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    Architekturgespräche 2026: Neue Praxis! Neue Praxis?

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    Architekturgespräche 2026: Neue Praxis! Neue Praxis?

    Zum dritten und letzten Mal in der Themenreihe Architekturgespräche gingen Moderator Christian Holl und seine Gäste der Frage nach, wie Architektinnen und Architekten künftig arbeiten wollen bzw. werden. Das Thema, so Holl, sei „ein scheues Reh, das schon wieder woanders steht, während man darüber spricht“.

    Die Gesprächspartner diesmal: Dagmar Pelger, coopdisco, und Julia Naumann, Naumann Wasserkampf Architekten. Beide verbinden akademische Lehre und berufliche Praxis: „Wir ziehen das Wissen von einem Feld ins andere rüber.“


    Architektur als Teil gesellschaftlicher Prozesse
    Ziel des Berliner Vereins coopdisco ist es, gemeinwohlorientiere Orte zu entwerfen. Dessen Mitglieder verstehen Architektur nicht als isolierte Disziplin, sondern als Werkzeug, um Ressourcen zugänglich zu machen und gesellschaftliche Prozesse zu begleiten. Aus Initiativen wie „Stadt von unten“ entstanden Projekte zu bezahlbarem Wohn- und Gewerberaum, Kooperationen mit dem Mietshäusersyndikat sowie Studien und Kommunikationsformate für gemeinwohlorientierte Immobilienentwicklung.

    Dagmar Pelger | coopdisco

    Im Projekt „C/O Miami – Selbstverwalteter Projektraum“ in Berlin, wurde eine ehemalige Disco vor dem Abriss bewahrt und in einen Raum für gemeinschaftliche Nutzungen und öffentliche Veranstaltungen umgewandelt. Partizipative Prozesse sind dabei wesentlich: Mit der Öffnung der Planung für Partizipation, werde Kommunikation selbst zur Entwurfsaufgabe, so Pelger, die aktuell eine Vertretungsprofessur für Architekturtheorie an der Hochschule Anhalt innehat.

    Beim „UMordnungsPLANee“ für das Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin entwickelten coopdisco und weitere Architekt:innen Strategien zur Umplanung von Institutsräumen durch Einbau neuer Möbel und die Verwebung bestehender Raumzusammenhänge mit dem Ziel, neue Formen der Zugänglichkeit und Aneignung zu schaffen. Zudem sollten Lern- und Sozialräume für eine diverse Studierenden- und Lehrendenschaft geöffnet werden. öffnen. In kooperativen Designworkshops wurden Möbel in ihrer Funktionalität hinterfragt und Fragen von Dekolonisierung und Teilhabe verhandelt. 

    Julia Naumann stellte die Entwicklung ihres 4-Personen-Büros vor. Unter dem Titel „Kill the Author“ sprach sie über den Abschied von der klassischen Autorenschaft. Ihre zweite Maxime lautete: „Kill your Style“ – kein Festhalten an einem äußern Stil, einer Marke als Selbstzweck und Selbstbeschränkung. Naumann plädiert für eine größere Vielfalt architektonischer Ausdrucksformen. Jede Aufgabe müsse individuell beantwortet werden. Ihre Beispiele: die Gustav-Adolf-Gedenkstätte im Ensemble des Museums Lützen 1632 oder die Bedürfnisanstalt im Park an der Ilm in Weimar. Sie zeigten, wie unterschiedliche Orte unterschiedliche architektonische Antworten verlangten.

    Julia Naumann | coopdisdco

    Unter dem Slogan „Kill the Image“ warnte Naumann vor einer Architektur, die sich zu sehr an schnell konsumierbaren Visualisierungen orientiert. Die Logiken sozialer Medien und KI-generierter Bilder (Stichwort „Bilderflut“) stünden oft im Widerspruch zur Langfristigkeit und Komplexität architektonischer Prozesse.
    Am Ende ihres Vortrags stand eine Gegenposition: „Don’t kill the Idea.“ Loslassen eröffne neue Freiräume. Die Zusammenarbeit mit anderen Büros in Arbeitsgemeinschaften führe zu neuen Perspektiven. Und statt im Neubau arbeite man inzwischen fast ausschließlich mit dem Bestand: „Es bereit uns große Freude, die Komplexität der vorhandenen Häuser zu entdecken und verstehen“, so Naumann. 

    Gemeinsam Verantwortung übernehmen
    Holl unternahm den Versuch, Berührungspunkte der Büros herauszuarbeiten: Beide setzen auf Dialog, Kooperation und hinterfragen bewusst gewohnte Muster.  Und beide Architektinnen betonten die Bedeutung der Auftraggeberschaft: „Ein Projekt ist nur so gut, wie alle Beteiligten“, so Julia Naumann. Dagmar Pelger ergänzte: „Für gute Planung benötigt man Bedingungen, unter denen man glaubt, sinnvoll arbeiten zu können, und dafür muss man sich eine Auftraggeberschaft suchen, mit der das geht.“ Anspruch geht vor monetärem Erfolg. 

    29.07.2026

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