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  • Über den Mehrwert von Kunst am Bau sprachen v.l. Wolfgang Riehle, Willi Siber, Adrienne Braun, Friederike Klatt und Bernd Selbmann

    Mehrwert Kunst am Bau?

    Über den Mehrwert von Kunst am Bau sprachen v.l. Wolfgang Riehle, Willi Siber, Adrienne Braun, Friederike Klatt und Bernd Selbmann
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    Mehrwert Kunst am Bau?

    Renomierte Architekten und Künstler diskutierten

    Die Architektenkammer engagiert sich auf vielfältige Weise im Rahmen des diesjährigen Grünprojekts in Rechberghausen. Zum Beispiel zeigt die Kammergruppe Göppingen im Treffpunkt Baden- Württemberg Architekturfilme (den letzten am 19. September um 15 Uhr: „Traumhäuser“) und die Landschaftsarchitekten gehen mit Besuchern auf dem Gelände auf Wahrnehmungsspaziergänge oder auch auf eine Fotosafari (die letzte am 9. September von 15 bis 18 Uhr). Die Landesgeschäftsstelle beteiligt sich ebenfalls mit Veranstaltungen: So fand am 15. Juli in der Unteren Mühle die Diskussionsrunde „Mehrwert Kunst am Bau?“ statt. Auf dem Podium hatten Platz genommen Friederike Klatt, seit acht Jahren Kunstbeauftragte der Merkle GmbH, Bernd Selbmann, Leitender Baudirektor Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Tübingen, der Künstler Willi Siber sowie unser Präsident Wolfgang Riehle. Unter der profunden Moderation der Stuttgarter Journalistin Adrienne Braun entspann sich – vor bedauerlicherweise sehr überschaubarer Zuhörerzahl – ein interessantes Gespräch, das vielfältige Aspekte rund um diese Art der Auftragskunst beleuchtete.
    Karl-Arnold-Schule in Biberach von der Projektgemeinschaft ESR (Architekten Elwert & Stottele und Rädle + Textor Architekten). Die Kunst am Bau stammt von Willi Siber. Foto: Albrecht Imanuel Schnabel
    Für Willi Siber muss Architektur und Kunst aus einem Guss sein und die Öffentlichkeit neugierig machen. Als Kunstbeauftragte eines Pharmakonzerns stehen für Friederike Klatt die Mitarbeiter ihrer Firma im Fokus. Sie sorgt dafür, dass nicht nur in repräsentativen Bereichen sondern auch in der Produktion die Arbeitsplätze durch Kunst aufgewertet werden. Im Gegensatz zu Unternehmern wie Würth oder Weishaupt könne der öffentliche Bauherr „Land“ leider nicht mehr so viel Geld für Kunst am Bau ausgeben, wie er gerne würde. Nach Aussage von Bernd Selbmann fördere das Land Baden- Württemberg Kunst nur noch mit einem Prozent der Baukosten. Als Leuchtturmprojekt dafür nannte er einen von den Künstlern Arnold und Eichler gestalteten Verbindungsgang in der im vergangenen Jahr fertiggestellten Justizvollzugsanstalt in Offenburg. Dieser Kunstgenuss sei nun aber den „Bewohnern“ und Justizangestellten vorbehalten. Sehr selbstkritisch mit Blick auf den eigenen Berufsstand zeigte sich zunächst der Präsident der Architektenkammer: Nach Meinung von Wolfgang Riehle werde insbesondere bei der Vielzahl der neuen Museen landauf, landab deutlich, dass für viele Kollegen ihre „Baukunst“ die „Kunst am Bau“ entbehrlich mache.
    Der „Farbweg“ von Hannes Arnold und Klaus-Dieter Eichler an der Justizvollzugsanstalt in Offenburg; Foto: Ioni Laibarös
    Auf die Frage, ob die „Kunstquote“ in Krisenzeiten nicht auf der Strecke bliebe, entgegnete Riehle, dass temporäre Rauminstallationen heute den Künstlern die Chance böten, sich mehr mit den Räumen auseinanderzusetzen. Die bleibende Kunst kann dann nach und nach entstehen und vom Bauherrn oder Immobilieneigentümer erworben werden. Selbmann bedauerte, dass vor allem die Politik den Mehrwert von Kunst am Bau nicht zu schätzen wisse. Es werde nur noch eingespart, der öffentliche Bauherr „stranguliert“, die Kunst bleibe dabei auf der Strecke.
    Das neue und auch als beispielhaft prämierte Eingangsgebäude (Architekten Auer+Weber+Assoziierte) erschien den Bauherren zu puristisch. Sie beauftragten die Künstlerin Chris Nägele mit einer Lichtskulptur. Foto: Anatol Dreyer
    Kunst am Bau als ideologische Debatte? Das Land war bei der Auswahl der Künstler immer dann gut, so Selbmann, wenn die Diskussion darüber öffentlich geführt wurde. Auch wenn manchmal expressive Architektur als Marketinginstrument eingesetzt werde, müssten Gebäuden zunächst ihrer Nutzung gerecht werden, meinte Riehle und weiter: „Es kommt schon auch mal vor, dass Architekten und Künstler vom Bauherrn „zwangsverehelicht“ werden, das ist allerdings keine gute Basis zum Abschöpfen des Mehrwerts von Kunst am Bau. Besser ist, einen Wettbewerb durchzuführen.“ Da Künstler gerne intervenieren, müsse die Wettbewerbsjury aber sehr qualitätvoll sein, ergänzte Siber, und für den Erfolg sei auch entscheidend, gute Künstler dafür zu gewinnen. Seiner Meinung nach darf die Maxime nicht lauten, dass Kunst an jedes Bauwerk komme. „Viel besser ist es, für spezielle Orte spezielle Lösungen mit Kunst zu entwickeln.“ Da auch Unternehmen in Krisenzeiten kürzer treten müssen und somit weniger Geld für Kunst ausgeben, dürfen bei der Merkle GmbH, initiiert von Friederike Klatt, die Mitarbeiter nun aus dem Firmenfundus Kunstwerke für ihren Arbeitsplatz aussuchen. So ergänze die Kunst immerhin die Architektur.
    Autorin: Carmen Mundorff / 03.05.2022

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