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Foto: Gerd Juetten
Wilhelmstraße 13-1572074 Tübingen
Die Mensa Wilhelmstraße, 1966 von Paul Baumgarten fertiggestellt, ist für die Universität Tübingen mehr als nur ein Ort der studentischer Essensverpflegung. Sie ist als denkmalgeschütztes Ensemble der identitätsstiftende Treffpunkt für die Universität im Talcampus. Nach jahrzehntelanger Nutzung war eine umfassende Sanierung und Erweiterung erforderlich, um das Gebäude an die hohen Anforderungen eines modernen Mensabetriebs anzupassen.
Ein Ort des Miteinanders Während den umfassenden Maßnahmen wurden nicht nur die denkmalgeschützen Räumlichkeiten der Speisesäle und des Büropavillon kernsaniert, sondern auch ein neues Küchen- und Betriebsgebäude ergänzt. Die Mensa ist nun darauf ausgelegt, täglich rund 4.000 Essen auszugeben und bietet 900 Sitzplätze. Neben dem klassischen Mensabetrieb beherbergt das Erdgeschoss eine großzügige Cafeteria und neu geschaffene studentische Arbeitsplätze. Im Untergeschoss befinden sich Lagerflächen und Arbeitsräume für das Museum der Universität Tübingen (MUT).
Die Vollendung eines CampuskonzeptsDie Sanierung hat die ursprüngliche städtebauliche Planung respektiert. Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts war die Neugestaltung und Neuordnung der Freianlagen im näheren Umfeld. Der Höhenversatz im Vorbereich der Mensa wurde durch das Absenken eines Teils der Decke im Untergeschoss beseitigt. So entstand ein durchgängig nutzbarer Außenraum, der die Sigwartstraße mit dem zukünftigen Campus-Platz und dem Kupferbau barrierefrei mit der Universitätsbibliothek und der Wilhelmstraße verbindet. Die neu entstandenen großzügigen Außenflächen können für Gastronomie und Veranstaltungen genutzt werden.
Respekt vor dem Bestand, offen für NeuesDie schwebenden, pavillonartigen Speisesäle und der Büropavillon an der Wilhelmstraße stehen unter Denkmalschutz. Durch die enge Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege konnte die Originalsubstanz bestmöglich, auch in der Umgestaltung und Neukonzeption erhalten werden. Die Fassaden wurden originalgetreu saniert, wobei energetische Anpassungen wie der Einbau von Zweifachverglasungen vorgenommen wurden. Das neue Versorgungsgebäude entlang der Nauklerstraße präsentiert sich mit einer klaren, aber zurückhaltenden Gestaltung. Seine helle Klinkerfassade fügt sich harmonisch in die umgebende Bebauung ein.
Im Innenraum wurde großer Wert auf den Erhalt der bestehenden Bausubstanz gelegt. Typische Materialien der 1960er-Jahre wie Sichtbeton, Betonwerkstein, Parkett und Leichtbau-Unterdecken wurden, wo immer möglich, erhalten oder denkmalgerecht erneuert. Die historischen Leuchten wurden aufgearbeitet und mit moderner LED-Technik ausgestattet. Mängel des Bestandsgebäudes wurden durch eine gründliche Schadstoffsanierung beseitigt. Das prägende Wandkunstwerk von Dagmar Schöning im großen Speisesaal wurde restauriert. Neue Einbauten zeigen sich in klaren Farben, zeitgemäßen Materialien und Oberflächen. Sie stehen bewusst in gestalterischem Kontrast zur historischen Substanz und unterstreichen zugleich den respektvollen Umgang mit dem Bestand.
Moderne Lösungen für ein historisches GebäudeDie Mensa ist in Stahlbauweise errichtet. Durch eine Neubewertung des Brandschutzes und die Installation einer Sprinkleranlage konnte auf Brandschutzmaßnahmen am Stahlbau verzichtet werden. Das Versorgungsgebäude ist als konservativer Stahlbetonbau konzipiert, um die Anforderungen an den baulichen Brandschutz und die Erdbebensicherheit zu erfüllen.
Die technischen Bereiche der Küchen und Nebenräume sind im Untergeschoss sowie in einer großen Technikzentrale im zweiten Obergeschoss untergebracht. Die Wärmeversorgung der Mensa erfolgt klimafreundlich über das städtische Fernwärmenetz. Ein Teil des benötigten Stroms wird direkt vor Ort über eine Photovoltaikanlage erzeugt. Eine Regenwassernutzungsanlage und eine adiabate Kühlung tragen zur Optimierung des Gebäudebetriebs bei.
Zugänglichkeit für alleDie Anpassung der Mensa erfolgte in enger Abstimmung mit den Gleichstellungsbeauftragten der Universität Tübingen. Alle Geschosse sind mittels Personenaufzug erreichbar. Neben den barrierefreien Sanitärräumen sind die öffentlichen Sanitärräume mit Wickelmöglichkeiten ausgestattet. Durch die Umgestaltung der Freianlagen und die niveaugleiche Anpassung der Vorbereiche um die Mensa ist nun ein barrierefreier Zugang zu allen Gebäudebereichen möglich.
Bewahren und ErneuernDie Sanierung der Mensa Wilhelmstraße ist ein gelungenes Beispiel für die Verbindung von Denkmalschutz und zeitgemäßer Funktionalität mit dem Ziel, die prägenden öffentlichen Bauten der Nachkriegsmoderne zu erhalten. Dank der umfassenden Sanierung der Haus- und Küchentechnik und der Errichtung eines neuen Versorgungsgebäudes konnte das Angebot des Studierendenwerks erweitert werden. Die Innenräume wurden zeitgemäß ergänzt, wodurch Räume für Lernen, Aufenthalte und Begegnungen geschaffen wurden. Der Geist der 1960er Jahre wurde bewahrt. Die Mensa ist ein lebendiger und zukunftsfähiger Ort der Begegnung und des Lernens im Herzen des Tübinger Tal-Campus.
Weitere Planungsbeteiligte Bestand: Paul Baumgarten, Architekt (1900-1984) und Kunst am Bau: Dagmar SchöningSzenografie/Innenraumgestaltung: polyform, planen und gestalten, Berlin
Aktuelle Ergebnisse, die Prämierungen aus den letzten beiden Jahren sowie die ausgelobten Verfahren in diesem Jahr inklusive Tipps zur Teilnahme finden Sie hier.