Planenden abhängig von der spezifischen Aufgabenstellung.

    Ressourcenanalyse

    • Früher waren Geist, Atmosphäre und Aura (Genius Loci) eines Ortes maßgeblich für Architekten - heute können diese Begriffe profaner betrachtet und um weitere Kriterien ergänzt werden.
    • Zusätzlich zu Klima und Topografie sind auch Bodenbeschaffenheit, umgebende Natur und Bebauung, Geschichte, Zukunft, Marktbedingungen und soziales Gefüge relevant. Anhand von Beispielen oder Projektsondierungen können Architekten die umgebende Natur und Bebauung analysieren und deren Potenzial für Aufenthaltsqualität, Mikroklima oder Flächenerweiterung darstellen. Analyse dient als Arbeitsgrundlage für alle drei Typologien, um einen ersten Abgleich mit den Zielen zu ermöglichen. Dabei können auch unbekannte Ziele aufgedeckt werden, in manchen Fällen lassen sich avisierte Projekte nicht in der vorhandenen Umgebung umsetzen.
    • Eine Neuordnung der HOAI gewährleistet angemessene Bezahlung auch bei volatilen Planungsverläufen und dem Wegfall von Bausubstanz.

    Vernetzung und Nachhaltigkeit 

    • Erfolgte Vernetzung früher entlang klassischer Ketten wie Problem-Lösung, Unwissen-Bildung, Liefer-Absatz, Entwicklung-Umsetzung meist entlang etablierter Unternehmenspfade, erfordert Vernetzung heute noch unbekannte neue Wege, oft räumliche oder physische.
    • Die Navigation erfolgt entlang der Linien ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit. Es entsteht ein verdichtetes Beziehungsgeflecht, das komplex ist und die eigene Position festigt.
    • Fragen wie „Was macht der Nachbar?“, „Welche Abfälle kann ich nutzen?“, „Was machen Mitarbeiter, wenn sie nicht arbeiten?“, „Wem kann mein Standort noch dienlich sein?“, „Welche Abfälle kann ich nutzen?“, „Wer kann meine Reststoffe nutzen?“, „Wohin mit Abwärme oder wo gibt es Abwärme?“ gewinnen an Bedeutung.
    • Gebäudebestand der produzierenden Unternehmen rückt durch Nachhaltigkeitsziele in den Vordergrund.
    • Planer:innenkompetenz kann helfen, Vernetzungsangebote zu identifizieren und über die Grundstücksgrenzen hinaus zu moderieren.
    • Diese Vernetzung kann auch über den Projektfall hinaus aufrechterhalten und auf weitere Geschäftsfelder ausgedehnt werden.

    Gibt es Grenzen der Wirtschaftlichkeit innerhalb des Architekturbüros?

    • Die Vielfältigkeit und die Notwendigkeit der Aufgaben wird dazuführen, dass nur noch die großen Büros Aufgaben in Ihrer ganzheitlich langfristig wirtschaftlich tragfähig bearbeiten können.
    • Kleinere Büros werden die fortschreitende Digitalisierung konsequent nutzen und durch die Kooperationen die fehlende Fähigkeiten dazufügen und damit ganzheitliche Projekte umssetzen
    • Die Künstliche Inteligenz und deren Entwicklungen wird große Umfänge der Ideenfindung und Umsetzung übernehmen, sodass nur noch Büros eine Chance haben werden, welche diese Tools wirtschaftlich bei sich implementieren können.

    Interventionsräume und mögliche Arbeitsfelder

    Stadtraum ändert sich?

    • Die Transformation verändert städtische Strukturen von monofunktionalen, weitläufigen  Produktions- und Verwaltungsstädten zu vernetzte, dynamische Wissensstädten mit kurzen Wegen.
    • Die Kombinierbarkeit von und Wohnen und Arbeiten wird wichtiger denn je, sie rücken in Mischstandorten näher zusammen. 
    • Mindergenutzte Flächen müssen im Sinne einer Nachhaltigkeit als wertige Entwicklungsflächen für die Stadtentwicklung nutzbar gemacht werden (z.B. Stellplätze, vorgehaltene Erweiterungsflächen, Leerstände, etc.)

    Kleine Unternehmen versus globale big Player?

    • Große Unternehmen bringen viel Geld, aber auch große Probleme wie hohe Kosten und komplexe Hierarchien. Kleine Unternehmen sind besser in städtische Strukturen integrierbar und oft resilienter gegenüber Krisen und dynamischer innerhalb der Transformation.
    • Bei der Transformation stehen kleine und mittlere Unternehmen vor denselben Herausforderungen wie große. Sie haben oft wenig personelle und finanzielle Ressourcen für Gebäudefragen und nutzen gemietete Räume.
    • Planer*innenkompetenz kann helfen, Integrationsstrategien zu entwickeln und Projekte zu bündeln. Dabei kann auf Konzepte wie Nachverdichtung und Baugemeinschaften aus dem Wohnungsbau zurückgegriffen werden.

    Herausforderungen mit Orten der Kooperation begegnen

    • Fehlende Nachfolger und die häufige Anpassung von Geschäftsmodellen an technologische oder gesellschaftliche Veränderungen führen Unternehmen verstärkt zu Kooperationen.
    • Es ist notwendig, attraktive Orte für Zusammenarbeit und Innovation zwischen Unternehmen zu entwickeln, um Standortsicherung zu gewährleisten.
    • Diese Orte sollten auch mit Annehmlichkeiten, Begegnungsmöglichkeiten, Ideenwerkstätten usw. ausgestattet werden.

    Können sich Alt und Neu sinnvoll und sinnstiftend ergänzen?

    • Sanierungsbedürftige Gewerbestandorte bieten die Chance für grundlegendere Neuentwicklungen. Bestehende Bauwerke können oft im Rahmen einer nachhaltigen Umbaukultur bewertet und in eine neue Phase der Nutzung überführt werden.
    • Leichtindustrielle Ansätze, die emissionsärmere Produktionsverfahren und andere Bauweisen nutzen, helfen die neuen Anforderungen in den Bestand zu integrieren.
    • Durch entsprechende Umgestaltung entstehen funktionsfähige Standorte, die Identität aus der Vergangenheit beziehen.

    Ist auch zukünftige Arbeit ist auf vielfältige Mobilität angewiesen?

    • Eine gute Infrastruktur mit gutem öffentlichem Nahverkehr und Anschluss an Fahrradwege wird immer wichtiger für zukunftsfähige Standorte. Gewerbegebiete hingegen, die hauptsächlich vom motorisierten Individualverkehr abhängen, verlieren an Attraktivität für hochwertige Nutzung.
    • Flächen, die bisher vom motorisierten Individualverkehr genutzt werden, können entsiegelt und baulich oder ökologisch genutzt werden. Die Umgestaltung der Flächen erhöht auch deren Qualität für Aufenthalt und Begegnungen.
       

    Hypothesen, Szenarien, Beobachtungen und Fragen liegen auf unserem ersten Reiseabschnitt durch die Transformation der Arbeitswelten hinter uns. Jedoch was könnten erste Antworten sein?

    • Wir leben in der transformativen Phase eines raschen, intensiven und weitreichenden technologischen und gesellschaftlichen Wandels. In den Städten findet ein überhitzter Bieterwettbewerb um die produktiven Flächen statt. Zugleich hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Städte im Sinne der Idee der „Produktiven Stadt“ auch materielle Produktion als notwendige wirtschaftliche Aktivität brauchen. Ziel ist es, die funktionale Trennung und Ausdünnung der Produktion nach dem Dogma der postindustriellen Stadt zu überwinden und verstärkt eine inklusive und gemischt genutzte Stadt zu entwickeln. Der Handlungsansatz der Produktiven Stadt erfordert die Auseinandersetzung mit komplexen Entwicklungsprozessen und ungewohnten Raumprogrammen bei der Transformation von Stadt und bei der Konzeption neuer, gemischt genutzter Quartiere. Das heißt auch, dass wir wieder lernen müssen, Kontraste in der Stadt auszuhalten und aus der Nachbarschaft von Wohnen und Gewerbe neue Synergien zu entwickeln. In diesem Sinne geht es auch um die Verschränkung von Nutzungsbausteinen, das Ermöglichen von Übereinander- und Nebeneinander-Lösungen unter Gewährleistung größtmöglicher Flexibilität und Anpassungsperspektiven. 
    • Die Produktive Stadt als ein Leitbild und Handlungsstrategie hat die Kraft sich schrittweise in kommunalen Konzepten wie regionalen Programmen wiederzufinden. Sie materialisiert sich in innovativen Leitprojekten und hybriden Quartiersentwicklungen. Die Produktive Stadt entsteht in „produktiven Quartieren“, sie manifestiert sich in neuen hybriden Akteurs-, Nutzungs- und Projektkonstellationen. Diese implizieren eine Vielfalt an Optionen, an produktiver und sozialer Mischung an sehr unterschiedlichen Standorten und strahlen auf ihr jeweiliges Umfeld aus. Der Fokus kann dabei auf neuen produktiven, hybriden Arbeits- und Wirtschaftsformen oder auf den bürgerschaftlich geprägten Arbeits- und Kulturpraktiken der „Civic Economy“ liegen – oder auch in einer Kombination und Verschränkung unterschiedlicher Optionen.
    • Im Konzept der Produktiven Stadt bieten sich unterschiedlichste Anwendungsbereiche und -möglichkeiten – von der Aufstockung und Umnutzung des Bestands mit einem funktionalen Remix, mit neuen Nutzungsmischungen und besonderen Wohnformen in reaktivierten Parkhäusern, in der (Nach-) Verdichtung urbaner Kerne, in typologischen Themenhäusern und -blöcken für programmierte Mischungen, in der Neuordnung der Leerstellen im Stadtgewebe, in der Quartierreparatur mit gemeinwohlorientierten Nutzungsbausteinen und „Shared Spaces“, in neuen Quartiersentwicklungen mit ungewohnten Nutzungsprogrammen und Akteurskonstellationen. Innovative Konzepte zur Erhöhung der Flächeneffizienz wie auch neue Nutzungskonzepte und -kombinationen mit vertikaler und horizontaler Mischung sind somit in vielen Stadträumen und Quartieren möglich. Die Zukunft liegt im „Produktionsraum Quartier“.
    • In Stuttgart bspw. befinden sich nur etwa 40% aller Arbeitsplätze in den ausgewiesenen Industrie- und Gewerbequartieren. Und dennoch zeigt sich auch gerade hier große Veränderungsdynamik.  Anpassungs- und Transformationsprozesse zeichnen sich zunehmend an vielen gewerblich-industriellen Standorten ab. Technologische Trends, neue Konsummuster und neue Arbeitsformen verändern auch die Anforderungen und Bedingungen an unsere tradierten Arbeitsquartiere in den Industrie- und Gewerbegebieten. Der Strukturwandel erfordert Anpassungen in den Produktpaletten, in den Geschäftsfeldern, in der Produktion und im Vertrieb. Gewachsene Industrie- und Gewerbequartiere ändern ihr Profil, werden zu Transformationsräumen. Neue Nutzungsprogramme, neue gewerbliche Nutzungsmischung, Schichtung und Stapelung von gewerblichen und ergänzenden Nutzungen prägen zunehmend die Gewerbestandorte und Arbeitsumgebungen. Neue Infrastrukturen werden auch in diesen Quartieren gebraucht.
    • Gerade in gemischten Siedlungsbereichen, in alten Gewerbearealen, in Transformationsimmobilien etc., bieten sich große Entwicklungschancen für mehr gewerblich-produktive Nutzungen, für differenziertere Nutzungsprogramme und mehr Nutzungsvielfalt. Dabei sind wirklich gemischte Quartiere in den letzten Jahrzehnten kaum entwickelt worden – zu sehr waren noch Monostruktur und Nutzungstrennung Imperativ vieler Quartiersplanungen. Doch insbesondere in den Transformationsquartieren, meist größeren, gewerblich oder durch Bürobauten geprägten Räumen finden sich Spielräume für neue Nutzungsprogramme. Hier entstehen neue Ortsentwürfe und Raumprogramme, die Wohnen und Arbeiten, Start-up-Kultur, Kreativwirtschaft, Kultur und Stadtteilinfrastruktur vernetzen. Welche Rahmenbedingungen braucht es, um erfolgreich neue Mischquartiere zu entwickeln? Welche Akteure und welche Nutzerperspektiven sind relevant? Welche Arten von Nutzungen gibt es und wie sind diese sinnvoll kombinierbar? Welche informellen und formellen Verfahren sind zur Entwicklung und Umsetzung neuer Mischgebiete notwendig?
    • In den Innenstädten und Zentren hat der Mix aus Handels-, (Büro-)Gewerbe-, und Dienstleistungsnutzungen das Bild und das städtische Leben in den Stadtteilen über viele Jahrzehnte geprägt. In letzter Zeit haben Transformationsprozesse in Handel und Gewerbe, der Wettbewerb im Einzelhandel, ein verändertes Konsumverhalten, soziale und kulturelle Werteverschiebungen, aber auch veränderte rechtliche Rahmenbedingungen einen tiefgreifenden Funktionswandel in den Innenstädten, insbesondere in den Erdgeschosslagen bewirkt. Künftig werden ausgeprägte Leerstände, untergenutzte Geschäfts- und Gewerbeflächen und Fehlnutzungen verstärkt unsere Zentren prägen. Durch veränderte Flächenbedarfe und Strukturwandel in der Wirtschaft und im Handel werden zusehends weniger Flächen nachgefragt bzw. stehen für neue Nutzungskonzepte zur Verfügung, dies gilt insbesondere für kleinere und mittelgroße Städte und Kommunen. Diese Transformationsprozesse der (Innen-)Stadt verändern nicht zuletzt den Arbeitsstandort Innenstadt. Mit dem Funktionswandel in den Zentren, insbesondere dem Strukturwandel im Einzelhandel, zunehmendem Leerstand und rückläufiger Flächennachfrage in Handels- und Gewerbebereichen stellt sich die Frage nach neuen (hybriden) Nutzungsprogrammen und Stadtbausteinen, aber auch nach neuen Arbeitsformen und Raumangeboten in den Innenstädten. Welche Formen des Arbeitens werden sich künftig in der Innenstadt finden? Welche Räume, Formate und Ausstattungen sind für die produktiven Arbeitsumfelder in den Zentren notwendig, um den künftigen Anforderungen gerecht zu werden und deren Attraktivität nachhaltig zu gestalten?
    • Arbeiten in regionalen Work Hubs („Geschäftshubs“), an der Peripherie der Städte, an den Schnittstellen in der Region. Der Fachkräftemangel und die Suche nach qualifiziertem Personal zwingen viele Unternehmen, alternative und dezentrale Raumangebote – außerhalb der Firmen- und Konzernzentralen – an dezentralen oder peripheren Standorten anzubieten, die die Vereinbarkeit von Arbeits- und Lebenswelten verbessern bzw. erhöhen können, bspw. an  verkehrsgünstig gelegenen Knoten des regionalen Nahverkehrs (s.a. NEXT OFFICE). Hier könnten auch neue Gründungs- und Start-up-Infrastrukturen entstehen bzw. ein dezentrales (regionales) Gründungs- und Start-up-Netzwerk etabliert werden.
    • Stadt als Campus – Innovationszonen und innovative Nachbarschaften – Wissenshubs und Labore als Arbeitsorte der Zukunft. 
      Der wirtschaftliche und technologische Strukturwandel verändert Produkte, Prozesse und Räume. Über die Transformation von Gewerbe- und Wissensquartieren zu Innovationszonen und hybriden Räumen für innovative Cluster bieten neue Möglichkeiten. Die Transformation vorrangig monofunktionaler Produktions- und Arbeitsorte in Wissens- und Kreativlabs schafft Orte, die künftig entscheidende Anteile zur gesellschaftlichen Wohlstandsbildung/ zum Wohlstandserhalt beitragen. Das Narrativ „Stadt als Campus“ betrachtet dabei die gesamte Stadt als „Arbeitsfläche“ für Innovation. Auf der gesamtstädtischen, der teilräumlichen (Cluster-) Ebene wie auch an konkreten Orten sollen so Möglichkeiten und Räume für innovative Cluster und Innovationszonen eröffnet, neue Akteurskonstellationen geschaffen und diese räumlich wie konzeptionell miteinander vernetzt werden.
    • Arbeiten in der Peripherie und „auf dem Land“ – „Arbeiten im Landbüro“: 
      Wohn- und Lebensbedingungen in den Ballungsräumen werden immer teurer, die Lebenshaltungskosten steigen. Unter diesen Bedingungen und auf der Suche nach erschwinglichem Wohn- und Arbeitsraum wird der ländlichen Raum (wieder) verstärkt in den Blick genommen. Das Wohnen und Arbeiten an der Peripherie der Städte, außerhalb der Speckgürtel in der Region wird zunehmend attraktiver. Dort finden sich (vielfach) noch Räume, Flächen, Ressourcen für das neue Büro für digitalen Dienstleister*innen oder für remote arbeitende Mitarbeiter*innen. Wohnen und Arbeiten sind hier potenziell eng vernetzt, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird gestärkt, lokale Bezüge verbessern tendenziell das Gemeinschaftsgefühl und die Arbeitszufriedenheit.
    • Digitale Orte – Arbeiten im digitalen Raum 
      Leider scheinbar etwas ausserhalb des Fokus der Architekt*Innen sind alle Fragestellungen und Konzepte zum Arbeiten im digitalen Raum. Viele sehen dies immer noch als sehr weit entferntes Sciencefiction oder Raumschiff Enterprise. Jedoch erfolgen in diesem Bereich gerade die große Entwicklingssprünge. Einerseits in der Schaffung digitaler Örtlichkeiten, welches im ersten Moment eine Art Abbild des realen physischen Raums sind, jedoch durch eine eigene Dynamik des Austausches und der Darstellung ermöglichen. Geschäftsmeetings und Produktpräsentation erfolgen in vollständig virtuellen Räumen mit Avataren. Jede Form von Räumen und Landschaften können virtuell begannen werden. Die Schnittstelle und Grenze zwischen der physischen und digitalen Welt scheint aufgehoben. Ein weiterer Aspekts des Digitalen in der Arbeitswelten ist der Umgang mit Daten an sich. In den Arbeitswelten werden heute permanent und dauerhaft Daten gewonnen, welche belastbare Rückschlüsse auf die Nutzung, Intensität und Wirksamkeit der verschiedensten Räume, Gebäude und Orte zulassen. Kunden stellen sich die Fragen, warum entscheiden sich bewusst Mitarbeiter mehrheitlich für diesen Raum und nicht für den anderen Raum. Die Daten sind unumstösslich. Dies verlangt von uns Architekt*Innen einerseits das Wissen und das Können in der Aufbereitung und Interpretation der Daten, damit diese in die Entwicklung des Konzeptes integriert werden können. 
    • Jeder hat sein Working from home ("Homeoffice")
       

    Hiermit sind wir am Ende unserer heutigen Reise durch die Transformation der Arbeitswelten. Wir hoffen, wir konnten Sie ein Stück unseres Weges mitnehmen, dass daraus ein gemeinsamer zukünftiger Weg wird. Gleichzeitig arbeiten wir als Team weiter intensiv an den Themen und hoffen einerseits Antworten auf die Fragen zu finden, gestellte Hypothesen zu entkräften oder zu bestätigen oder erste skizzierte Lösungsansätze gemeinsam für eine weitere Verwendung zu überführen. Denn wir fragen uns, wie können wir einerseits gewonnenes Wissen allen Kammermitglieder zur Verfügung stellen und dies für eine dauerhafte Nutzung weiterentwickeln. Gleichzeitig, was sind die Formate und Möglichkeiten mit denen wir nicht nur in unserem Kreis diese Themen diskutieren, sondern auch Ihre Kunden, Ihre Arbeitsaufgaben erreichen und welchen Beitrag kann die Kammer dazu leisten. Auch sehen wir die Notwendigkeit durch die rasante Entwicklung der Einsatzmöglichkeiten der künstlichen Intelligenz, dass singuläre Lösungen zu langsam und auf Dauer nicht tragfähig für viele Büros sein werden. Deshalb im Sinne der vielzitieren Kooperation und der Intelligenz des Schwarms melden Sie sich bei uns mit Anregungen. 

    Ihr Kompetenzteam Arbeitswelt bei der Architektenkammer Baden-Württemberg

    03.09.2024

    Dokumente zum Download

    Strukturwandel in der Arbeitswelt
    Dokumentiert sind die Empfehlungen in den pdf-Dokumenten:
    Strukturwandel in der Arbeitswelt
    Räume und Quartiere​​​​​​​

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