Rathaus Weisweil - Umbau und Sanierung
Hinterdorfstraße 14
79367 Weisweil
wwg-architekten, Stephan Wussler, Christoph Wussler, Veronika Grimm Freie Architekten, Biberach (Baden); Projektleitung: Christoph Wussler
Gemeinde Weisweil, vertreten durch Bürgermeister Michael Baumann
2017
Das Rathausgebäude der Gemeinde Weisweil stammt aus dem Jahr 1830 (s. Sockelquader mit Jahreszahl, Ostseite). Es ist in die "Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg" eingetragen.
Der Keller besteht aus zwei langgestreckten Räumen, die jeweils von einem Tonnengewölbe aus Bruchsteinen überwölbt sind. Im Erdgeschoss bestehen die ca. 75 cm dicken Außenwände und die tragende, ca. 45cm dicke Innenwand aus wenig bearbeiteten roten Sandsteinen. Im Obergeschoss sind Außenwände noch ca. 65 cm dick. Die Decken über Erdgeschoss und Obergeschoss sind als Holzbalkendecken ausgeführt. Die Fenster- und Türöffnungen der Außenwände sind mit Sandsteinumrahmungen gefasst, der Ehrenbalkon über dem Haupteingang ist einschließlich der Auflagerkonsolen ebenfalls aus Sandstein gearbeitet. Der Dachstuhl ist ein abgestrebter Pfettendachstuhl, der mit einem Pfettenkranz als Vollwalm ausgeführt ist. Im Bürgersaal im ersten Obergeschoss ist Deutschlands schönstes und größtes Wirtshausschild untergebracht. Das Schild war bis 1939 am Gasthaus zum Erbprinz in Weisweil angebracht. Auf dem Schild ist Karl Ludwig, Erbprinz von Baden (1755-1801) mit verschiedenen Jagdmotiven zu sehen.
Auslöser der baulichen Veränderungen war die Verbesserung der Kunden- und Bürgerfreundlichkeit. Es wurde ein Bürgerbüro im Erdgeschoss eingerichtet sowie alle Ebenen barrierefrei erschlossen. Flankierend dazu wurde die nachhaltige Nutzung des Gebäudes insgesamt verbessert, z.B. durch Optimierung der Raumnutzungen in allen Geschossen sowie der energetischen Sanierung von Dach, Fenstern und haustechnischen Anlagen.
Mit dem Umbau und der Sanierung wurden die historischen Merkmale herausgearbeitet und so das ortsbildprägende, ursprüngliche Erscheinungsbild des Rathausgebäudes erhalten, bzw. wiederhergestellt:
- Durch den kompletten Rückbau des Hochbeetes wurde das Gebäude freigestellt und tritt wieder in seiner ursprünglichen Gestalt in Erscheinung. Dadurch konnte auch der weiteren Feuchteschädigung des Sandsteinsockels entgegengewirkt werden.
- Die neue Eingangstreppe orientiert sich an historischen Vorbildern und verläuft als zweiläufige Sandsteintreppe parallel zur Westfassade.
- Die Außenfassade blieb nahezu unverändert erhalten: Der teilweise feuchtegeschädigte und gerissene Außenputz wurde instandgesetzt, bzw. erneuert. Die Eingangstüren und die Fenster wurden erneuert, u.a. aufgrund der baurechtlichen Anforderungen (Brandschutz, Barrierefreiheit, Energieeinsparung). Die Teilungen der Holzfenster sind aus historischen Fensterkonstruktionen abgeleitet.
- An der Nordseite wurde in unmittelbarerer Nähe der Stellplätze ein ebenerdiger, witterungsunabhängig benutzbarerer und barrierefreier Gebäudezugang hergestellt. Durch diese Maßnahme konnte die in der Ansicht äußerst störend wirkende und gleichzeitig zu steile Außenrampe entfallen.
- Der Aufzugsschacht befindet sich im Gebäudeinneren. Er ist so angeordnet, dass er die Dachfläche nicht durchstößt.
- Im Dachgeschoss befinden sich anstelle der bisherigen Wohnungen Räume für die ortsansässigen Vereine.
- Die ursprüngliche, historische Dachkonstruktion wurde freigelegt.
Die Umsetzung der genannten Maßnahmen erfolgte unter Berücksichtigung der Belange des Brandschutzes, des Denkmalschutzes, der Statik, der Barrierefreiheit und der Energieeinsparung.
