KIT Kindertagesstätte KinderUniversum
Karl-Wilhelm-Straße 1
76131 Karlsruhe
Bruno Fioretti Marquez Architekten, Berlin; Projektleitung: Judith Mampe, Simon Davis | Bauleitung: Stiess Windbiel Architekten GbR, Karlsruhe | Landschaftsarchitekten: capatti staubach Urbane Landschaften, Berlin
Land Baden-Württemberg, vertreten durch Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Karlsruhe
2013
Anlass
Die Errichtung einer Kindertagesstätte auf dem Campusgelände war ein dringliches Anliegen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und Teil der Exzellenzinitiative 2006. Mit dem KinderUniversum reagiert das KIT auf folgende Herausforderungen:
- Exzellente Wissenschaft und Familienplanung in Einklang bringen zu können
- Die Chancengleichheit durch die Einrichtung einer innovativen Kindertagesstätte sicherzustellen
- Qualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Universität zu halten und neue zu gewinnen
- Eine hohe Flexibilität in Bezug auf die Aufnahme von Kindern von Gastwissenschaftlern und Gastreferenten zu gewährleisten
- Zeitgemäße, ganzheitliche pädagogische Konzepte als Basis für eine nachhaltige Bildung zu entwickeln
- Die Betonung von Naturwissenschaft und Technik in der frühkindlichen Pädagogik
Standort
Auf dem Gelände, zu dem die Kindertagesstätte gehört, wurde 1907 das Pensionat für höhere Töchter errichtet. Bereits 1920 wurde das Gebäude in einer Kinderklinik umgebaut und in den sechziger Jahren durch ein Schwesternwohnheim ergänzt. Die beiden Bauwerke stehen heute unter Denkmalschutz.
Das gesamte Areal wird seit 2003 durch das KIT genutzt. Neben einem Studentenwohnheim sind dort derzeit Teile der Fakultät für Informatik, das Sprachzentrum und das internationale Studienbüro mit welcome office untergebracht.
Städtebau
Das Grundstück bildet den Übergang zwischen der Blockrandbebauung im Osten und dem Solitären-Ensemble der ehemaligen Kinderklinik. Der neue Baukörper, als einfacher und eigenständiger Quader konzipiert, fügt sich in die bestehende Blockrandbebauung und kann gleichzeitig als Solitär gelesen werden. Er fungiert städtebaulich als Scharnier zwischen zwei unterschiedlichen Stadtstrukturen. Ziel des Projekts ist es, die Nachteile aus der ungünstigen stadträumlichen Orientierung zu überwinden und ein Gebäude zu schaffen, das der Parkanlage einen wirksamen Schallschutz zur Straße bietet und sich gleichzeitig zur Sonne und zum Garten öffnet. Die schräge Dachführung des neuen Kindergartens vermittelt zwischen den unterschiedlichen Traufhöhen der anschließenden Bebauung. Die Erschließung erfolgt von Westen über das Campusgelände.
Architektur
Der neue Kindergarten präsentiert sich als massiver kompakter Baukörper in der Mitte des KIT Campus mit dem denkmalgeschützen ehemaligen Kinderkrankenhaus. Im Erdgeschoss befindet sich das Atrium – ein heller und großzügiger Gemeinschaftsraum, der flexible Nutzungsmöglichkeiten bietet.
In den beiden Obergeschossen ist der Kindergarten um einen zentralen Hof herum organisiert. Dieser vom Straßenraum geschützte Außenbereich lenkt das Licht tief in das Gebäude hinein. Jeder Gruppenbereich verfügt über ein "eigenes Haus" mit einer überdachten Spielterrasse. Die großflächigen Terrassen öffnen und rahmen den Blick vom Hof auf die Umgebung. So entsteht eine überschaubare und lichtdurchflutete Kinderwelt mit einer geschützten Beziehung zum Außenraum.
Im Detail stellt sich die innenräumliche Organisation wie folgt dar:
Das KinderUniversum ist eine Ganztagseinrichtung für Kinder von 0-6 Jahren (Kindergarten und Kinderkrippe), wobei der Schwerpunkt auf der Kleinkindbetreuung (0-3 Jahre) liegt, da in diesem Bereich der Bedarf am größten ist. Der Neubau beherbergt zwei Gruppen á 20 Kinder für Kinder zwischen 3-6 Jahren, sechs Gruppen á 10 Kinder für Kinder zwischen 0-3 Jahren sowie eine altersgemischte Gruppe für bis zu 15 Kinder.
Das Raumprogramm wird übersichtlich auf fünf Gebäudeebenen verteilt: Im Erdgeschoss befinden sich die Gemeinschaftsbereiche sowie zwei Gruppenräume für Kinder von 3 bis 6 Jahren. Die Kinderkrippe und eine Nacht- und Abendbetreuung für Notfälle sind in den Obergeschossen untergebracht. Jede Gruppe verfügt über eine überdachte Spielterrasse, ein "Zimmer im Freien", das durch die Dachterrasse ergänzt wird. Außerdem dienen umlaufende, großzügige Erschließungen mit ihren nischenartigen Aufweitungen als flexibel nutzbare Spielbereiche und bieten den Kindern die notwendigen Rückzugsräume.
Zusätzlich sind Sonderräume für Sport und Spiel, Verwaltungs- und Personalräume sowie die notwendigen Nebenräume und ein großes, zentrales Atrium mit Essbereich und Elterncafé entstanden. Das zentrale Atrium bietet flexible Nutzungsmöglichkeiten und öffnet sich über Terrassen zum umliegenden Garten. Dieser helle und großzügige Gemeinschaftsraum ist visuell mit dem tiefer liegenden, zweigeschossigen Sportraum verbunden und wird durch Oberlichter mit Tageslicht versorgt.
Die verschiedenen Gruppenräume und Personalbereiche sind als Blockeinheiten ausgebildet, die geschossweise rotierend um das Atrium und den darüber liegenden Innenhof organisiert sind. Die Rotation erzeugt eine Varianz innerhalb der programmatischen Wiederholung und ergibt eine unregelmäßige Anordnung der Loggien und Fenster in der Fassade. Die großflächigen Loggien öffnen und rahmen den Blick vom Hof auf die Umgebung und erzeugen eine vielschichtige Transparenz. Durch die Loggien und die großzügigen Außen- und Innenfenster wirkt das Gebäude im Inneren hell und luftig.
Konstruktion
Die massiven Sichtbeton-Außenwände sind aus hochdämmendem Leichtbeton mit innenliegender, mineralischer Dämmung realisiert, damit die massive Konstruktion innen und außen erlebbar wird. Die Außenfassaden sind geprägt durch die unregelmäßige Anordnung der großen Loggien und Fenster. Es finden nur wenige Materialien und zurückhaltende Farben Verwendung. Die Erschließungsbereiche sind als Sichtbeton belassen, die Gruppenräume, Personalbereiche und Bäder kontrastieren hingegen als weiche und dezent farbige Rückzugsorte. Die Holzfenster bestehen aus einer großen Festverglasung und einem Lüftungsflügel, der sich hinter einer schräg angeordneten Fensterlaibung aus Aluminiumlochblech verbirgt. Die Laibungsbekleidung bildet in ihrer Feinheit einen Kontrast zur rauen Betonfassade. Das Gebäude wurde als energetisches Modellprojekt im Rahmen der Exzellenzförderung des Bundes realisiert.
Außenanlage
Der Neubau der Kita rundet das bauliche Ensemble ab und bot zugleich den Anlass, die Außenanlage in seinem Umfeld zu erneuern.
Die Außenraumgestaltung erforderte einen präzisen und sensiblen Umgang mit denkmalgeschützten Gebäuden, Bauten aus den 1950er Jahren und dem neuen Kindergarten. Die Integration der unterschiedlichen Anforderungen eines Uni-Campus und eines Kindergartens in einem einheitlichen Gesamtbild stellte die spezifische Herausforderung des Entwurfs der Außenanlagen dar.
Das Freiraumkonzept basiert auf einem flexiblen Schollenprinzip. Das Grundmodul, die "Schollen", sind als Platz und Rasenplateaus formuliert. Ein leicht abgesenktes Grundniveau der Spielfläche des Kindergartens macht es möglich, die Grenzen zu einer spielerischen Barriere von innen und außen zu gestalten. Die Gestaltung konzentriert sich vornehmlich an den Rändern. Eine Spielwand aus Holz, eine magnetische und industriepolierte, edelstahlverkleidete Mauer und ein perforierter Heckenkörper, zeigen einen spielerischen Umgang mit dem Thema der Grenzen/Entgrenzung.
