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Als Vorsitzender des Kammerbezirks Stuttgart eröffnete Markus Weismann die 52. Landesvertreterversammlung in Heilbronn. Angesichts der vielfältigen Herausforderungen, denen sich sein Berufsstand konfrontiert sehe, ist seine Überzeugung: „Wir müssen unsere Planung weiterentwickeln und unseren Städte- und Hochbau agiler, dynamischer machen.“ Widersprüche und Komplexität gelte es als „Motto für Innovation“ zu verstehen und „nicht als Ausrede, warum Projektziele nicht zu erreichen sind“.
Wie steht die Kammer vor den Wahlen da und welche Lösungsansätze hält sie für die drängenden Probleme der Gegenwart bereit? Dieser Frage ging Markus Müller in seiner „Rede des Präsidenten“ nach. Darin selbstverständlich ein großes Thema: der stagnierende Wohnungsbau. Auf den enormen Bevölkerungsanstieg in Baden-Württemberg seit 2000, der zu großen Teilen auch das Resultat von Binnenwanderung sei, fehlte die angemessene Reaktion aus der Politik – anders als etwa in den 90er- Jahren. „Bei den Baugenehmigungen spielt die staatliche Steuerung keine Rolle“, sagte Müller und sieht darin den „Indikator für eine fundamentale Krise“. Auch wenn die Politik beteuerte, viel Geld in den sozialen Wohnungsbau gesteckt zu haben, seien seit 2017 insgesamt 120.000 Wohnungen zu wenig entstanden, so der Präsident mit Verweis auf Studien des Prognos-Instituts. Dabei spielten gesamtwirtschaftliche und politische Faktoren die entscheidende Rolle – etwa das Landeswohnraumfördergesetz.
„Wir müssen neu denken!“ forderte Müller und bezog sich damit auf das ganze Land. Bei der Suche nach den Kostentreibern beim Bauen gelte es auch, ins Detail zu gehen und insbesondere die Expertise der Fachleute zu nutzen. Die AKBW habe eine ganze Reihe von Vorschlägen entwickelt, um Herstellkosten zu reduzieren, die nun vonseiten der Politik aufzugreifen seien. Dazu zähle der Gebäudetyp E, bei dem der Gesetzgebungsprozess auf Bundesebene zeitnah ins Laufen komme. Auch habe das AKBW-Kompetenzteam Landesentwicklung ein fundiertes Positionspapier „Kommunale Leitbilder als Voraussetzung für einen wirksamen Bau-Turbo“ entwickelt.
Bei der Betrachtung des Baubestands lassen sich laut Müller die Energietreiber klar identifizieren. Informationen dazu fänden sich auch auf der Homepage des Strategiedialogs „Bezahlbares Wohnen und innovatives Bauen“. In diesem Zusammenhang verwies er darauf, dass die Bietergemeinschaft, der auch die AKBW angehört, erneut den Zuschlag als Geschäftsstelle bekommen hat. Statt der Bauwirtschaft sei nun die IBA’27 – neben der DGNB – einer der drei Partner. Stichwort IBA: Sie soll über das Jahr 2027 hinaus verlängert werden und, so die Idee von Kammerpräsident Müller, in einer Art Landes-Kompetenzteam aufgehen, um die bisherigen Arbeitsergebnisse zu sichern und fortzuführen.
Mit Bündnispartnern, auch mit potenziellen, solle man stets im Gespräch bleiben, selbst bei divergierender Meinung, so der klare Appell von Müller im Vorfeld der Landtagswahlen. Denn immer gehe es darum, den Austausch zu befördern, für neue Positionen offen zu sein und von Schwarz-Weiß-Malerei abzusehen. Die Architektenkammer Baden-Württemberg sieht er auch als Abbild vom Land. „Wir müssen ehrgeizig sein“, ist der Präsident überzeugt. Baden-Württemberg verdanke seinen Erfolg dem Ehrgeiz. Diesen gelte es, wieder zu entfachen.