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    Studierendenwettbewerb „Mühlburger Feld“ Karlsruhe
    Anerkennung: Erdgeschoss als Schlüssel

    Anerkennung: Erdgeschoss als Schlüssel

    Laudatio der Jury:

    Der Entwurf folgt einem klaren Ansatz: viel Wirkung mit möglichst geringen Mitteln erzielen, damit die Bewohnerschaft nicht verdrängt wird und die Mieten niedrig bleiben. Im Mittelpunkt steht dabei das Erdgeschoss, das über gut integrierte Rampen erschlossen wird und barrierefreien Wohnraum schafft. Bestehende Potenziale im Außenraum werden aktiviert und führen zu mehr Aufenthaltsqualität für alle im Quartier. Das Wettbewerbsteam zeigt auf, dass die inklusive Umgestaltung von Wohnquartieren ein leistbares Unterfangen ist, das nicht aus finanziellen Vorwänden ausbleiben darf.

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    © Lena Bauder, Saveria Bürkle
    © Lena Bauder, Saveria Bürkle
    © Lena Bauder, Saveria Bürkle
    © Lena Bauder, Saveria Bürkle
    © Lena Bauder, Saveria Bürkle

    Erläuterungstext

    ERDGESCHOSS ALS SCHLÜSSEL – Teilhabe neu gedacht. Minimale Eingriffe mit maximaler Wirkung

    Der ausschlaggebende Ort für eine gerechte Stadt liegt auf Erdgeschossebene. Hier entscheidet sich, ob Teilhabe selbstverständlich möglich ist. Die übergeordnete Entwurfsidee besteht darin, die Erdgeschosszone als Schlüsselbereich des Quartiers auszubilden. Ob ein Quartier inklusiv funktioniert, entscheidet sich nicht im Aufzug oder im Dachgeschoss, sondern im Erdgeschoss. Die übergeordnete Idee besteht darin, die Erdgeschosszone als Schlüsselbereich des Quartiers auszubilden. Hier entscheidet sich, ob Teilhabe selbstverständlich möglich ist. Als räumlicher und sozialer Drehpunkt verbindet das Erdgeschoss Wohnen, Freiraum und Nachbarschaft und schafft die Grundlage für eine inklusive Transformation des Bestands. Barrierefreie Zugänge, sanft integrierte Rampen, eine durchgehende Veranda und universell gestaltete Räume ermöglichen eine selbstständige Nutzung für Menschen mit unterschiedlichen motorischen, sensorischen und kognitiven Voraussetzungen. Barrierefreiheit wird dabei nicht als Zusatz, sondern als integrale Qualität verstanden, die allen zugutekommt.

    Das Mühlburger Feld in Karlsruhe ist geprägt durch die klare Zeilenstruktur der Nachkriegsmoderne, drei Hochhäuser und großzügige Grünräume. Diese Identität bleibt lesbar und bildet die Grundlage der Weiterentwicklung. Der Bestand wird als räumliche und soziale Ressource begriffen und durch präzise gesetzte Eingriffe qualifiziert statt überformt. Die lineare Ordnung, der zentrale Grünzug und die offenen Zwischenräume werden gestärkt und zu einem zusammenhängenden, barrierefrei nutzbaren Gefüge weiterentwickelt.

    Die Transformation beginnt im Grundriss. Durch das gezielte Entfernen und Ergänzen einzelner Wände entstehen flexible Wohnungstypen, die auf sich wandelnde Lebensmodelle reagieren können. Öffnungen erweitern Sichtachsen, verbessern die Belichtung und fördern kommunikative Raumfolgen. So werden Erdgeschoss und Obergeschosse funktional und räumlich aufgewertet, ohne die bestehende Typologie grundlegend zu verändern. Die Eingriffe bleiben minimal, sichern die Bezahlbarkeit und ermöglichen zugleich eine langfristige Anpassungsfähigkeit der Wohnungen. Gerade durch diese behutsame Weiterentwicklung kann die bestehende Bewohnerschaft im Quartier verbleiben, wodurch soziale Kontinuität nicht nur erhalten, sondern aktiv gestärkt wird.

    Im Erdgeschoss wird diese innere Neuordnung konsequent nach außen weitergeführt. Durch die Ausbildung einer durchgehenden Veranda werden bestehende Höhendifferenzen ausgeglichen und ein gemeinsamer, schwellenloser Zugang zu 226 Erdgeschosswohnungen geschaffen. Rampen sind selbstverständlich in die Topografie integriert und werden Teil der Gartenlandschaft. Auf diese Weise erhöht sich der Anteil barrierefreier Wohnungen von 12 Prozent auf rund 30 Prozent, ohne tiefgreifende Eingriffe in Tragstruktur oder Gebäudetypologie. Ergänzende Abstellflächen für Fahrräder, Rollstühle, Kinderwagen und Gehhilfen verbessern die Alltagsmobilität unmittelbar am Haus. Der Übergang zwischen privatem Wohnen und gemeinschaftlichem Außenraum wird als kommunikative Schwelle ausgebildet, die Begegnung ermöglicht und zugleich Rückzug respektiert.

    Zwischen den Zeilen wird diese neue Erdgeschossebene räumlich fortgesetzt. Die großzügigen Freiflächen werden als barrierefreie, klar lesbare Freiraumsequenz neu organisiert. Topografische Modellierungen gleichen Niveauunterschiede aus und führen Wege selbstverständlich durch die Grünräume. Begrünte Aufenthaltsbereiche, unterfahrbare Urban Gardening Beete und überdachte Zonen schaffen inklusive Orte des Verweilens für alle Generationen. Retentionsflächen tragen zur Klimaanpassung bei, reduzieren Hitzeinseln und fördern Biodiversität. Klare Sichtbeziehungen und eine eindeutige Wegeführung stärken die Orientierung und ermöglichen eine intuitive Nutzung des unmittelbaren Wohnumfeldes.

    Auf städtebaulicher Ebene wird das Prinzip des aktivierten Erdgeschosses auf das gesamte Quartier übertragen. Eine südliche Aktivpromenade verbindet die Quartierseingänge und fungiert als durchgängiges Bewegungs und Begegnungsband. Sichere Querungen und präzise gesetzte Raumkanten reduzieren Barrieren und stärken die Lesbarkeit des Stadtraums.
    Punktuelle Additionen aktivieren zentrale Orte, ohne die städtebauliche Struktur zu verändern. Am Entenfang belebt ein Kiosk mit Sitz und Pflanzbereichen den westlichen Eingang. Bestehende Garagen werden zu Kreativgaragen umgenutzt und öffnen sich für nachbarschaftliche Initiativen, kleine Ausstellungen oder gemeinschaftliche Feste. Der Spielplatz wird inklusiv erweitert und ermöglicht gleichberechtigtes Spielen für Kinder mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Ein Pavillon ergänzt die Nachbarschaftshilfe um Workshopflächen und schafft einen niedrigschwelligen Ort für Austausch und Beratung. Der Quartiersplatz erhält flexible Möblierung und Witterungsschutz, sodass er ganzjährig als Treffpunkt nutzbar ist. Am Kühlen Krug organisiert ein neu strukturierter Markt die Versorgung und verbindet Engagement mit Begegnung.

    Der Entwurf zeigt, wie durch die Fokussierung auf das Erdgeschoss als Schlüsselraum eine ganzheitliche, sozial verträgliche und klimaresiliente Transformation möglich wird. Minimale, präzise gesetzte Eingriffe bewahren die Identität des Quartiers, sichern erschwinglichen Wohnraum und ermöglichen maximale Teilhabe. Das entwickelte Prinzip ist robust und übertragbar und bietet eine realistische Strategie für die inklusive Weiterentwicklung vergleichbarer Bestandsquartiere.

    Lena Bauder und Saveria Bürkle

    12.05.2026

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