Im Anschluss an die Stadtspaziergänge kamen die Teilnehmenden im Haus der Architektinnen und Architekten zur gemeinsamen Podiumsdiskussion zusammen. Bereits die gemeinsame Fahrt zur AKBW bot Raum für informellen Austausch und erste Reflexionen über die Beobachtungen aus dem Stadtraum. Nach einer Einführung und Begrüßung durch Helen Koch wurde zunächst ein gemeinsames Begriffsverständnis von Feminismus als gesellschafts- und planungsbezogenem Ansatz geschaffen. Ziel war es, den Begriff aus einer rein ideologischen oder emotional aufgeladenen Debatte herauszulösen und als Werkzeug zur kritischen Auseinandersetzung mit Teilhabe, Machtverhältnissen und räumlicher Gerechtigkeit zu betrachten.
Die anschließende Fishbowl-Diskussion mit Jana Melber (Netzwerk Architektinnen), Vera Krimmer (Stadtentwicklungsplanerin, Gender Planning, Stadt Stuttgart) und Sarah Thiel (wissenschaftliche Mitarbeiterin Universität Stuttgart, Städtebau-Institut, Theorien & Methoden der Stadtplanung), moderiert von Claudia Georgius (KoWerk), verband bewusst unterschiedliche Ebenen miteinander: persönliche Erfahrungen aus den Spaziergängen, fachliche Perspektiven aus Planung und Forschung sowie die Frage nach konkreten Konsequenzen für Stadtentwicklung und Planungsprozesse. Das offene Format ermöglichte einen niedrigschwelligen Austausch zwischen Publikum und Diskutierenden und schuf Raum für unterschiedliche Sichtweisen, Widersprüche und Ergänzungen.
Im Mittelpunkt standen Fragen nach Intersektionalität, Mobilität, Sicherheit und öffentlichen Räumen. Diskutiert wurde unter anderem, welche Perspektiven in Beteiligungsprozessen häufig fehlen und wie stark Faktoren wie Sprache, Uhrzeit oder soziale Voraussetzungen beeinflussen, wer überhaupt an partizipativen Formaten teilhaben kann. Deutlich wurde auch, dass Wege und Räume oft nicht konsequent aus unterschiedlichen Alltagsperspektiven zu Ende gedacht werden. Viele Beiträge machten sichtbar, dass Planung immer ein Abwägen von Zielkonflikten bleibt – gleichzeitig aber bereits in einer frühen „Planungsphase Null“ breiter und diverser gedacht werden müsste, um gerechtere Stadträume zu ermöglichen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie Privilegien unsere Wahrnehmung von Stadt beeinflussen und warum Veränderungen häufig Widerstände auslösen. Dabei wurde betont, dass feministische Planung nicht als exklusiver Ansatz verstanden werden sollte, sondern als Versuch, Städte für möglichst viele Menschen zugänglicher, sicherer und lebenswerter zu gestalten. Neben großen strukturellen Fragen spielte auch die Idee eines „alltäglichen Mikrofeminismus“ eine Rolle – also kleiner, konkreter Veränderungen im täglichen Umgang mit Stadt und miteinander.
Die Diskussion zeigte, wie wichtig Räume für offenen Austausch zwischen Fachwelt, Alltagserfahrung und Stadtgesellschaft sind. Gleichzeitig wurde deutlich, dass es weniger an Debatten als vielmehr an konkreter Umsetzung fehlt. Viele Teilnehmende formulierten den Wunsch, Beteiligung stärker als kontinuierlichen Prozess zu verstehen und Planung gemeinschaftlicher zu denken. Das verbindende Stichwort des Abends lautete daher mehrfach: „Zusammen“.