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    Studierendenwettbewerb „Mühlburger Feld“ Karlsruhe
    Anerkennung: Mühlburger Feld – Zwischen den Zeilen

    Anerkennung: Mühlburger Feld – Zwischen den Zeilen

    Laudatio der Jury:

    Mit überzeugender Klarheit und Leichtigkeit ordnet der Entwurf die vertikale und horizontale Erschließung neu und beeindruckt durch die Reorganisation barrierefreier, rollstuhlgerechter und weiterer Wohnungstypen mit funktionalen Mittelzonen. Die zentrale Anordnung von nur zwei neuen Aufzugs- und Erschließungstürmen ist besonders schlüssig. Versetzte Laubengänge und Balkonebenen bilden eine gut nachvollziehbare, skulpturale Gesamtstruktur. So entsteht eine effiziente und schlanke Lösung im Umgang mit Bestand und Ressourcen, die insgesamt einen wertvollen und inspirierenden Beitrag zum Wettbewerb leistet.

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    © Jakob Gaus, Tizian Landt
    © Jakob Gaus, Tizian Landt
    © Jakob Gaus, Tizian Landt
    © Jakob Gaus, Tizian Landt
    © Jakob Gaus, Tizian Landt

    Erläuterungstext

    MÜHLBURGER FELD - ZWISCHEN DEN ZEILEN

    Das Quartier Mühlburger Feld, ein charakteristischer Zeilenbau der Nachkriegszeit, verstehen wir als räumliche Ressource mit Zukunft. Unser Entwurf bewahrt die klare Identität der Zeilen und entwickelt sie durch gezielte Eingriffe weiter. Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung sind dabei untrennbar. Der respektvolle Umgang mit dem Bestand reduziert die Maßnahmen auf das Wesentliche, während Barrierefreiheit als selbstverständliches, durchgängiges Entwurfsprinzip mitgedacht wird.Die versetzten Zeilen im Süden stärken ihren Bezug zum Grün. Die Zwischenhöfe werden aktiviert und als gemeinschaftliche Freiräume neu belebt, als Orte der Begegnung und nachbarschaftlichen Identität.

    Städtebau und Außenraum
    Eine klare, schwellenlose Wegeführung ergänzt das bestehende Netz und führt direkt zu den neuen Erschließungskernen. Großzügige Rampen entlang der Gebäude bilden die selbstverständliche Haupterschließung. Menschen im Rollstuhl, Familien mit Kinderwagen, ältere Bewohner und Kinder nutzen denselben Weg. Die ehemals innenliegenden Treppenhäuser werden an die Fassade verlegt und um Aufzüge ergänzt. Jede Wohnung wird hier barrierefrei erreichbar. Das Nach-Außen-Stülpen der Treppenhäuser wird zum markanten visuellen, sowie räumlichen Signal. Als sichtbare Baukörper schaffen sie Orientierung und eindeutige Adressen, was besonders Menschen mit Sehbeeinträchtigung oder Demenz Sicherheit gibt. Ehemalige Nebengebäude weichen niveaugleichen Quartiersplätzen mit differenzierten Sitzmöglichkeiten und verschatteten Bereichen. Begegnung, Spiel und Aufenthalt werden für alle Generationen möglich, während entsiegelte Flächen das Mikroklima verbessern.

    Architektur aus dem Bestand
    Die alten Treppenhäuser werden zu Wohnraum transformiert. Vertikale Lufträume bringen Tageslicht tief ins Gebäude und in die Laubengänge und stärken die Orientierung. Bestehende Balkone werden zu großzügigen Eingangsnischen mit ausreichenden Bewegungsflächen umgebaut. Ein neuer zweiseitiger Laubengang verbindet barrierefreie Erschließung mit erweitertem Wohnraum im Freien. Tragende Strukturen bleiben erhalten, bestehende Öffnungen werden aufgenommen und zu großzügigen, bodentiefen Fenstern erweitert. So verbinden sich ressourcenschonendes Bauen und zeitgemäße Wohnqualität.

    Weil wir alt werden_Wohnungsprinzipien
    Die Diversifizierung der Wohnungstypen ermöglichen Umzüge innerhalb des Hauses. Aus ursprünglich 2 wurden ganze 33 Wohnungstypen kreiert; 2- bis 5-Zimmerwohnungen in barrierefreien und rollstuhlgerechten Ausführungen. So bleiben Nachbarschaften erhalten. Klare Grundrisse, kurze Wege und großzügige Bewegungsflächen unterstützen ältere Menschen, Menschen mit motorischen Einschränkungen und Demenzerkrankte in ihrer Selbstständigkeit. Gezielte Durchbrüche schaffen Durchblicke und Großzügigkeit statt Beengtheit. Eine flexible Mittelzone entwickelt aus den ehemaligen Fluren erlaubt Anpassung an verschiedene Lebensphasen. Außerdem trennt sie private Wohnbereiche ab. Bodentiefe Fenster stärken Licht, Orientierung und Außenraumbezug für Menschen mit sensorischen Einschränkungen ebenso wie für Familien und junge Bewohner. Gemeinschaftliche Wohnformen beleben die Erschließungskerne und fördern generationenübergreifenden Austausch. Das Quartier bleibt wandelbar und vielfältig. Sämtliche Details sind darauf ausgerichtet

    Damit wir jung bleiben_Konstruktion und Details
    Der neue Laubengang wird als abgehängte Konstruktion aus vorgefertigten Stahlbeton-Elementen gebildet. Durch das Abhängen wird die Fundamentierung im Erdreich stark reduziert. Die auf der Aufstockung aufliegenden Stahlbetonträger leiten die Lasten von den Zugseilen in die bestehenden tragenden Wände ab. Durch Bestrahlung der Betonfertigteile wird ein Leitsystem mit Leitlinien und Leitkreisen integriert - vom Aufzug bis vor die Wohnungstür. Zusätzlich verläuft am äußeren Rand des Laubengangs eine Stahlaufkantung mit farblicher Abhebung. Sie bietet Sicherheit an den Rand der Laubengänge zu treten und die Aussicht zu genießen. Besonders tiefe Brüstungen zum Auflehnen bestärken das Gefühl der Sicherheit und sind Teil des abgehängten Systems. Vertikal- und Queraussteifung treffen in Kreuzen als Knotenpunkt zusammen. Diese sind an Träger gekoppelt, die in Bestandswände zurückverankert werden und anfallende Drehmomente abfangen.

    Kontrastreiche Elemente bei Türen, Fenstern und Möbeln; Brailleschrift in der Erschließung und Eingängen; blendfreies Licht durch Absturzsicherung aus Maschendraht. So ermöglichen wir jeder Person selbstständige Orientierung. Klare Materialwechsel von Innen nach Außen machen Räume visuell und haptisch lesbar. Schiebefalttüren werden zum durchgehenden Gestaltungsprinzip. Es finden sich schwellenlose Übergänge an allen Fensteröffnungen, hin zu den Laubengängen, die mehr Bezug zum bestehenden Grün erlauben. Betonte Materialitätswechsel von Außenbereich, Innenraum und funktionaler Mittelzone. Alle Gestaltungsentscheidungen sind so aufeinander abgestimmt, dass jede Altersklasse davon profitiert und alle Menschen gemeinsam mit dem Gebäude mitwachsen. Zwischen den Zeilen entsteht ein Quartier, in dem jede architektonische Entscheidung Barrierefreiheit mitdenkt. Inklusion wird nicht ergänzt, sondern gebaut.
     
    Jakob Gaus und Tizian Landt

    12.05.2026

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