Veielbrunnenpark
Eugenie-von-Soden-Weg
70372 Stuttgart-Bad Cannstatt
lohrberg stadtlandschaftsarchitektur Partnerschaft Freier Landschaftsarchitekten mbB, Stuttgart; Projektleiter: Dirk Meiser
Landeshauptstadt Stuttgart, vertreten durch Oberbürgermeister Fritz Kuhn, vertreten durch Amt für Stadtplanung und Wohnen, Tiefbauamt sowie Garten-, Friedhofs- und Forstamt
2017
Ausgangssituation
Auf dem ehemaligen Gelände des Cannstatter Güterbahnhofs soll ein lebendiger neuer Stadtteil in Stuttgart entstehen. Zum einen lagegünstig in unmittelbarer Nähe des Bad Cannstatter Zentrums und unweit des Neckars. Zum anderen gerahmt von bestehenden Infrastrukturen wie der Bahn, des Cannstatter Wasens und von Hauptverkehrsstraßen. In diesem Spannungsfeld wird das Quartier NeckarPark entwickelt und mit ihm seine Grüne Mitte, der Veielbrunnenpark, der als erstes realisiert wurde. Der Veielbrunnenpark ist ein wichtiger Bestandteil des Entwässerungs- und Energiekonzepts für das ganze Quartier.
Besonderheiten des Projekts
- Park entsteht inmitten einer freien Brachfläche; angrenzende Quartiersbebauung folgt erst sukzessive nach Fertigstellung des Parks.
- Nachhaltiges Regenwassermanagement: Dach- und Oberflächenwasser des neuen Quartiers werden gesammelt und als Parkelement integriert.
- Aufwendige lokale Umsiedlung geschützter Zauneidechsen vor dem Bau des Quartiers (Büro Schmidt Treiber Partner)
- Frühzeitige Einbindung der lokalen Bürgerschaft in den Planungsprozess durch Bürgerbeteiligung.
Der ursprüngliche Entwurf wurde als offene Parkanlage ohne exakt definiert Spielbereiche geplant. Die endgültige Ausstattung des Parks, mit mehreren Spielbereichen und den dort verwendeten Spielelementen, wurde anschließend in enger Zusammenarbeit mit den engagierten Bürgern der AG Veielbrunnen entworfen.
Bauliches Konzept - Grundstruktur
Der Veielbrunnenpark erhält einen 10 m breiten Wegrahmen aus Betonplatten. Zwischen den Promenaden spannt sich wie eine Leinwand eine große Wiesenfläche auf. Die Wiesenfläche fällt von Süden leicht nach Norden ab und endet am nördlichen Rand in einer Retentionsmulde. Im Süden werden sanfte Rasenhügeln bis zu 2 m Höhe locker entlang des Randes verteilt. Sie betonen die Höhenentwicklung und geben dem Park eine interne lebendige räumliche Fassung.
Die Längsseiten werden mit Baumpflanzungen betont. Entlang der Retentionsmulde wird eine Reihe aus Zitterpappeln (Populus tremula) gesetzt. Die Zitterpappel ist ein typisches Auengehölz und verdeutlicht die geographische Lage des Quartiers und seine Nähe zum Neckar. Der Pappelreihe gegenüber, entlang der Wasenpromenade entstehen verspringende Reihen aus Kiefern (Pinus sylvestris).
Der fast zweihundert Meter lange Versickerungsgraben ist mit dreißig verschiedenen Staudenarten bepflanzt, gut sechstausend Pflanzen finden sich dort. Die Böschung zwischen den Staudenflächen wurde zusätzlich mit einer artenreichen Blumenmischung angesät. Die üppige Grabenbepflanzung ist für wechseltrockene Standorte optimiert. Ob bei zeitweiliger Trockenheit oder wenn zukünftig das gesammelte Regenwasser des neuen Quartiers durch den Graben fließt - die Pflanzen können sich immer gut daran anpassen.
Auf den sechs grünen Hügeln auf der südlichen Seite des Parks wächst eine natürliche Wiesenmischung mit Blütenpflanzen, die seltener gemäht wird als die angrenzenden flachen Rasenflächen. Da das Gras hier deutlich höher wächst, bildet sich bald ein schöner Kontrast zwischen buschigen Hügeln und kurz geschnittenen Rasenflächen. Im Frühjahr schmücken zahlreiche blühende Zwiebelpflanzen wie Krokusse und Narzissen die grünen Hügel.
Klimaanlage
Das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs ist eine Wärmeinsel mit nur sehr geringem Luftaustausch. Die bauliche Struktur des Stadtteils ist daher so gewählt, dass ein Luftaustausch in Ost-West-Richtung stattfinden kann. Darüber hinaus soll dem Wäreminseleffekt mit einer möglichst großen Verdunstungsrate im Quartier entgegengewirkt werden. Dach- und Oberflächenwasser werden nicht abgeführt, sondern versickern, insbesondere rund um den Veielbrunnenpark in der Retentionsmulde gesammelt. Das Wasser verdunstet an der Oberfläche und über die Bepflanzung entlang der Mulde. Die Pappeln mit ihrer stark pumpenden Wirkung und ihrem großen Blattvolumen tragen im besonderen Maße zu einer hohen Verdunstungsrate bei.
Spielkonzept mit den drei Spielstationen
Der Park verfügt nicht über einen zusammenhängenden Spielplatz, sondern über drei Teilbereiche mit Spielangeboten, die für unterschiedliche Altersgruppen und Aktivitätsarten nutzbar sind. Südöstlich an den Hügeln findet sich ein Spielplatz mit zusätzlichen Sitzangeboten für junge Kinder die gemeinsam mit ihren Eltern den Park aufsuchen. Der südwestliche Spielplatz bietet für ältere Kinder eine dreifache Slackline zum Balancieren, einen großen Drehteller sowie zwei Tischtennisplatten. Dritter Spielbereich ist der Wasserspielplatz am Rande des Grabens. Die Parkdecks mit ihren robusten weißen Sitz- und Liegeböcken rahmen die Wiesenleinwand an den Schmalseiten.
Ergebnis
Der erste Schritt für das Quartier NeckarPark ist getan. Anwohner und Besucher der umliegenden Einrichtungen können jetzt schon die neue Grünfläche für sich beanspruchen. Dank der Bürgerbeteiligung sind die Spielgeräte auf die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder aus der Umgebung angepasst und sind seit der Eröffnung rege in Benutzung.
