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Foto: Dietmar Strauß
Westfalenstraße 5471640 Ludwigsburg-Oßweil
KontextEin über Jahrzehnte gewachsener Schulstandort im Ludwigsburger Stadtteil Oßweil soll entsprechend den aktuellen funktionalen, energetischen und bautechnischen Anforderungen neu organisiert werden. Anstatt den oftmals einfacher erscheinenden Weg des Abbruchs und kompletten Neubaus zu wählen, werden sowohl das identitätsstiftende Schulhaus der Jahrhundertwende, als auch der schlichte aber funktionale Nachkriegsbau aus den Fünfzigerjahren erhalten. Mithilfe eines neuen Verbindungsbaues entsteht eine neue Gesamtheit, die der Identität des gewachsenen Ortes genauso Rechnung trägt wie den Ansprüchen eines zeitgemäßen Schulbetriebs.
Städtebau und EntwurfsideeDas Schulhaus von 1905 und der funktionale Klassentrakt der 1950er-Jahre wurden nicht ersetzt, sondern sorgfältig saniert. Diese Entscheidung bewahrt die historische Identität des Ortes. Das für den Ort prägende Schulhaus aus dem Jahr 1905 behält seine Funktion als Auftakt und Kopfbau, der ursprüngliche ortsbildprägende Charakter seiner Außenerscheinung wird wiederhergestellt. Zwischen den beiden Altbauten erstreckt sich ein Neubau, der als neues Bindeglied zur räumlichen und funktionalen neuen Mitte der Schule wird. Mit seiner großmaßstäblichen zweigeschossigen Kolonnade übernimmt er außerdem die Funktion eines räumlichen Abschlusses des westlich angrenzenden großen Freiraums und bildet eine angemessene seitliche Fassung für den Blick Richtung altem Oßweiler Schloss im Norden des Areals.
Über eine neue Eingangssituation gelangt man in den längsorientierten Neubau. Dessen zweigeschossiger offener Erschließungsbereich dient als neuer zentraler Verteiler für alle drei Bauteile. Unmittelbar daran angeschlossen sind im Eingangsgeschoss des Neubaus ein großer Veranstaltungssaal der auch als Mensa genutzt wird, in der oberen Ebene der Ganztagesbereich, im Jahrhundertwendebau der Lehrer- und Verwaltungsbereich und im Fünfzigerjahre Bau die Klassentrakte.
Bauweise und EnergiekonzeptDie gewählten Konstruktionen und Materialien folgen der Zielsetzung robuste Oberflächen mit hoher Materialeigenwertigkeit und haptischer Erlebbarkeit zu kombinieren. Die im Passivhausstandard realisierte Neubaufassade wird geprägt von den sandgestrahlten Betonfertigteilen der Kolonnaden sowie einer präzise gefertigten Holzbekleidung. Im Gebäudeinnern dominieren brettgeschalter Sichtbeton, naturbelassene Massivholzoberflächen, Schwarzstahl und ein oberflächenfertiger Gussasphaltbelag. Der energetische Standard des Neubaus ist mittels kontrollierter Lüftung und den thermisch entkoppelten vorgesetzten Bauteilen in der Nähe des Passivhausstandards angesiedelt, die Sanierung des Fünfzigerjahre Baus, die im Rahmen des zweiten Bauabschnitts erfolgt, umfasst eine grundlegende energetische Optimierung der baujahrstypisch nicht mehr zeitgemäßen thermischen Hülle. Den wichtigsten Baustein des energetischen Gesamtkonzepts bildet jedoch die Entscheidung die zwei Altbauten mit der darin gebundenen grauen Energie nicht abzureißen, sondern zusammen mit dem neuen Bauteil als Gesamtsystem in die nächste Nutzungsperiode zu überführen. Der Erhalt der im Bestand gebundenen grauen Energie leistet einen zentralen Beitrag zur CO₂-Reduktion. In Kombination mit dem Neubau im Passivhausstandard entsteht ein Ensemble, das nicht nur gestalterisch, sondern auch in seiner Energiebilanz beispielhaft ist
Aktuelle Ergebnisse, die Prämierungen aus den letzten beiden Jahren sowie die ausgelobten Verfahren in diesem Jahr inklusive Tipps zur Teilnahme finden Sie hier.