Workshops
Wir wollen mit Selbstverständnis planen – aber trägt dieses Selbstverständnis noch?
Klimawandel, Ressourcenknappheit, soziale Ungleichheit und geopolitische Verschiebungen fordern uns heraus. Eins ist sicher: Planung ist im Umbruch.
Raum- und Stadtplanung, Landschaftsplanung und -architektur, Architektur, Innenarchitektur und angrenzende Fachrichtungen stehen vor der Frage, welche Rollen wir künftig einnehmen wollen – und einnehmen müssen.
Reicht eine reine Dienstleistungslogik aus oder braucht Planung heute eine klarere gesellschaftliche und politische Haltung? Welche Verantwortung tragen wir für Infrastruktur, Gemeinwohl und demokratische Prozesse? Wer wird in Planungsprozessen mitgedacht – und wessen Perspektiven bleiben häufig unsichtbar?
Wie unterschiedlich erleben Menschen Stadt, Öffentlichkeit und Raum?
Und wie verändern sich professionelle Identitäten unter Transformationsdruck und multiplen Krisen?
Im Zentrum des Workshops steht die kollektive Selbstverortung:
Wer ist Planung heute – und wer muss sie morgen sein, um handlungsfähig zu bleiben und gesellschaftliche Wirkung zu entfalten?
Kurator:innen: Jakob Endemann und Mirijam Schnapper
Digitale Transformation kritisch gestalten
KI, BIM und digitale Werkzeuge sind längst im Planungsalltag angekommen. Doch wie viele von uns haben den Umgang damit tatsächlich im Studium gelernt? Warum arbeiten manche Büros bereits mit digitalen Modellen, Automatisierung und KI, während andernorts weiterhin 2D-Pläne, DWGs und eingespielte Routinen den Alltag bestimmen? Die technologischen Möglichkeiten wachsen rasant – Wissen, Ausbildung und Praxis entwickeln sich oft unterschiedlich schnell. Viele Planer:innen eignen sich digitale Kompetenzen selbst an: über Kolleg:innen, Tutorials, Softwareanbieter oder Learning by Doing. Gleichzeitig verändern sich Anforderungen, Berufsbilder und Arbeitsweisen grundlegend. Im Workshop diskutieren wir, welche Kompetenzen Planer:innen heute und morgen brauchen. Wer vermittelt sie? Wer trägt Verantwortung für digitale Bildung? Welche Rolle spielen BIM, KI und Daten in der Planungspraxis? Und wie können Hochschule, Weiterbildung und Büroalltag besser zusammenfinden?Gemeinsam wollen wir erkunden, wie digitale Transformation gelingen kann, ohne den Anschluss zwischen Technologie, Ausbildung und Praxis zu verlieren.
Kurator:innen: Fabian Dahinten und Pamela Buchwald
Wie wollen wir arbeiten? Faire Arbeitsbedingungen in der Planung sollten kein Luxus sein.
Gemeinsam möchten wir die materiellen und immateriellen Bedingungen planerischer Arbeit kritisch reflektieren. Für eine starke Zukunft der Planungsbranche ist die Priorisierung von körperlicher Gesundheit und mentaler Entlastung essenziell, ob als angestellte Mitarbeiter:in, Führungskraft oder wissenschaftlich arbeitende Person.
Im Fokus des Workshops stehen Themen wie Hierarchie und Kommunikation, Leistungsbereitschaft und Überstunden-Kultur, Bezahlung und Wertschätzung, sowie auch Honorarsysteme und Wettbewerbsstrukturen. Wie wollen wir miteinander arbeiten? Wie können Care-Arbeit und diverse Biografien in Team- und Projektstrukturen integriert werden? Was sind unsere Ansprüche an Lebens- und Arbeitsrealitäten und nach welchen Kriterien wollen wir bezahlt werden? Wie kann eine gemeinsame und faire Bearbeitung von Wettbewerben und Projekten aussehen und ist das in gängigen (Wettbewerbs-)Strukturen möglich?
Wir wollen erfahren, welche Handlungsspielräume die beteiligten Personengruppen haben und wie alle ihrer Verantwortung, aber auch den an sie gerichteten Erwartungen gerecht werden können. Es soll ein neues Verständnis davon entstehen, wie unsere berufliche Praxis organisiert werden kann, sodass Qualität, Fairness und gesellschaftliche Wirksamkeit zusammengeführt werden.
Kurator:innen: Amelie Gadow und Petra Knobloch
Arbeitsweisen, Rollenverteilungen und Entscheidungsstrukturen sind von patriarchalen Machtverhältnissen geprägt. Damit einher gehen Ungleichheiten, die sich sowohl im Berufsalltag als auch im Privatleben widerspiegeln. Auswirkungen sind unter anderem das Gender Pay Gap sowie Ungerechtigkeiten in Bezug auf die Sichtbarkeit von Leistung und den Zugang zu Verantwortung. Lasst uns diese Missstände nicht nur thematisieren, sondern sie strukturell aufbrechen und verändern. Wie können wir in der Planungsbranche faire(re) Strukturen schaffen? Welche Gewohnheiten müssen wir dringend hinterfragen oder aufgeben? Wie lässt sich die gläserne Decke durchbrechen? Und wie kann Intersektionalität endlich in die Praxis übersetzt werden?
Im Workshop möchten wir diese und weitere Fragen kollektiv diskutieren und gemeinsam laut werden. Dabei richten wir den Blick sowohl auf strukturelle Schieflagen in Arbeitskulturen, Führungsverständnissen und institutionellen Rahmenbedingungen als auch auf informelle Regeln und Routinen. Denn intersektionale Gleichstellung in der Planung sollte nicht als Zusatzthema behandelt werden, sondern als Voraussetzung für tragfähige Arbeitskulturen und langfristige Qualität.
Kurator:innen: Martina Amann und Marie Schwemin
Zielkonflikte verhandeln. Gesellschaftlichen Dialog gestalten. Resiliente Räume entwickeln.
Die Bauwende ist keine Frage fehlenden Wissens, sondern der konsequenten Umsetzung vorhandener Erkenntnisse. Klimaziele, Ressourcenknappheit und gesellschaftliche Anforderungen machen deutlich, dass der reflexhafte Neubau nicht länger der Standard sein kann. Im Mittelpunkt des Workshops steht die Frage, wie Umbau, Weiterbauen und Bestandserhalt zur selbstverständlichen Grundlage architektonischer Entscheidungen werden. Der Gebäudebestand wird dabei als wertvolle ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Ressource verstanden. Vorhandene Strukturen, gebundene Materialien, graue Energie und gewachsene Identitäten bilden den Ausgangspunkt zukunftsfähiger Entwicklung. Diskutiert werden Zielkonflikte zwischen Klimaschutz, Nutzung, Wirtschaftlichkeit und politischen Entscheidungsprozessen. Gleichzeitig wird beleuchtet, wie sich das Berufsbild verändert: Architekt:innen werden zunehmend zu Moderator, Prozessgestalter und Vermittler zwischen Fachwissen, Gesellschaft und gebauter Realität. Der Workshop richtet sich an Nachwuchsarchitekt, die die Transformation des Bauens aktiv mitgestalten wollen.
Kurator:innen: Edda Kurz und Florian Schönauer
Wie Inter- und Transdisziplinarität aus Fachwissen gemeinsame Praxis macht
Inter- und Transdisziplinarität werden in Architektur und Planung oft als Zukunftskompetenzen benannt. Im Alltag zeigt sich schnell, wo Zusammenarbeit trägt und wo sie an Fach-Egos, Zuständigkeiten oder fehlenden Kommunikationswegen scheitert. Wir fragen ehrlich: Wie viel Inter- und Transdisziplinarität braucht die Gestaltung unserer gebauten Umwelt – und wo stößt sie an Grenzen? Welche Zusammenarbeit müsste längst selbstverständlich sein, auch wenn sie unbequem ist? Ausgangspunkt dafür ist die These: Interdisziplinäres Arbeiten innerhalb der Planungswelt ist Voraussetzung für transdisziplinäre Planung. Erst wenn Planungsdisziplinen ihre Logiken übersetzen und gemeinsame Arbeitsstrukturen entwickeln, können sie glaubwürdig mit Verwaltung, Politik, Initiativen, Nutzer*innen und lokalem Wissen zusammenarbeiten. Im Workshop geht es daher um strukturelle Hebel: Welche Schnittstellen braucht es früher? Welche Formate ermöglichen echte Zusammenarbeit? Welche gemeinsamen Ressourcen braucht die Planungswelt, damit Wissen und Kontakte nicht immer wieder neu gesucht werden müssen? Wir wollen Perspektiven für eine kooperativere Planungspraxis entwerfen!
Kurator:innen: Sara Vian und Clara Zimmermann
Komplexere und größere Herausforderungen verändern die Fragestellungen, an denen Planende teilhaben. Nachhaltigkeit, Klimaanpassung und demographischer Wandel fordern neue Denkweisen. Polarisierung, gesellschaftliche Spaltung und neue Unsicherheiten werfen neu zu verhandelnde Fragen auf und verlangen Transformationen in der und durch die Planungspraxis. Doch welche Rolle spielt die Hochschulbildung im lebenslangen Lernprozess, wenn bestehende Lösungsansätze unzureichend auf die gegebenen Herausforderungen reagieren?
Welche Kompetenzen und Qualitäten befähigen Absolvierende dazu, langfristig zum Wandel beizutragen?
Welche Stellschrauben sind in der Entwicklung der Ausbildungspraxis besonders relevant, um ein reflexives, nachhaltiges und progressives Berufsethos zu etablieren?
Kurator:innen: Prof. Susanne Dürr und Felix Jahn
Alle müssen wohnen, der bezahlbare Wohnraum fehlt - eine der größten Herausforderungen unserer Zeit.
Der Workshop vermittelt Hintergründe, wie es so weit kommen konnte und blickt aus unterschiedlichen Perspektiven auf den Konflikt: auf der einen Seite des Diskurs steht Wohnen als soziale, emotionale Infrastruktur und Gemeingut auf der anderen Seite kostengünstige und modulare Typologien.
Wir befinden uns im Spannungsfeld zwischen Regulierung und Förderung, politischer Agenda wie "bauen bauen bauen" und Enteignung auf der Suche nach Lösungen innerhalb der planetaren Grenzen.
Aufstockung und Nachverdichtung schaffen zusätzliche Räume, Genossenschaften und Baugruppen erforschen neue Formen des Planens und Zusammenlebens. Worin sehen wir die Lösung dieser Krise? Was können Planende und Bauende beitragen? Es gilt, sich als Nachwuchs zu positionieren und Wege aus der Misere mitzugestalten.
Kurator:innen: Jule Seeger und Sven Várszegi
Beteiligung ist mehr als ein formaler Pflichtschritt – sie dient dazu, Akzeptanz, Transparenz und Nachvollziehbarkeit zu schaffen, lokales Wissen aufzunehmen und die Umsetzbarkeit vorzubereiten. Gleichzeitig zeigt die Praxis: In Planungsprozessen werden die Interessen der Zivilgesellschaft häufig zwischen Politik, Wirtschaft und Planenden zerrieben, weil Machtverhältnisse entscheiden. Wir fragen: Wie entsteht Verhandelbarkeit? Wer trägt Verantwortung für eine sozial gerechte Planung?
Kurator:innen: Alija Dolo Wernicke und Thomas Dang
Demokratische Kammer und die Rolle der Kammer in der Demokratie
Kammern müssen Orte echter Beteiligung und klarer Haltung sein. Ohne offene Strukturen verlieren sie an Relevanz – für den Nachwuchs wie für die Gesellschaft. Wie können wir Beteiligung, Zusammenarbeit und öffentliche Wirksamkeit so gestalten, dass sie allen zugutekommen? Denn unser Handeln als Planer:innen entscheidet über Räume und Teilhabe – und damit über Lebensqualität für die gesamte Gesellschaft. Wie schaffen wir es, Politik und Gesellschaft hierfür zu sensibilisieren? Welche Formate und welche Haltung braucht es hierfür? Im Workshop geht es um Demokratie und Beteiligung, um Sichtbarkeit, Positionierung sowie Wirkung nach außen.
Kurator:innen: Dr. Felix Goldberg und Jana Krippleben