Veranstaltungsort für Tagungen, Seminare, Produktpräsentationen oder Pressekonferenzen.
Informationen für private und gewerbliche Bauherrinnen und Bauherren, Städte und Kommunen.
Foto: Raissa Axmann
Fabrikstraße 5a77736 Zell am Harmersbach
Situation und Ort Verborgen im Randbereich der innerstädtischen Kernzone der Stadt, befindet sich der Alte Rundofen der Zeller Keramikfabrik, historische Marke einer früheren, bedeutenden industriellen Nutzung des Areals. Die städtebauliche Bestandssituation ist geprägt durch die Anordnung des Gebäudefragments am Fuße des hangseitigen, bewaldeten Stadtparks. Der Bestandsbaukörper weist eine deutliche Gewichtung der einzelnen Fassadenseiten auf, wobei die Orientierung der Hauptfassade zur Stadt gerichtet ist und die Haupterschließungsrichtung auf diese zuführt. Durch die städtebauliche Entwicklung wird das Gebäude von einer Wohnbebauung im Westen und dem städtischen Kultur- und Vereinshaus im Südosten umrahmt. Allgemeine Parkzonen für den Innenstadtbereich, sowie ein Kanal mit weiterem historischen Gebäudebestand spannen einen kleinen Vorplatz auf.
Idee und Konzept Um das Alleinstellungsmerkmal des markanten, historischen Baukörpers zu stärken, wurde die Erscheinung des Rundofengebäudes weitgehend in seiner Außenwirkung erhalten und als Solitär seiner musealen Konservierung mit neuer multifunktionaler Nutzung zugeführt. Die erforderliche Erweiterung wurde hierbei derart angeordnet, dass die vorhandene Gebäudeproportion, Materialität und Anordnung im städtischen Raum nicht wesentlich verändert wurden. Der Ort besitzt und stiftet seine starke Identität nachhaltig, ohne sich einem modischen Zeitgeist zu unterwerfen.
Die bauliche Erweiterung wird in Flucht des Baukörpers um eine Service- und Erschließungseinheit unter Beibehaltung des Gebäudeprofils verlängert. Dies wird durch die völlige Demontage der ostseitigen, vormals verputzen und nicht bauzeitlichen Giebelwand ermöglicht. Durch die Transparenz des neuen südlichen Fassadenbereichs der Erweiterung, erschließt sich das Gebäudeinnere dem Betrachte bereits bei erster Annäherung einem „Puppenhaus“ gleich. In der äußeren, als auch der inneren Erscheinung, wird Wert daraufgelegt, dass nicht durch ablenkende Details die Ausdruckskraft und Bedeutung des Rundofens geschmälert wird. Dieser soll, bislang im Verborgenen nahezu versteckt, nun als Herzstück des Ensembles inszeniert und als Hauptdarsteller aus den unterschiedlichsten Perspektiven neu erfahrbar gemacht werden.
Erschließung und RaumfolgeBeim Annähern an das Gebäude erfasst der Besucher den Rundofen bereits in seiner gesamten Gestalt, da die leicht einknickende Fassade in der Haupterschließungsachse gebäudehoch großzügig verglast wird. Hinter der Fassade spannt sich über dem Foyer ein großzügiger Luftraum über alle Ebenen auf. Durch die Kombination dieser beiden Elemente wird der Rundofen bereits in der Annäherung und beim Betreten des Gebäudes umfassend erfahrbar. Der Besucher betritt das Gebäudeinnere über eine stufenlos an den Vorplatz anschließende Zwischenebene. Hier befindet sich zur Rechten der Museumsempfang mit Information und der Fahrstuhl zur barrierefreien Erschließung. Zur linken führt eine kleinere Treppe in das Untergeschoss, in welchem die Basis des Rundofens erfahrbar wird und eine Dauerausstellung zur Keramikproduktion, sowie Nebenräume (Technik, Abstellmöglichkeiten sowie die WC-Anlage) im Bereich des unterkellerten Anbaus erreicht werden.
Eine breite, museale Differenztreppe erschließt vom Eingangsfoyer aus die erste Ebene des historischen Rundofengebäudes, wobei diese Ebene im Anbau weitergeführt wird. Auch aus dieser Perspektive lässt sich der Backsteinkorpus aufgrund der großzügigen Lufträume erfahren und aus einem neuen Blickwinkel erfassen. Dieses Konzept, den eigentlichen Rundofen als Hauptakteur in seiner schlichten und beeindruckenden Größe und Gestalt für sich wirken zu lassen und immer wieder neu zu inszenieren, setzt sich im weiteren Begehen des Museums fort.
Die Anordnung eines Erschließungskernes mit zweiläufiger Treppenanlage in der Erweiterung, erlaubt beim Umschreiten des Erschließungskernes überraschende Aus- und Einblicke. Der Blick auf den Rundofen wird zeitweilig bewusst unterbunden, um beim Wiederaustritt entlang des Luftraumes in der nächsten Geschossebene neu inszeniert zu werden. Somit bleibt ein und dasselbe Objekt im Zentrum der Wahrnehmung immer spannend und interessant. Der Besucher bewegt sich auf der neuen Ebene zum Rundofen hin, um- und beschreitet diesen, um sich sodann wieder über den Brückenschlag zurück zum Anbau zu bewegen und die Aufwärtsbewegung über den Erschließungskern erneut vorzunehmen. Dieses Spiel des „sich Näherns und Entfernens“ gepaart mit unterschiedlichen Blickwinkeln in Höhe und Weite machen den Rundofen zum eigentlichen „Star“ des Gebäudes. Im obersten Geschoss erfolgt eine Anbindung an das Niveau des Stadtparkt. Über eine breite Verglasung, welche hier einen Blick auf den Rundofen freigibt, erschließt sich eine Plattform, von welcher aus über eine flache neue Rampe, das Wegenetz des Stadtparks barrierefrei erschlossen werden kann. Im Außenraum wird der ruhende Verkehr zugunsten einer optimierten Vorplatzgestaltung etwas zurückgebaut und neu angeordnet.
Struktur und Material Die Materialwahl in Bestand und Erweiterung vermitteln in Ihrer Härte atmosphärisch subtil die frühere industrielle Bedeutung des Ortes. Im Bestand wurden die vorhandenen, baufälligen Zwischendecken durch neue, tragfähige und nachhaltige Betondecken mit Bauteilaktivierung ersetzt. Hierbei wird der archaische Charakter der Industriearchitektur aufgenommen und weiterinterpretiert, um die Atmosphäre und Ausstrahlung des Rundofens nicht zu schmälern. Die Außenwände, welche sich nach oben hin geschossweise verjüngen, werden durch eine innenseitig vorgesetzte, farblich den Ziegelwänden angepasste Dämmbetonschale ertüchtigt und energetisch aufgewertet.
Das statisch problematische Dachtragwerk wurde erneuert und in diesem Zuge um 1m angehoben. Die Nachhaltigkeit des Daches, die Lage der Fenster direkt unter der Traufe, der Schallschutz, die Nutzung des Dachgeschosses, sowie der Zugang zum Stadtpark werden hierbei optimiert. Im Dachraum wurde es möglich, die Untersicht durch diskrete Schallschutzmaßnahmen aufzuwerten. Die schlichte Gestaltung der Dachuntersicht überhöht die Wirkung des Rundofens in Materialität und Proportion.
Die Außenfassade des Anbaus und die dachanhebenden neuen Wandteile, sind von außen auch als solche „neu“ ablesbar. Dennoch ordnet sich der Sichtbetonanbau durch die Einfärbung in eine backsteinfarbene Schattierung dem Bestandsbau unter und erzeugt eine neue Homogenität, ohne sich als „fremd“ abzugrenzen. Der Dämmsichtbeton, als homogenes schichtloses und somit industriearchaisches Material, behält seine Färbung auch im Innenraum bei. Durch eine entsprechende Beleuchtung wird eine dem Thema „Rundofen“ passende Atmosphäre geschaffen- weit entfernt von klinisch weißer und beliebiger Museumsarchitektur. Das Gebäude leuchtet nun auch in den Abendstunden, bei Dämmerung und Dunkelheit von innen heraus verheißungsvoll, einladend und warm.
Energieeffizienz und NachhaltigkeitDas kompakte Gebäudevolumen und die massive Bauweise wirken sich insgesamt sehr günstig auf die Gesamtenergiebilanz aus. Der Einsatz von robusten und ökologischen Baustoffen garantiert eine lange Nutzungsdauer und geringe Betriebskosten. Die massiven Bauteile der Baukonstruktion sind thermisch träge und erlauben eine Temperierung über Bauteilaktivierung für ein behagliches Raumklima.
Aktuelle Ergebnisse, die Prämierungen aus den letzten beiden Jahren sowie die ausgelobten Verfahren in diesem Jahr inklusive Tipps zur Teilnahme finden Sie hier.