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    Studierendenwettbewerb „Mühlburger Feld“ Karlsruhe
    Auszeichnung: Nachbarschaft im Doppelpack

    Auszeichnung: Nachbarschaft im Doppelpack

    Laudatio der Jury:

    Die Stärke des Entwurfs besticht durch seine Einfachheit. Die Verfasserinnen haben mit präzisen Eingriffen in den Bestand die Zeilenbauten neu erschlossen und zueinander orientiert. Es entstehen klare Räume für Rückzug und Räume für Begegnung, die vielfältiges, inklusives Leben fördern. Der neue Hochpunkt des Quartiers soll Wohnungsnot lindern, wirkt an dieser Stelle des Quartiers jedoch überdimensioniert. Dennoch haben die Qualität und Variabilität der Grundrisse, die Verbindung von Architektur, Freiraum und sozialer Vielfalt die Jury ebenso überzeugt wie die selbstverständliche Integration von Barrierefreiheit und Klimaanpassung.
    Eine kluge, sensible und zukunftsweisende Arbeit.

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    © Florina Althaus, Leandra Sinn
    © Florina Althaus, Leandra Sinn
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    Erläuterungstext

    NACHBARSCHAFT IM DOPPELPACK: INKLUSIV GEDACHT – DER UMBAU BEGINNT IM KOPF

    Die bestehende Zeilenbausiedlung im Mühlburger Feld wird als räumliche und strukturelle Ressource begriffen und wird zu einem zukunftsfähigen Nachbarschaftsquartier weiter entwickelt. Ziel ist es, die charakteristische Zeilenstruktur zu erhalten, ihren städtebaulichen Charakter zu bewahren und durch gezielte Eingriffe neu lesbar zu machen. Aus einem anonymen Nebeneinander soll ein Quartier entstehen, das Gemeinschaft ermöglicht, ohne Individualität und Rückzug zu verdrängen. Die bestehenden Zeilenbauten werden bewusst zueinander orientiert und zu Häuserpaaren zusammengeführt. So entstehen klar gefasste Nachbarschaftsräume mit adressbildenden Zwischenräumen, die Orientierung, soziale Präsenz und alltägliche Begegnungen fördern. Wo zuvor diffuse Grünflächen dominierten, entstehen räumliche Mitten, die das Quartier strukturieren und nachbarschaftliche Bezüge stärken.

    Die Erschließung wird als integraler Bestandteil des nachbarschaftlichen Lebens verstanden. Durchgesteckte und bindende Erschließungskerne mit Aufzügen gewährleisten Barrierefreiheit. Vorgelagerte Laubengänge erweitern die Wohnungen um eine zusätzliche Wohnschicht und fungieren als spontane Begegnungsräume. Sie ermöglichen zufällige Kontakte im Alltag und stärken die visuelle und soziale Beziehung zwischen Wohnung und Hofraum.

    Zwischen den Gebäuden entsteht ein differenziertes Freiraumsystem mit zwei klaren Qualitäten. Der Nachbarschaftshof bildet das aktive Zentrum der Häuserpaare. Hier bündeln sich Eingänge, Wege und gemeinschaftliche Nutzungen. Ein flexibel nutzbarer Pavillon fungiert als gemeinschaftliches Wohnzimmer der Nachbarschaft und bietet Raum für Treffen, Feste oder nachbarschaftliche Aktivitäten. Dem gegenüber steht der ruhige Regenerationshof als naturnah gestalteter
    Rückzugsraum. Durch dichten Baumbestand, zusätzliche Pflanzung und Biodiversität entsteht ein klimaresilienter Freiraum, der Verschattung, Durchlüftung und Erholung ermöglicht. Die klare Differenzierung zwischen aktiven und ruhigen Freiräumen schafft Orientierung und Wahlmöglichkeiten zwischen Gemeinschaft und Rückzug. 

    Das Wohnungsangebot folgt dem Prinzip „Wohnraum für Vielfalt“. Unterschiedliche Wohnungsgrößen von ein bis fünf Zimmern ermöglichen vielfältige Lebensmodelle – von Einzelhaushalten über Familien bis hin zu gemeinschaftlichen Wohnformen. Barrierefreie und rollstuhlgerechte Wohnungen finden sich in den Regelgeschossen im ersten bis dritten Geschoss und sind so konzipiert, dass sie sich flexibel an veränderte Bedürfnisse anpassen lassen. Ergänzt wird das Angebot durch Atelier- und Maisonettewohnungen in den untersten und obersten Geschossen, die Raum für Arbeiten, Familienleben und flexible Nutzungen bieten. Die bewusste Durchmischung der Wohnungstypen innerhalb der Gebäude fördert ein selbstverständliches Miteinander unterschiedlicher Bewohner:innen und stärkt die soziale Vielfalt im Quartier.

    Ein Hochpunkt an der Weinbrennerstraße ergänzt das Quartier als städtebaulicher Akzent und reagiert auf den wachsenden Bedarf an Wohnraum. Er schafft zusätzliche barrierefreie Wohnungen, bietet dem bisherigen Kinderhort ein neues Zuhause und übernimmt eine orientierende sowie identitätsstiftende Funktion. In seiner Maßstäblichkeit greift er die Hochpunkte am Quartierseingang Entenfang auf und führt diese abgestuft ins Innere des Quartiers weiter. Ein vorgelagerter Quartiersplatz öffnet das Nachbarschaftsquartier zur Stadt und stärkt seine öffentliche Präsenz als Begegnungs- und Veranstaltungsort. Er bietet Raum für Feste, Märkte, Flohmärkte und gemeinschaftliche Aktivitäten und wird zum lebendigen Treffpunkt für Bewohner:innen und Besucher:innen.

    Insgesamt entsteht ein inklusives, klimaangepasstes Nachbarschaftsquartier, das aus dem Nebeneinander ein räumlich erfahrbares Miteinander entwickelt. Gemeinschaft wird nicht verordnet, sondern durch gut gestaltete, alltagstaugliche Räume ermöglicht. Inklusion wird nicht als Gleichmacherei verstanden, sondern als räumlich organisierte Wahlfreiheit zwischen Nähe und Distanz, zwischen Aktivität und Ruhe, zwischen Gemeinschaft und Rückzug. Das Mühlburger Feld
    wird so zu einem Quartier, das Vielfalt zulässt, Zugehörigkeit fördert und langfristig zukunftsfähig bleibt.

    Florina Althaus und Leandra Sinn

    12.05.2026

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