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  • Auf dem Podium: Arno Lederer, Saskia Hebert, Wolfgang Riehle und Felix Waechter | Foto: Thilo Ross

    Rückschau Arno Lederer – 4. November 2015

    Auf dem Podium: Arno Lederer, Saskia Hebert, Wolfgang Riehle und Felix Waechter | Foto: Thilo Ross
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    Vom Benehmen in der Architektur

    Die zehnten Heidelberger Schlossgespräche "Reden über Architektur" mit dem Stuttgarter Architekten Arno Lederer lockten wieder mehr als 500 Interessierte in den Königssaal des Heidelberger Schlosses. In ihrer Begrüßungsrede gratulierte Ministerin Theresa Bauer als Vertreterin des mitveranstaltenden Landes denn auch ausdrücklich zu dieser zwischenzeitlich etablierten Veranstaltungsreihe, welche die Baden-Württembergischen Initiativen zur Förderung der Baukultur erfolgreich unterstützt.
    Foto: Thilo Ross
    Dabei war der Jubiläumsabend in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Einerseits feierte Wolfgang Riehle – der ehemalige Präsident der baden-württembergischen Architektenkammer – an dieser Stelle seine Premiere als Moderator. Andererseits war auch der Vortrag von Arno Lederer insofern besonders, als er die neugierigen Gäste lange auf erste Bilder von eigenen Gebäuden warten ließ. Stattdessen warf er die Frage auf, ob sich denn die soziale Kompetenz von Bauherren und Architekten in ihren Bauten zeige? So führte er zunächst am Beispiel des mittelalterlichen Klosters Chorin seine Überlegungen zu Fortschritt und Gestaltqualität in der Architektur aus. Lederer konstatierte, dass Fortschritt an sich wertfrei sei und gerade in Geisteswissenschaften und Kultur zunächst per se keine Verbesserung bedeute. So würde beispielsweise niemand behaupten wollen, ein Werk von Mozart sei schlechter als zeitgenössische Musik. In der Architektur führe Fortschritt zwar zu technischen Veränderungen, nicht aber zu grundsätzlichen Verbesserungen der gebauten Umwelt. So sei im heutigen Umgang mit Material und seiner Wertschätzung durchaus eine Verarmung festzustellen. Lederer zeigte, wie frühere Baumeister ganz selbstverständlich aus ihrer jeweiligen Kultur heraus amgebauten Erbe weiter gearbeitet hätten – ohne den Zwang, sich vom Bestand absetzen zu müssen. Stand das Ego des Architekten früher hinter dem "wir", so steht es – nach Lederer – heute allzu oft im Vordergrund. Fatal würde es dann, wenn sich Architektur dem städtischen Umfeld und dem baulichen Erbe entgegen stelle – wenn sich also Architektur nicht mehr zu benehmen wisse.
    Arno Lederer gab eine Lehrstunde in Sachen Architektur-Benimm | Foto: Thilo Ross
    Seinen eigenen Umgang mit Architektur und städtischem Umfeld erläuterte er im Anschluss an drei Beispielen aus seinem Büro LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei. Alle drei Bauten – der Hospitalhof in Stuttgart, die Bischöfliche Verwaltung in Rottenburg und das Kunstmuseum in Ravensburg – sind durch Reminiszenzen an den umgebenden Bestand und den Ziegelstein und die ihm innewohnenden haptischen Qualitäten geprägt. Lederer wendet sich dabei bewusst von einer technoid geprägten Glasarchitektur ab und schafft eine klare Trennung von Innen und Außen. Erstaunlicherweise gab es in der nachfolgenden Diskussion mit der Berlinerin Saskia Hebert vom Büro subsolar und dem Darmstädter Felix Waechter wenig inhaltlichen Dissenz. So stimmte Hebert mit der architektonischen Analyse Lederers überein, kam hinsichtlich der eigenen Architektur aber zu einem ganz anderen Ergebnis. Auch Waechter hat sein Heidelberger Stadttheater aus dem Bestand heraus entwickelt, schafft durch die Verwendung von großen Glasflächen aber einen fließenden Übergang von Innen und Außen. Wolfgang Riehle sprach die mitteleuropäische Sehnsucht nach Licht an, die viele zeitgenössische Bauten bestimmt, worauf Lederer einen Verlust von Dunkelheit in der heutigen Zeit beklagte. Eine Dunkelheit, die auch die Qualität des Verweilens in sich trägt: "Wenn man in Ruhe sitzen will, sitzt man nicht in 500 Lux."
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    Foto: Thilo Ross
    Foto: Thilo Ross
    Foto: Thilo Ross
    Foto: Thilo Ross
    Abschließend wurde noch das Thema "Schönheit" in Architektur und Städtebau aufgegriffen. Lederer beklagte, dass die Frage der architektonischen Schönheit nicht gleichberechtigt mit dem Thema der energetischen Nachhaltigkeit diskutiert würde. Dabei seien die Städte das wesentlichste kulturelle Kapital unserer mitteleuropäischen Gesellschaft. Einen Grund für die vielerorts mittelmäßige Gestaltung von Raum und Architektur sieht Lederer darin, dass der Bauherr – und damit auch der Bauherrenstolz – in unserer Gesellschaft verloren gegangen sind und immer öfter anonyme Investorengruppen ihre primär wirtschaftlich geprägten Interessen durchsetzen. Dass soziale Themenstellungen ökonomischem Druck untergeordnet würden, beklagten denn auch alle Podiumsteilnehmer – und damit auch die eingangs angesprochene fehlende soziale Kompetenz manch zeitgenössischen Bauens.
    Stephan Weber / 01.04.2016

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