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    Was für eine Veränderung - in nur wenigen Jahren:

    nicht ein klassischer Neubau, viele Themen, die maßstabsübergreifend begründet sind! 

    Die Studierenden der Hochschulen, der Akademie und Universität und mit ihnen die Lehrenden wühlen in den Eingeweiden der Stadt, in den Abwässern, den Untergründen, den Leerständen, in vulnerablen Milieus, in tierischen Revieren, sie suchen die Kernbereiche der Transformation, alle arbeiten an einer resilienten, lebenswerten Stadt.

    Zu Teilen dilettieren sie methodisch, arbeiten mit Worthülsen, zu Teilen ist das aber auch beginnende Forschungsintensität – auf jeden Fall sind die Herangehensweisen kreativ und erfinderisch. Studieren heißt kritisches Denken forcieren, heißt entdecken und forschen.

    Der Dreiklang, der in den letzten Jahren die Diskussion, aber auch die Finanzierung der Hochschulen und Universitäten bestimmt – Lehre, Forschung und Praxis – wird deutlich sichtbar. Nicht mehr Grundriss, Schnitt und Ansicht, sondern Methodenvielfalt (Hörstück, Spiele), Prozessorientierung oder Kommunikationszuwendung zeigen ein neues Bild.

    Die Bauwende ist in den Themen und der Art der Bearbeitung angekommen - das Berufsbild im Wandel.

    In diesem Jahr wurden in zwei Kategorien insgesamt 7 Preise verliehen: Gebauter Raum (A) und Gesellschaftspolitik in Analyse und Prozess (B). In Einzel- und Gruppenarbeiten wurden insgesamt 28 Preisträger:innen erkoren.

    A Gebauter Raum von 1:1 bis 1:10.000

    Arbeit Nr. 15, Neckar Analyse Stube
    Nicolai Schurr, ABK

    Folly, Labor für Wasserqualität, Refugium für Kunstschaffende, öffentliche Terrasse über dem Fluss - aus dem unscheinbaren Überrest einer längst vergessenen Neckarbrücke wird ein poetischer Ort. 

    Direkt am Mühlsteg, der Verbindung zwischen Kursaalanlagen, Mombachquelle und Travertinpark gelegen, kann das Objekt als technische Installation im Flusslauf gelesen werden, aber auch als romantischer Pavillon im Park.

    Die klare Holzkonstruktion auf dem vorhandenen Betonpfeiler setzt die Idee mit einfachsten Mitteln angemessen und sensibel um. Man möchte es am liebsten gleich bauen!

    Arbeit Nr. 4, Refugium
    Studentisches Selbsbauprojekt, Uni Stuttgart

    Niemand möchte wohnungslos werden. Und wenn es doch passiert – wer kümmert sich um einen? Wie findet man aus der Notsituation heraus?

    In Zusammenarbeit mit dem sozialen Träger, der Evangelischen Gesellschaft, nehmen 18 Studierende diese Herausforderung an. Ihre Arbeit zeigt, wie ein bestehendes Gartenhäuschen im Selbstbau in ein Refugium umgewandelt wird. Der Prozess beginnt mit dem Katalogisieren des Bestandes und führt über Planung, Materialbeschaffung, Aufbau bis hin zur Inneneinrichtung.

    Die Jury würdigt den gesamten gemeinschaftlichen Prozess, die intensive Beschäftigung mit den Ressourcen und Materialeigenschaften, sowie die Tatsache, dass die Begriffe Refuse, Reduce, Reuse und Recycle in die Tat umgesetzt worden sind.

    Arbeit Nr. 7, Stuttgart – getrenntes Abwasser, geeinte Stadt
    Giuliana Fronte, Uni Stuttgart

    Das Wasser ist überall, auch wenn wir es nicht immer sehen. Es ist nicht nur ein Element eines romantischen Stadtbildes, es ist essenziell und überlebenswichtig.

    Die Arbeit widmet sich dem Thema Abwasser und zeigt, wie Maßnahmen in verschiedenen Maßstäben und Ebenen die soziale und ökologische Infrastruktur von Städten positiv beeinflussen können.

    Dabei werden große Veränderungen angestoßen – wie die Wiederbelebung des Nesenbachs oder Renaturierung des Neckars, aber auch punktuelle Eingriffe, wie zum Beispiel kleinmaßstäbliche Kläranlagen und Wasserbauten. Dieses Zusammenspiel führt zu einer Verdichtung, die sich positiv auf die Stadt auswirkt.

    Die Jury würdigt die innovative, ganzheitliche Denkweise, die dieses komplexe Thema sehr anschaulich mit baulichen Vorschlägen vermittelt und mit atmosphärischen Bildern Lust macht.

    Arbeit Nr. 18, Frei(bad) gedacht
    Melissa Schulz, Sevda Nisa Coskun, Uni Stuttgart

    Wasser als existenzielle Ressource wird anhand einer bisher monofunktionalen Gebäudetypologie neu und sichtbar in die Kreisläufe der Stadt eingefügt. Das ehemalige Stadtbad in Bad Cannstatt, ein Hallenbad der 1960-er Jahre tritt in eine kreative Metamorphose ein. Das Gebäude am Neckar wird zergliedert, entblättert, abgedeckt, neu zugeordnet, die einzelnen Gebäudeteile greifen neue Beziehungen auf. Natürlich gefiltertes Regenwasser speist das Freibad mit Terrasse zum Neckar, der geschlossene Gebäudeteil greift als Mensa die Nähe der benachbarten Schulen auf und bietet mit einem Labor den forschenden Zugang zum Thema Wasser.

    Die Jury würdigt die Verknüpfung von großmaßstäblicher städtischer Infrastruktur und Gebäudeleerstand, die detektivische Reaktion auf Fehlbedarfe in der Nachbarschaft und vor allem das kreative und atmosphärisch wirksame Transformieren der Stadt.

    Gewinner:innen des diesjährigen Contests, Foto: Helen Koch

    B Gesellschaftspolitik in Analyse und Prozess

    Arbeit Nr. 3, Unter uns
    Clara Gaenslen, Laura Plasser, Uni Stuttgart

    Der Stuttgarter Untergrund wird unter die Lupe genommen. Durch eine interaktive Website mit Karte kommt diese Unterwelt ans Tageslicht.

    Es sind über 300 Stollen, die während des 2. Weltkrieges den Stuttgarter:innen zum Schutz dienten, mittlerweile aber nicht mehr in unserem Bewusstsein sind. Die Arbeit untersucht Möglichkeitsräume, die sich hier eröffnen: Veranstaltungen, Pilzzucht, Kulturräume für zivilgesellschaftliche Initiativen.

    Die Arbeit zeigt auf eine spannende Art, wohin uns die Suche nach ungenutzten Räumen in der Stadt führen kann. Sie bleibt gezielt auf der abstrakten Ebene und regt damit die Fantasie der Betrachter an. Ein Film vermittelt exemplarisch am Rübezahlstollen seine Geschichte und zeigt Szenarien für die mögliche Zukunft.

    Die Jury würdigt die Art und Weise, wie und mit welchen Medien das Thema aufgegriffen und ins öffentliche Bewusstsein gebracht wird.

     

    Arbeit Nr. 6, Stuttgart Commons - Kulturschutzgebiet Bahndirektion
    Christian Nopitsch, Sarah Rüngeler, Carolina Elisa Kern, Uni Stuttgart

    Ein riesiges Areal direkt am Stuttgarter Hauptbahnhof liegt seit Jahren brach. Diese Arbeit zeigt, wie die Universität als Impulsgeber dieses ungenutzte Potential zum Leben erwecken kann. Sie nimmt das Bestehende auf, platziert geschickt Ergänzungen und macht Möglichkeitsräume auf.

    Durch einen intensiven gemeinwohlorientierten Prozess werden die Orte erobert und mit neuen Inhalten gefüllt. Das Stadtmachen braucht Zeit und Akteure, aber auch politischen Willen: die Landeshauptstadt kauft das Areal und stellt es den Akteuren zur Verfügung.

    Die Jury würdigt das Eingreifen der Lehre in die Entwicklung der Stadt, die Herangehensweise mit einem komplexen Prozess, die konkreten Vorschläge zur Bildung eines Netzwerkes und die impulsgebenden Maßnahmen zu Umsetzung.

     

    Arbeit Nr. 10, “Ornaments of a defensive city”
    Kevin Spina, HfT

    Das filmische Abtauchen in dunkle oder grell erleuchtete, glitschige, unpersönliche, menschenunfreundliche urbane Räume hat uns erschreckt, fast angewidert, die Darstellung von computeranimierten Menschen und Räumen und die Begleitung durch eine professionell geschulte amerikanische Werbefilmstimme hat diese Ablehnung gesteigert. Damit hat die Arbeit ihr Ziel erreicht. Sie macht spielerisch-dystopisch aufmerksam auf die Unwirtlichkeit der Stadt in Verteidigung. Der Titel: „Ornaments of a defensive City“ unterstellt diesem Bestreben nach Sicherheit gar noch Gestaltungswillen. Die Analyse der Handlungsfelder – Beleuchtung, Akustik, Materialität, Möblierung – ist fundiert, die Macht der Realität wird entblättert.

    Die Jury würdigt dieses kraftvolle Aufrütteln: Keine alternativen Optionen stehen im Fokus, sondern die Erkenntnis fortgeschrittener räumlicher Realitäten - in Zeiten des Friedens. Analyse und Spiel verstärken die Motivation, sich für eine inklusive, resiliente Stadt für alle einzusetzen.

    Mehr zu diesem Projekt hier.

    Text: Susanne Dürr, Thomas Herrmann

    Jury: Grazyna Adamczyk-Arns (IBA’27), Susanne Dürr (Hochschule Karlsruhe), Aida Nejad (Studio Malta), Thomas Herrmann (Sprecher der FÜNF Stuttgarter Kammergruppen), Heike Schaefer (Freie Architektin)

     

    Wir bedanken uns herzlich bei unseren Sponsoren: die FÜNF Stuttgarter Kammergruppen, Züblin AG und db deutsche bauzeitung

     

    Wir bedanken uns herzlich, dass wir vom 10.07 bis zum 31.07.2025 hier im Rathaus ausstellen dürfen!

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    21.07.2025

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