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Wenn über neue Arbeitswelten gesprochen wird, richtet sich der Blick meist auf Büros und hybride Modelle. Dabei findet ein großer Teil der Wertschöpfung in Produktionshallen, Werkstätten und Logistikzentren statt. „Gewerbegebiete sind die vergessenen Quartiere unserer Städte“, so Dr. Britta Hüttenhain von der Universität Stuttgart – es sind zentrale Zukunftsräume der Wirtschaft.
Der Fachtag „Transformation von Gewerbegebieten“ am 12. März 2026 im Haus der Architektinnen und Architekten – organisiert vom AKBW-Kompetenzteam „Strukturwandel in der Arbeitswelt“ in Zusammenarbeit mit dem IFBau – machte deutlich, wie stark sich die Perspektive verschiebt. Industriestandorte sind nicht nur Produktionsflächen, sondern Teil eines urbanen Gefüges mit wechselseitigen Beziehungen zwischen Arbeitsplatz, Firmenareal und Stadt.
Viele Gewerbegebiete entstanden in den 1970er Jahren, als die Devise lautete: Wohnen und Arbeiten müssen getrennt werden. Heute geraten diese monofunktionalen Strukturen unter Druck. Arbeitswelten verändern sich organisatorisch wie räumlich, Unternehmen gestalten ihre Standorte zunehmend kulturell, sozial und architektonisch. Neue Arbeitsformen, Flächenknappheit sowie Energie- und Klimafragen erfordern daher einen klaren Paradigmenwechsel.
Ein prägnantes Beispiel ist der TRUMPF Campus in Ditzingen. Aus einer Produktionshalle der 1970er Jahre hat sich ein vielfältiges Industrial Village mit Fertigung, Forschung, Ausbildung, Gastronomie und Sport entwickelt. Grundlage ist das Prinzip des „Soft Masterplanning“, das langfristige Orientierung bietet, ohne Entwicklungen starr festzuschreiben. Der Campus zeigt, wie Unternehmen ihre Areale als komplexe Arbeitslandschaften verstehen, in denen Infrastruktur und Aufenthaltsqualität eng verzahnt sind.
Parallel dazu stehen Kommunen vor der Aufgabe, bestehende Gewerbegebiete zu erneuern. Karlsruhe demonstriert dies im Sanierungsgebiet Grünwinkel: Innenentwicklung, Nachverdichtung, qualifizierte Freiräume, bessere Wege für den Umweltverbund und neue öffentliche Räume bilden die Grundlage eines multifunktionalen Gewerbequartiers.
In kleineren Gemeinden wird die Herausforderung besonders sichtbar. Die Große Kreisstadt Horb a. N. und die Gemeinde Empfingen planen gemeinsam ein rund 35 Hektar großes interkommunales Gewerbe bzw. Industriegebiet an der A81, um verkehrsgünstige Ansiedlungsflächen zu schaffen. Solche Projekte zeigen, dass interkommunale Kooperation – etwa im Zweckverband Kompass81 – entscheidend für die Entwicklung produktiver Standorte ist.
Die Transformation von Gewerbegebieten bleibt komplex. Fragmentierte Eigentumsverhältnisse, unterschiedliche Interessen und hohe Investitionsvolumina machen deutlich, dass Planung nur im Zusammenspiel vieler Akteure wirksam wird. Ziel ist eine produktive Stadt, in der wirtschaftliche Nutzung, urbane Qualität und Klimaanpassung zusammengedacht werden. Die Zukunft der Arbeit entsteht dort, wo Gewerbegebiete Schritt für Schritt zu vernetzten, lebendigen Gewerbequartieren werden.