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  • Ein Beispiel für regionales Bauen: das Jugendfreizeitheim Ebersberger Sägmühle in Oberrot von hms architekten aus Ludwigsburg

    11. Schwäbischer Städtetag

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    11. Schwäbischer Städtetag

    Regionales Bauen - Woher? Wohin?

    Dass das Thema eine Herausforderung ist und vor allem die Frage nach der Weiterentwicklung des regionalen Bauens nicht leicht zu beantworten sein würde, machten alle Eröffnungsredner dieser Tagung des Schwäbischen Heimatbundes gleich zu Beginn klar.

    So auch der Minister für Verkehr und Infrastruktur des Landes Baden-Württemberg Winfried Hermann und der Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg Markus Müller, die – beide als Mitveranstalter – mit ihren Eingangs-Statements die Bedeutung dieses Schwäbischen Städte-Tags am 9. Juli in Sigmaringen unterstrichen. Insbesondere die austauschbaren Ortseingänge mit ihren Gewerbezonen erzeugten hier Handlungsbedarf und angesichts fader Baumarkt- und Parkhausfassaden erkannte der Minister: „Da hilft nur noch Knöterich, und zwar in Massen!"

    Zunächst beleuchtete Ulrike Fischer als frisch über regionales Bauen in Graubünden promovierte Expertin, wie sich dort ab 1900 Heimatschutzarchitektur und nach 1945 eine regionale Moderne entwickelten. Die Heimatschutzbewegung verfolgte klare Bild- und Regelwerke, in der Moderne wurde die Beschäftigung differenzierter und systematischer. Auch in den letzten Jahrzehnten sei es in diesem Schweizer Kanton gelungen, an Traditionen anzuknüpfen, ohne sentimental zu werden und ins Folkloristische abzudriften. Als Voraussetzung für eine Architektur, die die kulturelle Identität fortschreibt mahnte Fischer zur Bereitschaft, sich kritisch mit der regionalen Baukultur auseinanderzusetzen. Als gemeinsame Strategie analysierte sie einen Entwurfsansatz, der vom Material und Handwerk ausgeht und auf Zurückhaltung und Angemessenheit setzt. Ihr Fazit: Regionalismus ist keine Frage des Stils, sondern eine gesellschaftliche und kulturelle Haltung.

    Regionales Bauen in städtischem Kontext: Zwei Bürgerhäuser am Weinhof in Ulm von Nething generalplaner Architekten und Ingenieure aus Neu-Ulm
    Der ehemalige Kreisbaumeister des bayerischen Landkreises Rosenheim Alois Juraschek hob in seinem Beitrag zur fraglichen Postkartenidylle auf die Bedeutung der Bauleitplanung zur Entwicklung dörflicher Strukturen ab. Alle Strickmuster schematisch angewandt könnten auch zur Katastrophe führen, wie er an erschreckenden Beispielen vorführte. Entscheidend sei, die Räume zu ordnen, die Orte lesen zu lernen, um Massen und Proportionen im Ensemble des Ortsbilds zu gliedern, damit eine stimmige Symbiose von Landschaft, Grundstückstopographie und Form der Solitärbauten entstehe.

    Architekt und Stadtplaner Dr. Frank Pflüger aus Aachen hob auf die Vorteile für Tourismus und Wirtschaftsförderung ab und warb für eine Erweiterung des Begriffs vom Produkt hin zum Verfahren: der Prozess des Planens und Bauens müsse mit der Kommunikation darüber zu einem Diskurs über Heimat führen, bei dem es gelte, sich von Imitaten und Kitsch abzugrenzen. Dabei gebe es Defizite bei der Vermittlung des sperrigen Begriffs „Regionale Baukultur" an den Nachwuchs. Der lange Atem einer Generation sei notwendig und schnelle Erfolge nicht zu erwarten.

    Im weiteren wurden vorbildliche Bauten aus Architekten- und Bauherrenperspektive, die Initiative „Baukultur Schwäbische Alb" und eine identitätsstiftende Imagekampagne unter aktiver Beteiligung der Einwohner der Schwarzwaldgemeinde Baiersbronn vorgestellt. Bei der Podiumsdiskussion kristallisierte sich die Bedeutung von Planungsinstrumenten, Prozesscharakter und Dialogkultur heraus. Man erkannte Schwierigkeiten Qualitätsmaßstäbe durchzusetzen, wenn eine konkurrierende Nachbargemeinde alles zulasse. Die Streichung von Flächennutzungsplänen habe mehr gebracht als alle Bauleitpläne. Dabei sei Dorfentwicklungsplanung sinnvoll, wenn mit der Bevölkerung eine Entwicklungsstrategie erarbeitet werde, die aber auch Kompromisse zulasse.

    Zum Abschluss hielt Ulms ehemaliger Baubürgermeister Alexander Wetzig ein Plädoyer für die Notwendigkeit eines modernen Regionalismus: Tradition und Moderne gehörten mit zeitgemäßen Mitteln verknüpft, die Moderne müsse sich mit der europäischen Stadt versöhnen, indem sie sich konsequent mit dem jeweiligen Ort auseinandersetzt.
    Marc Hirschfell / 02.06.2015

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