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    Stuttgart – Die FÜNF Kammergruppen
    Konzertforum Neckarvorstadt auf dem Rilling-Areal: Die Zweifel bleiben

    Konzertforum Neckarvorstadt auf dem Rilling-Areal: Die Zweifel bleiben

    Eine Stellungnahme der FÜNF Stuttgarter Kammergruppen

    Am kommenden Donnerstag, den 06. Juni, soll der Gemeinderat in einem Grundsatzbeschluss den Bau eines Konzertforums befürworten und die Verwaltung beauftragen, die erforderlichen Verträge zu verhandeln.

    Dem Beschluss zugrunde liegt der Vorschlag der TRIAS Immobilien GmbH & Co. KG zur Entwicklung ihres eigenen Grundstücks, dem ehemaligen Rilling-Areal in der Cannstatter Neckarvorstadt. Auch wenn mit dem geplanten Gemeinderatsbeschluss noch kein endgültiger Zuschlag für das Projekt verbunden ist, halten die FÜNF Stuttgarter Kammergruppen ihn zum jetzigen Zeitpunkt für voreilig.

    Die Fragen, die wir in unserer Stellungnahme vom 02. Januar 2024 aufgeworfen haben, sind noch nicht beantwortet. Die Konkretisierung der Machbarkeitsstudie und deren ungewöhnlich negative Beurteilung durch die sachkundigen Mitglieder im Städtebauausschuss am 07. Mai haben unsere Zweifel an der Verträglichkeit des Projektes für die Neckarvorstadt verstärkt.

    Unsere Kritikpunkte im Einzelnen:

    1. Die Realisierung des Konzertforums würde Mittel binden, die für andere Kulturprojekte nicht mehr zur Verfügung stünden. Unter Anderem würde sie das Aus für eine hochkarätige Konzerthalle im neuen Stadtteil Rosenstein bedeuten. Die damit verbundenen Chancen für die Entwicklung des Stadtteils und seine Wahrnehmung in der Stadt gingen unwiederbringlich verloren. Vor einer so weitreichenden Investitionsentscheidung muss ein Gesamtkonzept für die Entwicklung der Kultureinrichtungen in Stuttgart vorgelegt und auf breiter gesellschaftlicher Basis diskutiert werden.
    2. Das Rilling-Areal liegt in zentraler Stelle eines Sanierungsgebietes mit erheblichen städtebaulichen und sozialen Missständen. Insbesondere fehlt es an zeitgemäßem Wohnraum, Kitaplätzen, Nahversorgungseinrichtungen und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum. Die Nachnutzung der Sektkellerei wird in der vom Gemeinderat erst am 06. Juli 2023 beschlossenen Sanierungssatzung als Chance gesehen, die Neckarvorstadt mit einem vielfältigen Nutzungsgemisch aufzuwerten, ohne die kleinteilige Bebauungsstruktur und die denkmalgeschützte, ortsbildprägende Bausubstanz zu verlieren. Das Projekt Konzertforum widerspricht den Sanierungszielen in vielen Punkten.
    3. In der vorliegenden Machbarkeitsstudie ist die städtebauliche Einbindung des Konzertsaales für nunmehr 1.100 Besucher nicht gelöst, der räumliche, soziale und funktionale Bezug der Maßnahmen zum Stadtteil ist gering, es gibt keine bessere Erreichbarkeit und spürbare Aufwertung des Neckarufers. Völlig ungeklärt ist die Verkehrsproblematik: Beispielsweise würden Besucher klassischer Konzerte vermutlich nach Parkmöglichkeiten in der direkten Umgebung suchen und damit die Neckarvorstadt zusätzlich belasten.
    4. Äußerst problematisch ist die Kostenentwicklung: Bei der Vorstellung im Dezember 2023 wurden die Kosten des Konzertforums mit 80 Mio. € angegeben. Davon sollten ca. 25 Mio. „über private Fördergelder“ finanziert werden. Inzwischen liegen die Investitionskosten für den öffentlichen Teil laut TRIAS GmbH bei 98,7 Mio. € netto. Einschließlich Mehrwertsteuer und Grunderwerbssteuer sind das ca. 120 Mio. €. Darin sind noch keine Zuschläge durch Baupreissteigerungen bis zur Fertigstellung enthalten. Als private Spenden werden 7 – 10 Mio. € in Aussicht gestellt, weitere 15 Mio. sollen als „öffentliche Drittmittel“ von Bund und Land fließen. Gegenüber den ersten Aussagen hat sich die Summe der öffentlich finanzierten Investitionskosten damit mehr als verdoppelt!
    5. Um dem öffentlichen Vergaberecht zu genügen, soll ein „Interessebekundungsverfahren“ durchgeführt werden, bei dem weiteren privaten Grundstückseigentümern Gelegenheit gegeben wird, der Stadt die Entwicklung eines Konzertforums auf ihrem Grundstück anzubieten. Käme es tatsächlich zu einem solchen Vorgehen, würde die Entscheidung über einen zentralen Kulturstandort der Stadt von der zufälligen Verfügbarkeit privater Grundstücke und den Renditeerwartungen einiger Investoren abhängig gemacht.
    6. Bei einer öffentlichen Investition dieser Größenordnung sollte äußerste Transparenz aller Entscheidungen selbstverständlich sein. Das vorgesehene Verfahren würde aber wirtschaftliche Gesichtspunkte mit Fragen der Stadtentwicklung, der Funktionsfähigkeit und der Gestaltqualität so vermengen, dass weder eine qualifizierte Vergabeentscheidung möglich wäre noch eine transparente Kontrolle von Kalkulation und Kostenentwicklung während der Realisierung. Wir empfehlen daher dringend, den Grunderwerb von Planung und Herstellung der Immobilie zu trennen.  
    7. Falls das Konzertforum auf dem Rilling-Areal trotz aller Bedenken realisiert werden sollte, würde das von der TRIAS GmbH vorgeschlagene Werkstattverfahren mit zwei bis drei Planer-Teams nicht ausreichen. Komplexität und Schwierigkeit der Aufgabe erfordern ein zweistufiges Wettbewerbsverfahren, in dem zunächst die grundsätzlichen städtebaulichen und funktionalen Möglichkeiten an Hand von vielen unterschiedlichen Entwurfsvorschlägen untersucht werden. Größte Bedeutung käme dabei der sozialräumlichen Einbindung der Maßnahmen in die Neckarvorstadt zu.

    Thomas Herrmann
    Sprecher der FÜNF Stuttgarter Kammergruppen
    Im Vorstand der Architektenkammer Baden-Württemberg

    14.11.2024

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