0711 Contest 2025
0711 Contest 2025
Was für eine Veränderung - in nur wenigen Jahren:
nicht ein klassischer Neubau, viele Themen, die maßstabsübergreifend begründet sind!
Die Studierenden der Hochschulen, der Akademie und Universität und mit ihnen die Lehrenden wühlen in den Eingeweiden der Stadt, in den Abwässern, den Untergründen, den Leerständen, in vulnerablen Milieus, in tierischen Revieren, sie suchen die Kernbereiche der Transformation, alle arbeiten an einer resilienten, lebenswerten Stadt.
Zu Teilen dilettieren sie methodisch, arbeiten mit Worthülsen, zu Teilen ist das aber auch beginnende Forschungsintensität – auf jeden Fall sind die Herangehensweisen kreativ und erfinderisch. Studieren heißt kritisches Denken forcieren, heißt entdecken und forschen.
Der Dreiklang, der in den letzten Jahren die Diskussion, aber auch die Finanzierung der Hochschulen und Universitäten bestimmt – Lehre, Forschung und Praxis – wird deutlich sichtbar. Nicht mehr Grundriss, Schnitt und Ansicht, sondern Methodenvielfalt (Hörstück, Spiele), Prozessorientierung oder Kommunikationszuwendung zeigen ein neues Bild.
Die Bauwende ist in den Themen und der Art der Bearbeitung angekommen - das Berufsbild im Wandel.
In diesem Jahr wurden in zwei Kategorien insgesamt 7 Preise verliehen: Gebauter Raum (A) und Gesellschaftspolitik in Analyse und Prozess (B). In Einzel- und Gruppenarbeiten wurden insgesamt 28 Preisträger:innen erkoren.
A Gebauter Raum von 1:1 bis 1:10.000
Arbeit Nr. 15, Neckar Analyse Stube
Nicolai Schurr, ABK
Folly, Labor für Wasserqualität, Refugium für Kunstschaffende, öffentliche Terrasse über dem Fluss - aus dem unscheinbaren Überrest einer längst vergessenen Neckarbrücke wird ein poetischer Ort.
Direkt am Mühlsteg, der Verbindung zwischen Kursaalanlagen, Mombachquelle und Travertinpark gelegen, kann das Objekt als technische Installation im Flusslauf gelesen werden, aber auch als romantischer Pavillon im Park.
Die klare Holzkonstruktion auf dem vorhandenen Betonpfeiler setzt die Idee mit einfachsten Mitteln angemessen und sensibel um. Man möchte es am liebsten gleich bauen!
Arbeit Nr. 4, Refugium
Studentisches Selbsbauprojekt, Uni Stuttgart
Niemand möchte wohnungslos werden. Und wenn es doch passiert – wer kümmert sich um einen? Wie findet man aus der Notsituation heraus?
In Zusammenarbeit mit dem sozialen Träger, der Evangelischen Gesellschaft, nehmen 18 Studierende diese Herausforderung an. Ihre Arbeit zeigt, wie ein bestehendes Gartenhäuschen im Selbstbau in ein Refugium umgewandelt wird. Der Prozess beginnt mit dem Katalogisieren des Bestandes und führt über Planung, Materialbeschaffung, Aufbau bis hin zur Inneneinrichtung.
Die Jury würdigt den gesamten gemeinschaftlichen Prozess, die intensive Beschäftigung mit den Ressourcen und Materialeigenschaften, sowie die Tatsache, dass die Begriffe Refuse, Reduce, Reuse und Recycle in die Tat umgesetzt worden sind.
Arbeit Nr. 7, Stuttgart – getrenntes Abwasser, geeinte Stadt
Giuliana Fronte, Uni Stuttgart
Das Wasser ist überall, auch wenn wir es nicht immer sehen. Es ist nicht nur ein Element eines romantischen Stadtbildes, es ist essenziell und überlebenswichtig.
Die Arbeit widmet sich dem Thema Abwasser und zeigt, wie Maßnahmen in verschiedenen Maßstäben und Ebenen die soziale und ökologische Infrastruktur von Städten positiv beeinflussen können.
Dabei werden große Veränderungen angestoßen – wie die Wiederbelebung des Nesenbachs oder Renaturierung des Neckars, aber auch punktuelle Eingriffe, wie zum Beispiel kleinmaßstäbliche Kläranlagen und Wasserbauten. Dieses Zusammenspiel führt zu einer Verdichtung, die sich positiv auf die Stadt auswirkt.
Die Jury würdigt die innovative, ganzheitliche Denkweise, die dieses komplexe Thema sehr anschaulich mit baulichen Vorschlägen vermittelt und mit atmosphärischen Bildern Lust macht.
Arbeit Nr. 18, Frei(bad) gedacht
Melissa Schulz, Sevda Nisa Coskun, Uni Stuttgart
Wasser als existenzielle Ressource wird anhand einer bisher monofunktionalen Gebäudetypologie neu und sichtbar in die Kreisläufe der Stadt eingefügt. Das ehemalige Stadtbad in Bad Cannstatt, ein Hallenbad der 1960-er Jahre tritt in eine kreative Metamorphose ein. Das Gebäude am Neckar wird zergliedert, entblättert, abgedeckt, neu zugeordnet, die einzelnen Gebäudeteile greifen neue Beziehungen auf. Natürlich gefiltertes Regenwasser speist das Freibad mit Terrasse zum Neckar, der geschlossene Gebäudeteil greift als Mensa die Nähe der benachbarten Schulen auf und bietet mit einem Labor den forschenden Zugang zum Thema Wasser.
Die Jury würdigt die Verknüpfung von großmaßstäblicher städtischer Infrastruktur und Gebäudeleerstand, die detektivische Reaktion auf Fehlbedarfe in der Nachbarschaft und vor allem das kreative und atmosphärisch wirksame Transformieren der Stadt.