Wohnhaus mit Atelier
Schrambergerstraße 10/1
78628 Rottweil
Mathias Aiple, Architekt, Rottweil
Franziska und Mathias Aiple, Rottweil
2025
Allgemein
Die Aufgabe bestand darin, eine innenstadtnahe Nachverdichtung auf einem steilen Restgrundstück innerhalb einer gründerzeitlichen Prachtstraße für eine junge Familie zu realisieren – unter besonderer Berücksichtigung des historischen Baumbestands.
Entwurf und Städtebau
Das Wohnhaus fügt sich mit seinen Proportionen, seiner Form und Gestaltung unaufgeregt in die bestehende gründerzeitliche Prachtstraße ein. Um den Grünraum durchfließen zu lassen und eine klare Adressbildung zu schaffen, positioniert sich das Gebäude folgerichtig zwischen seinen beiden Nachbarn. Die auf das Wesentliche reduzierte Giebelform bildet das dreigeschossige Gesicht
zur Schrambergerstraße.
Der eingeschossige Atelierbau ist rechtwinklig zum Wohnhaus angeordnet und rahmt gemeinsam mit dem vorderen Nachbargebäude einen dreiseitig gefassten Garten. Im Zentrum dieses Außenraums steht eine über 100-jährige Eiche. Durch die gewählte Gebäudestellung konnte der gesamte Baumbestand erhalten werden. Eiche, Hainbuche und Quitte schaffen in ihrem Zusammenspiel eine hohe Aufenthaltsqualität im Garten. Das Grundstück weist ein Höhenniveau von 13 Metern vom tiefsten bis zum höchsten Punkt auf. Die Baukörper sind in Ausrichtung und Höhe entsprechend dem Geländeverlauf gestaffelt.
Erschließung
Die Erschließung erfolgt über die Schrambergerstraße – über einen hangseitig angeordneten Carport, der mit seiner Überdachung den Auftakt zum Grundstück bildet. Die lineare Wegestruktur erinnert an die typischen „Staffeln“ der Umgebung und führt direkt zum Haupteingang. Über untergeordnete Gartenwege ist das Atelier separat erschlossen.
Innere Funktion
Die innere Erschließung ist funktional klar gegliedert und konsequent gestapelt. Die beiden Treppenläufe sind die einzigen Erschließungsflächen im Haus. Um die bebaute Fläche zwischen den beiden Bestandsbäumen möglichst gering zu halten, wurde eine kompakte Erschließung gewählt, die nahezu ohne Flurflächen auskommt.
Ein großzügiges Vestibül führt in das Wohnhaus. Im darüberliegenden Geschoss befindet sich der offene Wohnbereich – ein fließendes Raumkontinuum, das über Raumkörper und Wandscheiben in verschiedene Zonen gegliedert ist. Im zweiten Obergeschoss liegt der private Bereich: Den Schlafzimmern ist ein flexibler Multifunktionsbereich vorgelagert, der auf wechselnde Bedürfnisse der Kinder reagiert und leicht umgestaltet werden kann.
Gestaltung und Materialität
Die Hochlochziegel-Fassaden beider Gebäude sind mit einem grau-grün durchgefärbten Kratzputz mit leichtem Glimmereffekt ausgeführt. Dieser Putz überzeugt nicht nur durch seine Langlebigkeit, sondern auch durch eine präzise, monolithische Anmutung. Die Fenster sind als Holz-Aluminium-Konstruktion mit weiß lasierter Weißtanne und außenliegenden Aluprofilen im Farbton C32 gestaltet. Im Außenraum treten Materialien wie feuerverzinkter Stahl, Granit-Kopfsteinpflaster und Sichtbeton hinzu. Diese unterstützen die haptische Qualität der Fassade und sorgen für einen würdevollen Alterungsprozess. Der Innenraum ist bewusst reduziert gestaltet: Weiß lasierte Esche, heller Terrazzo und glatte, weiß getünchte Wände sorgen für eine ruhige, helle Atmosphäre.
Haustechnik
Das energetische Grundkonzept basiert auf einer Luft-Wasser-Wärmepumpe, die durch eine großzügig dimensionierte Photovoltaikanlage gespeist wird. Warmwasser und Fußbodenheizung werden somit energieeffizient erzeugt. Eine 12 m3 Regenwasserzisterne sorgt für eine ausreichende Menge an Nutzwasser für Garten und optional zur Grauwassernutzung im Haus.
Wirtschaftlichkeit / Energieeffizienz
Ein kompakter Baukörper mit günstigem A/V-Verhältnis (Oberfläche zu Volumen) bietet beste Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Bauweise bei gleichzeitig niedrigen Unterhaltskosten.
