Freiflächengestaltung Judenhof

Recht

Freiflächengestaltung Judenhof Ulm

Reg.-Nr.: 2005-2-03
Aufgabe: Nach der Eröffnung der Tiefgarage unter der Neuen Straße im Jaht 2006 sollen die öffentlichen Parkplätze auf dem Judenhof entfallen. Der historische Stadtraum soll aufgewertet werden. Ziel ist es, ein Gestaltungskonzept für den Platz zu entwickeln.

Auslober: Stadt Ulm

Wettbewerbsart: Realisierungswettbewerb als begrenzt offener Wettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren

Zulassungsbereich: EWR

Teilnahmeberechtigung: Architekten, Stadtplaner, Garten- und Landschaftsarchitekten

Teilnehmer: 29

Fachpreisrichter: Angela Bezzenberger, Darmstadt; Cornelia Bott, Nürtingen; Rudolf Saule, Regensburg; Arno Schmid, Leonberg (V); Alexander Wetzig, Ulm; Peter Fink, Ulm; Volker Jescheck, Ulm

Wettbewerbssumme: 28.000,00 Euro (zzgl. MwSt.)

Preisgerichtssitzung: 14.10.2005

1. Preis: Aura Architekten, Christian Schmutz, Andreas Hardegger, Neu-Ulm

Beurteilung des Preisgerichts:

Der einfache Entwurf besticht mit seinem Vorschlag, einen hellen Teppich aus Muschelkalk in die Platzfläche einzu-legen. Mit der stufenlosen Anpassung des Belages an die leicht geneigte Topografie des Platzes wird eine großzügige und einheitliche Gesamtgestalt erreicht. Die lässt eine freundliche Atmosphäre entstehen. Die vorgeschlagene Oberflächenbehandlung (poliert) wird freilich sehr kritisch gesehen. Durch die umlaufenden Randflächen aus Basaltkleinpflaster wird eine klare Wegeführung und eine gute Einbindung in das Straßennetz erreicht. Besonders wohltuend wird die zurückhaltende "Möblierung" des Platzes empfunden: wenig Bänke an der richtigen Stelle und sparsam eingesetzte Abgrenzungselemente zu den Fahrgassen, die im Süden ganz selbstverständlich die leichte Kurvatur der Fahrbahn aufnehmen. Gleich sympathisch ist der wassergebundene Belag der Baumfläche, der einen guten Übergang zu den Muschelkalkplatten des Teppichs herstellt. Das differenzierte Lichtkonzept mit seiner stimmungsvollen Ausleuchtung der Baumgruppe und den hohen, schlanken Lichtstehlen im Norden wird grundsätzlich positiv beurteilt. Der Vorschlag, die übrigen Platzflächen über die an den Fassaden angebrachten Strahler zu beleuchten, wird im Hinblick auf seine Durchsetzbarkeit kritisch beurteilt. Die Funktionalität ist problemlos gewährleistet. Die Investitionssumme dürfte über den bisher veranschlagten Kosten liegen. Der großzügig gestaltete Platz ermöglicht vielfältiges innerstädtisches Leben und steigert die Wohn- und Stadtqualität des Viertels.

2. Preis: meister.architekten, Dr. Daniel P. Meister, Ulm

Beurteilung des Preisgerichts:

Die Arbeit besticht durch ihre kraftvoll formulierte Idee. Ein einheitlicher Platzboden, der bis an die Fassaden heranreicht, greift die historische Charakteristik des Ortes stimmungsvoll auf. Als neues Element um den Brunnen und unter den Bäumen erzeugt eine geschliffene Steinplatte aus Basaltlava einen konträren Effekt und macht den Betrachter neugierig. Die Dimension der Bühne im Verhältnis zum Platz und Platzkante ist überzeichnet. Sie wird dem Grundcharakter des Raumes nicht gerecht. Der Freibewirtungsbereich wird zudem eingeschränkt. Das Einfräsen des Davidsterns als historisches Zeichen ist in seiner Absicht anerkennenswert, wird jedoch kontrovers diskutiert. Steinbänke nördlich schaffen als begrenzende Linie eine bespielbare Mitte. Das Lichtkonzept unterstreicht das Neue im Platz und macht ihn so zu einem längeren lebendigen Aufenthaltsort im Stadtgefüge. Die Arbeit wird den Anforderungen an Nutzungsvielfalt hervorragend gerecht. In der Wirtschaftlichkeit liegt die Arbeit eher im oberen Bereich. Die Verfasser arbeiten bewusst mit dem Gegensatz von Bewährtem, Bestehenden und Neuem im Sinne des Skulpturalen. Sie schaffen dadurch eine überraschende Akzentuierung im Judenhof und eine neue urbane Platzbedeutung innerhalb der städtischen Freiräume.

3. Preis: Scala Esefeld Nagler, LA Pfrommer + Roeder, Stuttgart

Beurteilung des Preisgerichts:

Aus der Einordnung des Judenhofs in ein städtisches Kontinuum von unterschiedlichen Platzfolgen leiten die Verfasser eine einfache ordnende Platzgestaltung ab. Diese einfache Ordnung aus einer inneren mit Platten belegten Platzfläche und einer Rahmung aus Kleinpflaster ist in seiner Grundkonzeption überzeugend. (Der Grund für das nahtlose Andocken an die Schuhhausgasse bleibt offen.) Die Stärkung der räumlichen Grundstruktur durch verschiedene Gestaltungsmittel enthält durchdachte Elemente, die aber durch Übertreibung teilweise Unverständnis hervorrufen. Z.B. wird die zarte Bänderung der inneren Platzfläche als subtiles Gliederungselement gewertet, wobei deren Übergriffe in die Kleinpflasterfläche vor den Häusern als Bodenmuster redundant empfunden wird. Das Beleuchtungskonzept stützt die Raumkanten durch Bodenstrahler. Mastenleuchten in den Sitzbankelementen betonen bespielbare Platzbereiche in den Abendstunden. Die darüber hinaus gehenden Vorschläge konterkarieren dieses gelungene Stimmungskonzept nachteilig durch ein Zuviel der Akzente. Die Anlage eines Brunnenplateaus, dass sich aus der sonst topografisch ebenen Platzfläche nach Norden heraushebt, wird in der dargestellten Form als bedeutendes und Atmosphäre stiftendes Element begriffen, wirkt jedoch als Intarsie in mittiger Lage relikthaft. Die Baumskulpturen mit Sitzbänken stellen ein denkbares Nutzungs- und Gestaltungsangebot dar. Insgesamt zeichnet sich der Entwurf durch seine klare Grundhaltung aus, die jedoch durch gestalterische Übertreibung nachteilig beeinflusst wird.

4. Preis: LA Edmund Spengler, Blaustein; Mathias Hähnig, Martin Gemmeke, Tübingen

Beurteilung des Preisgerichts:

Die Platzgestaltung, die räumlich geprägt ist von einer durchgehenden Fläche von Gebäudekante zu Gebäudekante und einer ergänzenden Baumreihe an der Nordseite, wird in ihrer Großzügigkeit begrüßt. Die Bankreihe im Norden ist sachgerecht platziert und ergänzt die Baumstellung im Feld der wassergebundenen Decke. Die wassergebundenen Decken als Grundflächen für die vorhandenen Linden beim Brunnen und für die zusätzlichen Bäume im Norden ergänzen sinnfällig das angestrebte Grünkonzept. Die Stellung der Bänke innerhalb der Bankgruppen beim Neptun-Brunnen überzeugt in ihrer Zufälligkeit nicht. Ebenso überzeugt nicht, dass der Verfasser die Axialität der Brunnenanlage nicht für die Umrandung der wassergebundenen Decke übernimmt. Die funktionalen Anforderungen für die Anfahrbarkeit der Platzränder und für den alle 4 Jahre stattfindenden traditionellen Bindertanz sind gegeben. Eine Erwähnung des historischen Grundrisses auf der Ostseite des Platzes ist insbesondere mit dem dafür vorgesehen Lichtband in der Platzfläche nicht angemessen und weit überzogen. Das Lichtkonzept, hat eine zurückhaltende Fassadenbetonung zum Ziel. Damit wird eine deutliche Unterscheidung der Tag- und Nachtsituation des Platzraumes erreicht. Allerdings müsste eine Blendwirkung der Bodenstrahler vermieden werden, ebenso die Gefahr "wandernder Schatten" durch Fußgänger auf den Fassaden. Der gewählte Platzbelag mit großformatigen Basaltplatten bedeutet einen erhöhten Aufwand.

19.08.2010