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Am 21.01. kamen im HdA Stuttgart unterschiedliche Perspektiven zusammen, um über Werkzeuge regionaler Transformation zu sprechen: Stephan Karle, Marcus Hergert, Timo Billhöfer und Felix Goldberg, moderiert von Christian Holl. Im Double-Fishbowl-Format konnte das Publikum nach kurzen Impulsen direkt Teil der Diskussion werden.
Im Fokus standen Kreislaufwirtschaft, offene Daten, nachhaltige Strategien und die Frage, wie Kooperation über Grenzen hinweg gelingen kann. Deutlich wurde: Innovation scheitert selten an Ideen – sondern an Zeit, Strukturen und fehlender Vernetzung. Transformation braucht geteiltes Wissen, Mut zur Zusammenarbeit und Ausdauer.
Wenn man etwas erreichen will, muss man dranbleiben.
Dieser Satz war mehr als nur ein geflügeltes Wort des Abends – er wurde zur Haltung. Denn was am 21. Januar im Haus der Architektinnen und Architekten diskutiert wurde, lässt sich nicht in schnellen Lösungen oder wohlklingenden Leitbildern fassen. Es ging um nichts Geringeres als um die Frage: Wie gelingt Transformation – konkret, regional und jenseits von Schlagworten?
Zwischen Verantwortung und Realität
Auf dem Podium trafen unterschiedliche Perspektiven aufeinander:Stephan Karle (Recycling-Unternehmer),Marcus Hergert (Nachhaltigkeitsberater),Timo Billhöfer (KI-Experte) undFelix Goldberg (Berufspolitik AKBW),moderiert von Christian Holl.
Im Double-Fishbowl-Format wurden kurze Impulse mit einer offenen Diskussionsstruktur kombiniert: Zwei freie Stühle ermöglichten es dem Publikum, aktiv in das Gespräch einzusteigen. Das Format spiegelte damit bereits die zentrale These des Abends: Transformation ist kein Top-down-Prozess – sie entsteht im Austausch.
Kreislauf statt Abrisslogik
Stephan Karle brachte die Realität der Bau- und Abbruchpraxis ins Gespräch. Ein Krankenhaus wird abgerissen – doch zwischen Abrissantrag und Bagger liegt oft zu wenig Zeit, um Bauteile sinnvoll in einen Sekundärmarkt zu überführen. Ressourcen sind vorhanden, doch Prozesse verhindern ihre Nutzung.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur: Wie bauen wir nachhaltig?Sondern: Wie produzieren wir so, dass Wiederverwendung überhaupt möglich wird?
Die Kreislaufwirtschaft scheitert selten am technischen Wissen – sondern an Zeit, Zuständigkeiten und fehlender Kopplung der Akteur:innen. Transformation beginnt hier mit Prozessdesign.
Kooperation als kulturelle Aufgabe
Marcus Hergert lenkte den Blick auf das enorme Potenzial der Region: In wenigen Postleitzahlenräumen konzentrieren sich Unternehmen mit internationaler Strahlkraft. Doch Kooperation ist kein Automatismus.
„Kooperationen sind möglich – aber es fehlt die Übung.“
Zwischen Konkurrenzlogik und Gemeinwohlorientierung bewegt sich eine Wirtschaftsstruktur, die zwar Innovation hervorbringt, jedoch selten systematisch vernetzt ist. Zirkuläres Bauen etwa erfordert eine bessere Abstimmung zwischen Planung, Nutzung und Rückbau – eine Kooperationskultur, die bislang kaum institutionalisiert ist.
Daten als Infrastruktur der Zusammenarbeit
Timo Billhöfer verschob die Perspektive in den digitalen Raum. Wenn Wissen nicht zugänglich ist, bleibt Kooperation Theorie. Open Source, so seine These, bedeutet nicht Kostenlosigkeit, sondern Kooperationsfähigkeit. Daten sind Infrastruktur. Wer sie teilt, schafft Anschlussfähigkeit. Wer sie abschottet, reproduziert Konkurrenz. Gleichzeitig eröffnen KI-gestützte Simulationen neue Möglichkeiten, nachhaltige Lösungen vorab zu testen. Doch auch hier gilt: Technologie ersetzt keine Haltung. Ohne geteiltes Wissen bleibt selbst die beste Idee isoliert.
Politik, Mandat und Handlungsspielraum
Felix Goldberg ordnete die Diskussion berufspolitisch ein. Regionale Steuerung ist komplex, Mandate sind oft begrenzt, Plattformen fehlen. Der Verband Region Stuttgart hat kein direktes Entscheidungsmandat – Verantwortung verteilt sich auf viele Ebenen.
Damit stellt sich die zentrale Frage des Abends:Müssen wir warten, bis sich politische Rahmenbedingungen ändern – oder handeln wir innerhalb der bestehenden Strukturen?
Mindset statt Methodensammlung?
Im Laufe der Diskussion kristallisierte sich ein gemeinsamer Nenner heraus:Transformation ist weniger eine Frage einzelner Instrumente als eine Frage des Mindsets.
Nachhaltigkeit ist noch kein gesellschaftlicher Konsens. Kooperation wird kulturell häufig als Schwäche oder Abhängigkeit missverstanden. Architekt:innen sind traditionell Generalist:innen – wir können vieles selbst. Doch gerade darin liegt die Herausforderung: Wir brauchen Kooperation, um komplexe Systeme zu verändern.
Regulatorik, Vergabeverfahren und Verwaltungsprozesse wurden kritisch hinterfragt. Sind sie zu kompliziert? Hemmen sie Innovation? Oder fehlt es schlicht an niedrigschwelligen Wissensplattformen, die Orientierung geben?
Werkzeuge der Region
Was bleibt von diesem Abend?
Oder anders formuliert:„Wenn man etwas erreichen will, muss man dranbleiben.“
Der Prozess Kraft der Region versteht sich genau als solche Plattform – als Ort für Austausch, kritische Selbstbefragung und langfristige Vernetzung regionaler Macher:innen.
Wer sich beteiligen oder über kommende Termine informiert bleiben möchte, kann sich an den Kammerbezirk Stuttgart wenden und in die Mailingliste eintragen lassen.