Erweiterung Landratsamt in Holz-Beton-Hybridbauweise
Rollinstraße 15
88400 Biberach an der Riß
GSR Architekten . ArGe Gurland Seher Rapp; Projektteam: Daniel Maier, Robin Merz, Manuel Paul | Gurland + Seher Architekten BDA, Biberach an der Riß | Rapp Architekten BDA, Ulm
Landkreis Biberach, vertreten durch Landrat Dr. Heiko Schmid; Landratsamt Biberach, Amt für Liegenschaften und Gebäude
2020
Städtebau
Der viergeschossige Neubau in Holz-Beton-Hybridbauweise ergänzt die vorhandenen Gebäude des Landratsamtes entlang der Rollinstraße. Gleichzeitig wird die Schrägstellung der benachbarten Baumassen übernommen. Somit vermittelt der Neubau zwischen diesen beiden Richtungen.
Das Parallelogramm verortet sowohl den realisierten Neubau als auch die spätere Erweiterung in den durch die beiden Richtungen geprägten räumlichen Kontext. Die Grundrissgeometrie ist aus dem Stadtgrundriss entwickelt. Das Gebäude beinhaltet im Erdgeschoss die Kfz-Zulassungsstelle, in den Obergeschossen das Verkehrsamt, das Gesundheitsamt und die IT-Abteilung des Landratsamtes.
Gestaltung
Der 4-geschossige Baukörper wird als öffentliches Gebäude und als Bestandteil des Landratsamts wahrgenommen. Das Erscheinungsbild setzt sich entsprechend der besonderen Nutzung von den bereits vorhandenen Büroneubauten im Umfeld ab. Hauptzugang und öffentliche Schalterhalle sind durch großflächige Verglasung von der Rollinstraße deutlich erkennbar und ermöglichen Kundennähe und Transparenz. Das Erdgeschoss mit der hohen Publikumsfrequenz der Kfz-Zulassungsstelle wird zum Charakteristikum des Gebäudes. Alle Obergeschosse sind ringartig um einen Innenhof orientiert und werden über diesen Hof zusätzlich belichtet.
Konstruktion
Der hölzerne Skelettbau aus Brettschichtholzstützen und -unterzügen wird von einer Massivholz-Betonverbunddecke überspannt, in welche deckengleiche Stahlbetonunterzüge an den Außenwandachsen integriert sind. Zwei gegenüberliegende, sich aus dem massiven Untergeschoss entwickelnde und brandschutztechnisch relevante Stahlbetonkerne stabilisieren das Skelett. Dünne nichttragende Brettsperrholz-Fassadenelemente umschließen das Bauwerk und nehmen die vorgehängte gedämmte Fassade auf. Die Fassade besteht aus Ton-Keramik-Platten. Die lebhafte Struktur wurde aus den Buchstaben LRA und BC im Barcode-System abgeleitet.
Energetisches Konzept
Die gesamte Gebäudehülle wurde in Passivbauweise erstellt. Die Heizung und Kühlung erfolgt mit Grundwasserwärmepumpen, unterstützt durch Photovoltaik und Wärmerückgewinnung im Serverraum. Die Verteilung in den Räumen erfolgt über Deckensegel unter der sichtbaren Holzdecke. Die Räume werden neben der natürlichen Fensterlüftung durch eine unterstützende mechanische Komfortlüftung belüftet.
Das Projekt wurde vom Land Baden-Württemberg und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung – EFRE 2014-2020 – als zukunftsweisendes Vorhaben im Holzbau gefördert. Das Projekt kam beim Deutschen Holzbaupreis 2021 in die „Engere Wahl“.
