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Foto: Johannes Vogt
Rosenfeldstraße 678727 Oberndorf
Die Wahrnehmung der Neuapostolischen Kirche in der Öffentlichkeit wird zu einem guten Teil durch ihre Bauten mitgeprägt. Die Kirchengebäude sollen einerseits eine hohe Identifikation für die Gemeindemitglieder darstellen, andererseits aber auch die Offenheit der Kirche manifestieren und als Sakralgebäude wahrgenommen werden. Die NAK strebt eine hochwertige, nachhaltige, aber angemessene Architektur an und möchte einen Beitrag zur Förderung der Baukultur leisten.
Die 1959 erbaute und 1977 durch einen Flachdachanbau ergänzte Neuapostolische Kirche in Oberndorf wies dahingehend einige funktionale, energetische und vor allem gestalterische Mängel auf: Es fehlte ein barrierefreier Zugang sowie Barrierefreiheit innerhalb des Gebäudes, ein zweiter Fluchtweg aus der Empore und dem Kirchensaal, sowie eine Flexibilität in der Nutzung des Hauptgeschosses (EG) neben der Funktion des Gottesdienstes. Weiterhin sollte das Gebäude energetisch und baukonstruktiv ertüchtigt werden.
Das Leitmotiv der NAK, dass sich das Sakralgebäude nach außen hin als solches erkennbar und offen gestaltet, konnte der Bestand nicht leisten. Die Anordnung in zweiter Reihe hinter dem städtischen Parkplatz und die verwinkelte, nicht barrierefreie Zu- und Eingangssituation auf das ein Meter erhöhte Hauptgeschoss wirkten alles andere als einladend.
Im Zuge der Umbaumaßnahmen lag hier das gestalterische Augenmerk, ein sakrales und einladendes Gebäude zu gestalten. Nachdem ursprünglich ein Komplettabbruch mit Neubau von Bauherrschaftsseite geprüft wurde, konnte das Entwurfskonzept eines Umbaus und der Sanierung des Bestands trotz der beschränkten Grundstücksfläche letztendlich überzeugen.
Die ostseitige Hälfte des Grundstücks wird durch einen bewachsenen Steilhang eingenommen. Die ca. 1,80 m vor dem Gebäude verlaufende Stützwand zum Hang wies Risse auf und drückte durch eine konstruktive Verbindung mit der Bodenplatte des Kirchensaals auf das Gebäude. Die Sanierung der Stützwand stellte eine erste Maßnahme dar. Westseitig verläuft die Grundstücksgrenze leicht schräg direkt auf die südliche Gebäudeecke. Im Zuge der zusätzlichen Dämmung der Außenwände musste die Grenze bereits überschritten werden. Nordseitig zum Nachbar und südseitig zum Friedhof gibt es schmale Grundstücksrestflächen, die als einzige Anbaumöglichkeit für Fluchttreppe und barrierefreier Rampe zur Verfügung standen. Der Entwurfsgedanke war, die Attika des Flachdachanbaus so zu einem Pultdach anzuheben, dass einerseits ein gestalterischer sakraler Hochpunkt entsteht, der andererseits auch funktional die notwendige Fluchttreppe aus dem Emporengeschoss mit umhaust, ohne dass diese zu sehr in Erscheinung zu tritt. An die neue Fluchttreppe schließt sich ostseitig die barrierefreie Rampenanlage an, die seitlich direkt in die neuen Zugangsnische mündet. Diese nach Westen hin offene und geschützte Eingangsnische ist nun von der entfernten Rosenfelder Straße weithin sichtbar und einladend. Die vorhandenen Einzelfenster rechts daneben werden zu einem großen transparenten Schaufenster zusammengefasst, das nun nicht nur Einblicke ins Gebäude, sondern auch Ausblicke in Form einer Sitzbanknische ermöglicht. Der Treppenturm wird mit einem Messinggewebe umhüllt, das einerseits den Treppenlauf ausreichend belichtet, nach außen aber homogen geschlossen wirkt. Zusammen mit dem Schriftzug mit NAK-Emblem aus Messing und den messingfarben eloxierten Fensterrahmen bekommt der einfache beigefarbene Reibeputz eine besondere Wertigkeit.
Die im Bestand erdgeschossig angeordneten WCs werden ins UG, die Sakristei zum Kirchensaal verlegt und im Zuge der Einbaumöbel ein barrierefreies WC im Foyer ergänzt und zwei zusammenschaltbare Mehrzweckräume auf der Hauptnutzebene eingebaut. Diese haben faltbare Wände, so dass sie im geöffneten Zustand zusammen mit dem Foyer eine große Nutzfläche für Festlichkeiten bilden. Eine neue Terrasse zur Südseite bietet nun zusätzlich auch eine Freiflächennutzung bei festlichen Empfängen innerhalb der Gemeinde.
Das schon einmal verstärkte vorhandene Satteldach der Kirche aus einfachen Nagelplattenbindern konnte nicht mit zusätzlicher Dämmung + Schneelast belastet werden. Zugunsten der gestalterischen Wirksamkeit des neuen Pultdachanbaus wurde das Kirchensaaldach zum Flachdach mit Brettschichtholzbindern umgebaut. Flächenbündige Einbaulichtbänder verdichten sich innerhalb der abgehängten Holzlamellen-Akustikdecke vor dem Kreuz im Altarraum.
Das gleiche Messinggewebe der Fluchttreppe wurde außen flächenbündig vor den vertikalen Fensterbändern im Kirchensaal eingebaut. Sie filtern das Licht von außen, ersetzen den Sonnen- und Blendschutz und ermöglichen gleichzeitig einen kontemplativen Innenraum bei hohem Lichteinfall.
Im Innenraum überwiegen helle Farbtöne mit Eichenholz und einige wenige Akzente aus Messing. Die Einbaumöbel, wie größtenteils auch losen Möbel wurden als Schreinerarbeiten mit geplant und ausgeführt.
Die Ölheizung im Bestand wurde gegen eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit neuer Fußbodenheizung ersetzt. Das Gebäude wird ausschließlich natürlich belüftet. Eine gezielte Anordnung von Öffnungsflügeln ermöglicht eine einfache manuelle Nachtauskühlung.
Aktuelle Ergebnisse, die Prämierungen aus den letzten beiden Jahren sowie die ausgelobten Verfahren in diesem Jahr inklusive Tipps zur Teilnahme finden Sie hier.